Nationalmannschaft Ein Heißsporn für die Löw-Bande


Jogi Löw hat auf den personellen Notstand im Abwehrzentrum der deutschen Nationalmannschaft reagiert. Für die beiden EM-Quali-Spiele gegen Irland und San Marino nominierte der Nationaltrainer überraschend einen eisenharten Newcomer nach.

Der 24 Jahre alte Neuzugang des VfL Wolfsburg, Alexander Madlung, ergänzt überraschend nach dem Ausfall des kompletten WM-Quartetts mit den verletzten Per Mertesacker, Christoph Metzelder, Robert Huth und Jens Nowotny den verbliebenen "doppelten Friedrich" Arne und Manuel in der Innenverteidigung.

"Ich freue mich riesig", kommentierte Madlung am Montag die auch für ihn unverhoffte Berufung des Bundestrainers. Nach den beim 3:0 im Freundschaftsspiel gegen Schweden eingesetzten Manuel Friedrich und Malik Fathi könnte Madlung der dritte Nationalelf-Debütant unter Löw werden. Der 1,93 Meter große Profi reist an diesem Dienstag mit berechtigten Hoffnungen zum Treffpunkt der DFB-Auswahl nach Stuttgart. "Jetzt möchte ich im Nationalteam die Leistungen bestätigen, die ich zuletzt im Verein gezeigt habe. Ich nehme alle DFB-Nationalmannschaften gerne mit", sagte der ehemalige Junioren-Nationalspieler.

Madlung in Berlin gescheitert

Die Berufung von Madlung, der unter anderem den Vorzug vor dem schon Länderspiel-erprobten Hannoveraner Frank Fahrenhorst erhielt, begründete Löw mit dessen internationaler Erfahrung. "Alexander Madlung hat 13 Mal für die deutsche U 21 und vier Mal im Team 2006 gespielt und dort gute Leistungen gezeigt. Zudem hat er auch bei Hertha BSC im Europapokal bereits einige internationale Erfahrung gesammelt", erklärte der Bundestrainer.

In Berlin war der 1,93 Meter große Abwehrmann im Vorjahr vor allem an seiner Disziplinlosigkeit gescheitert. "Es ist unentschuldbar, wenn ein Spieler innerhalb von drei Wochen drei Mal vom Platz fliegt und die Mannschaft dermaßen im Regen stehen lässt", schimpfte damals Hertha-Trainer Falko Götz und versetzte Madlung in die 2. Mannschaft.

"Spieler mit guter Perspektive"

Zuvor hatte sich der gebürtige Braunschweiger beim Hauptstadtclub vor allem als Joker mit Last-Minute-Toren einen Namen gemacht, so wie beim 1:1 gegen 1860 München am Ende des Saison 2003/04, das den Berlinern die Klasse rettete. Zur Stammkraft schaffte es Madlung in seinen 81 Bundesliga-Spielen (11 Tore) für Hertha allerdings nie.

Erst sein Absprung für rund 1,3 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg, wo er in seinen Jugendjahren schon einmal war, eröffnete dem Fan von Lothar Matthäus ("Er war ein großes Vorbild") den Weg in die Startelf. "Er ist ein zweikampf- und kopfballstarker Spieler mit guter Perspektive", bemerkte Löw mit Hinweis auf Maldungs Potenzial.

Samstag erstes Quali-Spiel gegen Irland

In den Überlegungen des Bundestrainers dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass Madlung zumindest mit seinem Ex-Berliner Kollegen Arne Friedrich schon einige Male in der Abwehr zusammen gespielt hat. Beim Start in die EM-Qualifikation am Samstag gegen Irland dürfte Löw aber im Krisengebiet Innenverteidigung neben dem gesetzten Arne Friedrich, der aber noch an einem Magen-Darm-Infekt laboriert, mit dessen Namensvetter Manuel Friedrich planen. Madlung kann sich aber Hoffnungen machen, spätestens vier Tage später auswärts gegen San Marino in der wieder von Kapitän Michael Ballack angeführten Nationalmannschaft zu debütieren.

Das umjubelte 3:0 gegen Schweden bei seinem Bundestrainer-Einstand vor zwei Wochen hat Löw übrigens abgehakt, für ihn zählt von sofort an nur noch die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. "Irland ist der Auftakt zum Projekt 2008", betonte der 46-Jährige. Löw zieht seinen 20-Mann-Kader am Dienstagabend in Stuttgart zusammen. Gleich nach der Zusammenkunft im Mannschaftshotel hat der Bundestrainer für 19.15 Uhr im Amateurstadion des VfB Stuttgart die erste von insgesamt nur vier Trainingseinheiten vor dem Ernstfall am Samstag (20.45 Uhr/ARD) im Daimler-Stadion gegen die Iren angesetzt.

Das Aufgebot für die beiden EM-Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am 2. September (20.45 Uhr) in Stuttgart gegen Irland und am 6. September (20.45 Uhr) in Serravalle gegen San Marino:

Tor:

Timo Hildebrand (VfB Stuttgart), Jens Lehmann (FC Arsenal)

Abwehr:

Malik Fathi (Hertha BSC), Arne Friedrich (Hertha BSC), Manuel Friedrich (FSV Mainz 05), Marcell Jansen (Borussia Mönchengladbach), Philipp Lahm (FC Bayern München), Alexander Madlung (VfL Wolfsburg)

Mittelfeld:

Michael Ballack (FC Chelsea), Tim Borowski (Werder Bremen), Torsten Frings (Werder Bremen), Thomas Hitzlsperger (VfB Stuttgart), David Odonkor (Borussia Dortmund), Bernd Schneider (Bayer 04 Leverkusen), Bastian Schweinsteiger (FC Bayern München)

Angriff:

Gerald Asamoah (FC Schalke 04), Mike Hanke (VfL Wolfsburg), Miroslav Klose (Werder Bremen), Oliver Neuville (Borussia Mönchengladbach), Lukas Podolski (FC Bayern München)

DPA/kbe


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