VfL Wolfsburg Die Madlung-Wandlung


Verteidiger Alexander Madlung VfL Wolfsburg galt lange Zeit als rüpelhafter Lehrling. Unter Armin Veh entwickelte er sich zum verlässlichen Abwehrchef. In der Champions-League-Partie gegen Besiktas Istanbul (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) will er nun beweisen, dass er ein Führungsspieler sein kann.

Im Februar wurde sein Verkauf schon vermeldet, jetzt ist er Abwehrchef in der Champions League: Alexander Madlung hat einen erstaunlichen Wandel beim VfL Wolfsburg erlebt. Der von Felix Magath in der Meistersaison aussortierte Innenverteidiger ist zur Konstante im Abwehrzentrum geworden, seitdem der italienische Fußball-Weltmeister Andrea Barzagli seinen Stammplatz verloren hat und Ricardo Costa Platz machen musste. "Er hat sich das verdient, sonst würde ich ihn nicht aufstellen", sagte VfL-Trainer Armin Veh vor dem Spiel gegen Besiktas Istanbul.

"Er hat sich immer gesteigert", erklärte Veh. In Spielen wie gegen den Weltklasse-Sturm von Manchester United hat der gebürtige Braunschweiger seine internationale Reife bewiesen. Madlung, der früher für seine rustikale Art bekannt war, spielt inzwischen mehr mit Auge und Übersicht. Und weil Barzagli von Veh zum Bankdrücker degradiert worden ist, hört in der VfL-Abwehr alles auf das Kommando des zweimaligen Nationalspielers.

Madlung pokerte mit Vertragsverlängerung

Das ist umso überraschender, als Vehs Vorgänger den 27-Jährigen abgeschrieben und bereits als Abgang vermeldet hatte. Madlung werde den Verein verlassen, sagte Magath Anfang Februar vor laufender Kamera und erklärte: "Ich habe das Gefühl, dass er mit dem Kopf bereits bei einem anderen Club ist." Als Interessenten galten unter anderen Köln, Hannover und vor allem der Hamburger SV. Dass Magath nicht mehr auf Madlung setzte, lag aber wohl vor allem daran, dass sich der Spieler geweigert hatte, seinen auslaufenden Vertrag frühzeitig zu verlängern.

Madlungs Poker ging auf. Als Magaths Abschied in Wolfsburg feststand, unterschrieb er noch vor der Meisterfeier einen neuen Kontrakt beim VfL. Für vier weitere Jahre wird der 2006 von Hertha BSC gekommene Verteidiger in Wolfsburg bleiben. "Es ist ein großer Vorteil für mich, das Vertrauen des Trainers zu spüren", sagte Madlung. "Das versuche ich zurückzugeben - wenn möglich über die ganze Saison."

"Wenn ich 100 Bundesligaspiele absolviere, dann bin ich auch ein Bundesligaspieler"

Inzwischen hat Madlung 170 Erstliga-Partien auf dem Konto, mehr als die Hälfte davon beim VfL. "Meinem Vater habe ich einmal gesagt, wenn ich 100 Bundesligaspiele absolviere, dann bin ich auch ein Bundesligaspieler", berichtete der ehemalige Hertha-Profi: "Jetzt habe ich die Zahl schon lange hinter mir gelassen und wünsche mir, dass mindestens noch genauso viele dazu kommen."

Zu Madlungs Stärken gehört das Kopfballspiel, das er auch in der Offensive gefährlich einsetzt. "Ich habe als Abwehrspieler immer Tore gemacht, hatte pro Saison immer einen ganz guten Schnitt", sagte er nach seinem Treffer am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach: "Diesmal habe ich halt ein bisschen länger gebraucht." Das Tor erzielte er natürlich per Kopf, nach einer Ecke von Zvjezdan Misimovic. "Wenn die Bälle so kommen, ist Madlung einer der Besten in Deutschland", lobte Gladbachs Coach Michael Frontzeck: "In solchen Situationen ist es fast unmöglich, gegen ihn zu verteidigen." Gut möglich, dass auch die Verteidiger von Besiktas Istanbul diese Erfahrung machen.

Von Michael Rossmann/DPA DPA

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