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WECHSEL: »Effe« will Liga »aufmischen«

Begeisterung und Skepsis - mit seinem völlig überraschenden Wechsel zum, VfL Wolfsburg löst Stefan Effenberg wie so oft in seiner Karriere zwiespältige Reaktionen aus.

Große Begeisterung und unverhohlene Skepsis - mit seinem völlig überraschenden Wechsel zum VfL Wolfsburg löst Stefan Effenberg wie so oft in seiner Karriere zwiespältige Reaktionen aus. Die Verpflichtung des umstrittenen und polarisierenden Stars soll aber nicht der letzte Coup des Fußball-Bundesligisten sein, der spätestens in fünf Jahren in der Champions League spielen will. »Wir haben ein Zeichen gesetzt«, sagte Manager Peter Pander: »Der Transfer zeigt, dass wir es ernst meinen mit unseren großen Zielen.«

Hochfliegende Pläne

Der VfL hat hochfliegende Pläne. Aber auch Effenberg scheint der Ehrgeiz gepackt zu haben, es seinen Kritikern zu zeigen. »Das ist die richtige Mannschaft für das, was ich vorhabe«, sagte er in einem Interview mit RTL: »Wir wollen nicht ewig um Platz 10 oder 12 mitspielen, sondern die Ziele höher stecken und ein wenig die Bundesliga aufmischen.« Zu seiner überraschenden Vereinswahl sagte er: »Gegensätze ziehen sich an.«

»Spektakulärste« Transfer der Vereinsgeschichte

Nicht nur für Pander, der die Verpflichtung still und leise eingefädelt hatte, ist es der »spektakulärste« Transfer der Vereinsgeschichte. »Ein Hammer«, kommentierte Mittelfeldspieler Charles Akonnor. Sein Kollege Tobias Rau jubelte: »Unglaublich, echt klasse.« Und Trainer Wolfgang Wolf freut sich auf einen »Weltklassespieler, der die Mannschaft auf dem Platz auch verbal führen kann«.

Auch kritische Stimmen

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Am deutlichsten werden die Zweifel beim Kurzkommentar von Mannschaftskapitän Miroslav Karhan: »Ich habe meine Meinung, kann sie aber nicht sagen.« Bedenken, dass der umstrittene und inzwischen 34- jährige Mittelfeldspieler dem VfL weiter helfen kann, scheint auch Patrick Weiser zu haben: »Ob es einen Schub gibt, muss man abwarten. Eigentlich hängt so etwas nicht von einem einzelnen Spieler ab.«

Gelungener PR-Coup

So oder so ist die Verpflichtung der wohl größten Reizfigur des deutschen Fußballs ein gelungener PR-Coup für die als seriös, aber auch bieder geltenden Niedersachsen. »Jetzt dürfte es mit dem Image der grauen Maus der Bundesliga vorbei sein«, meinte Rau. Wenn »Effe« am Montag offiziell vorgestellt wird und einen Ein-Jahres-Vertrag unterschreibt, ist dem VfL bundesweite Aufmerksamkeit gewiss.

Reiche »Skandalchronik«

Ob der exzentrische Star nach Wolfsburg passt, ist eine andere Frage. Vom berühmten »Stinkefinger« bei der Weltmeisterschaft 1994 bis zu seinen Äußerungen zum Thema Arbeitslosigkeit in diesem Jahr reicht seine »Skandalchronik«. Ist der »Tiger«, wie er genannt wird, zu bändigen? In einer Stellungnahme des VW-Konzerns, dem Mehrheitsgesellschafter der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH, hieß es:

»Skandalverbot für Effe«

»Dabei würdigt Volkswagen insbesondere, dass in den Vertragsverhandlungen seitens Stefan Effenberg die Unternehmenskultur Volkswagens verbindlich anerkannt wurde.« Die »Wolfsburger Allgemeine Zeitung« folgerte daraus: »Skandalverbot für Effenberg - oder es hat vertragliche Konsequenzen.« Zu Details des Kontrakts und dem Gehalt für Effenberg wollte sich Pander nicht äußern. Der Manager bestätigte lediglich, dass es keine Option auf Vertragsverlängerungen gebe und sagte: »Effenberg hat seinen Wert und den werden wir auch bezahlen.« Der ehemalige Bayern-Spieler, der ursprünglich ein neues Bundesliga-Engagement ausgeschlossen hatte, kann nach Panders Angaben am kommenden Samstag bei Arminia Bielefeld erstmals für den VfL spielen.

Trikot-Nummer 10

Stefan Effenberg erhält bei seinem neuen Verein als Nachfolger von Krzysztof Nowak das Trikot mit der Nummer 10. Diese Entscheidung gab der Fußball-Bundesligist am Sonntagabend bekannt. Ursprünglich sollte die Nummer nicht mehr vergeben werden, weil Nowak wegen einer schweren Nervenerkrankung seine Karriere beenden musste. Der Pole stimmte aber der neuen Trikot-Lösung zu. »Ich finde das in Ordnung und ich wünsche Stefan Effenberg viel Glück«, sagte Nowak.

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