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Videobotschaft von Thomas Hitzlsperger: "Homophobe haben jetzt einen Gegner mehr"

Für sein Coming-out bekommt Thomas Hitzlsperger Anerkennung von allen Seiten. Nun hat sich der Ex-Fußballer in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet und setzt sich ein für Offenheit und Toleranz.

Thomas Hitzlsperger will durch sein Coming-out andere noch aktive homosexuelle Sportler unterstützen. "Ich hoffe, dass ich mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit jungen Spielern und Profisportlern Mut machen kann", teilt der frühere Fußball-Nationalspielchaft in einer Erklärung mit. "Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt."

In einem Interview der "Zeit" hatte der ehemalige Bundesliga-Profi zuvor erstmals öffentlich erklärt, schwul zu sein. Dafür erntete er viel Anerkennung aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Sport, Gesellschaft und Politik.

In einer parallel online gestellten Videobotschaft betonte Hitzlsperger, dass es für ihn selbst und seine Familie unwichtig sei, dass er gerade jetzt an die Öffentlichkeit gehe. "Wichtig ist es nur für die Leute, die homophob sind, andere ausgrenzen aufgrund ihrer Sexualität - und die sollen wissen: Sie haben jetzt einen Gegner mehr."

Die Fußballszene als Machowelt

Im Fußball werde Homosexualität "schlicht ignoriert", meinte der 52-malige Nationalspieler. In der Kabine werde über Sport, das nächste Spiel oder Ähnliches geredet - persönliche Aspekte spielten kaum eine Rolle. "Für die Medien hingegen ist das schon seit Jahren ein Thema. Nur die betroffenen Spieler, die haben sich nicht getraut, sich zu ihren Neigungen zu äußern. Denn die Fußballszene begreift sich in Teilen immer noch als Machowelt", meinte Hitzlsperger.

Unterschiede zwischen England und Deutschland sehe er dahingehend, dass auf der Insel weniger über Homosexualität geschrieben wird oder danach gesucht wird, welcher Spieler denn schwul sein könnte. "In Deutschland hingegen hat das Thema die Öffentlichkeit nie wirklich verlassen, seit vielen Jahren wird darüber geschrieben, es wird spekuliert und das bis zum heutigen Tag."

Positive Resonanz

Dass er diesen Schritt erst nach seinem Karriereende mache, liege daran, dass es für ihn "ein langwieriger Prozess" war, sich über seine Homosexualität im Klaren zu werden. Acht Jahre lang lebte er mit einer Frau zusammen. "Erst als ich allein gelebt habe, dämmerte mir, ich habe Gefühle für Männer", erzählte Hitzlsperger.

Für das jetzige Coming-out erntete er viel Anerkennung aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Sport, Gesellschaft und Politik. Auch frühere Mitspieler, etwas Lukas Podolski ("Mutige und richtige Entscheidung") und Arne Friedrich ("Bin stolz auf dich"), waren dabei. Am Mittwochabend meldete sich selbst der britische Premier David Cameron zu Wort. Als Fan von Hitzlspergers Ex-Club Aston Villa twitterte er: "Ich habe immer bewundert, was Thomas Hitzlsperger auf dem Feld geleistet hat - aber heute bewundere ich ihn noch mehr."

be/DPA/AFP / DPA

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