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Bundesliga im stern-check: Eine ganz bittere Verletzung, ein leichtfertig verspielter Sieg und starke Signale aus der Kurve

Ein schlampig hergeschenkter Sieg gegen Augsburg, die schwere Verletzung von Süle und ein frustrierter Müller – die Stimmung in München ist im Keller und Trainer Kovac drohen ungemütliche Tage.

Niklas Süle liegt in Augsburg am Boden.

Niklas Süle liegt in Augsburg am Boden. Der Bayern-Verteidiger zog sich einen Kreuzbandriss zu und wird lange ausfallen.

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So liefen der Spieltag

Alle Ergebnisse des 8. Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Jeder, der die Szene gesehen hat, muss sofort das Schlimmste befürchtet haben. Niklas Süle ging nach einem Zweikampf mit Augsburgs Florian Niederlechner schreiend zu Boden und hielt sich das linke Knie. Süle war mit dem Bein falsch aufgekommen, ein klassischer Fehltritt mit bösen Folgen, wie er immer wieder vorkommt. Die Befürchtungen bewahrheiteten sich: Das Kreuzband ist gerissen. Der 24-Jährige wird mindestens sechs Monate ausfallen.

Wie üblich postete Süle am Sonntag auf Instagram ein Bild von sich auf dem Weg nach Salzburg, wo er operiert wird, und schrieb dazu die Worte: "Wer es einmal schafft, schafft es jedes Mal wieder"– eine Anspielung auf seinen ersten Kreuzbandriss vor fünf Jahren, als er noch in Hoffenheim spielte. Es war dasselbe Knie und damals brauchte Süle 203 Tage, um wieder fit zu werden. Würde er jetzt wieder 203 Tage ausfallen, wäre er am 11. Mai im nächsten Jahr wieder einsatzbereit – einen Monat später beginnt die Europameisterschaft. Wie auch immer der Heilungsverlauf verläuft: Stefan Effenberg hat vermutlich recht, als er in der TV-Plauderrunde "Doppelpass" sagte: "Für den FC Bayern wird er keine Rolle mehr spielen (in dieser Saison, Anm.d.Red.)". Die Saison ist möglicherweise also gelaufen für den 24-Jährigen. Das ist bitter für ihn und eine Schwächung der Bayern.

Die Twitter-User diskutieren über die Likes von Gündogan und Can

Gewinner des Spieltages 

Beim BVB herrscht nach dem 1:0-Sieg im Spitzenspiel gegen Borussia Mönchengladbach erstmal Erleichterung. Keine Trainerdiskussion mehr, keine weiteren Debatten über die Mentalität. Und die schlechte Stimmung ist wie weggeblasen. Da kann man selbst das nicht gegebene Tor verschmerzen. Reus stand zuvor mit der Hacke geschätzte drei bis fünf Zentimeter im Abseits und der Videoassistent schlug unbarmherzig zu. Später schoss der Kapitän das Siegtor und bescherte seinem Klub ein ruhiges Restwochenende.

Verlierer des Spieltages

Kommen wir auf die Bayern zurück. Wie das Fachblatt "kicker" in weiser Voraussicht vor dem Spieltag schrieb, droht den Bayern und besonders Trainer Niko Kovac erneut ein heißer Herbst. Nach dem peinlichen 2:2 gegen Augsburg ist die Stimmung im Keller. Die Bayern sind aktuell nur Tabellendritter – hinter Gladbach und Wolfsburg. Die Gegentore fielen nach 28 Sekunden und in der Nachspielzeit, als die Bayern 2:1 führten. Die Münchner zeigten im Spiel gegen Augsburg wie schon so oft in dieser Saison ein schlampiges Abwehrverhalten. Das fällt immer auf den Trainer zurück, der wieder in die Schusslinie geraten wird, wenn es so weitergeht. Zudem gibt es den Dauer-Ärger um Thomas Müller. Kovac hat die Club-Ikone zum Ersatzspieler degradiert. Gegen Augsburg ließ er Müller entgegen den Erwartungen kümmerliche zehn Minuten spielen. Das Verhältnis der beiden gilt – gelinde gesagt – als schwierig. Der Ausfall von Süle macht Kovac Situation nicht leichter - es ist also alles angerichtet für den heißen Herbst.

Dieses Tor sollten sie (nochmal) sehen

Union Berlin hat den Favoriten Freiburg mit 2:0 geschlagen – ein wichtiger Erfolg für den Aufsteiger. Der erste Tor erzielte Marius Bülter, ein Mann, der noch vor zwei Jahren für den SV Rödinghausen in der vierten Liga kickte. Dass Bülter über ein gewisses Talent zum Fußballspielen verfügt, beweis er gleich in der 1. Minute, als er den Ball aus über 20 Metern ins Tor jagte. Bülters schönes Tor brachte Union auf die Siegerstraße und hatte einen Anteil daran, dass der Verein in der Tabelle auf einen Nicht-Abstiegsplatz kletterte. 

Bild des Spieltages

Die Bremer Ultras haben im Heimspiel gegen Hertha auf einem Banner ein Statement zum rechtsextremistischen Anschlag auf die Synagoge in Halle abgegeben, bei dem ein Attentäter zwei Menschen tötete. Dort steht: "Weder verwirrter Einzeltäter noch Alarmsignal. 'Nie wieder' muss mehr als nur ein Slogan sein. Gegen jeden Antisemitismus." So etwas könnte häufiger aus den Fankurven kommen. Wenn Fußballfans derartige Aussagen machen, erzielen sie bestimmt bei vielen eine größere Wirkung, als Beileidsbekundungen des Bundespräsidenten.

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