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Wegweisende Mitgliederversammlung: Der HSV in der Gefahrenzone

"Schicksalstag", "Zereißprobe" - die Wogen schlagen hoch beim HSV, der auf seiner Hauptversammlung am Sonntag über eine neue Struktur entscheidet. 10.000 Mitglieder werden erwartet.

Die wegweisende Mitgliederversammlung des Hamburger SV am Sonntag elektrisiert die norddeutsche Öffentlichkeit und lässt die Bundesligawelt gespannt auf die Hansestadt blicken. An der Elbe gewinnt man fast den Eindruck, dass die aufgeregte Diskussion um Gefahrengebiete und gewalttätige Demonstrationen im Gegensatz zur Debatte rund um den HSV ein laues Lüftchen war – bis zu 10.000 HSV-Mitglieder werden im Congress Center Hamburg erwartet; Radio, Fernsehen und Zeitungen in Norddeutschland haben die größte Versammlung in der Geschichte des Vereins zum Topthema erhoben.

"Schicksals-Sonntag für den HSV", titelt die "Bild"-Zeitung am Samstag auf Seite eins und verkündet ein "Endspiel für den Hamburger Stümper-Verein". "Tag der Entscheidung: Was wird aus dem HSV?", fragt das "Hamburger Abendblatt" und prophezeit "das wichtigste Heimspiel" des Clubs. Man könnte annehmen, es gehe um das Finale in der Champions League. Manch ein Beobachter meint: Es geht um mehr!

Gesamtschlulden von 100 Millionen Euro

Am Sonntag ab 11 Uhr steht eine neue Vereinsstruktur beim Rautenclub zur Wahl. Die Fußball-Profiabteilung soll raus aus dem eingetragenen, gemeinnützigen Verein mit seinen 33 Sparten und zu einer Aktiengesellschaft oder zumindest Kommanditgesellschaft auf Aktienbasis werden. Ziel ist es, Investoren anzulocken, die Anteile übernehmen. In den vergangenen drei Jahren schrieb der HSV ein Defizit von 21 Millionen Euro. Die Gesamtschulden des Clubs betragen sogar 100 Millionen Euro. Ernst-Otto Rieckhoff, Vorreiter des AG-Konzepts "HSV Plus", erwartet bei Ausgliederung der Profis eine kurzfristige Finanzspritze von 50 Millionen Euro.

Von den fünf Modellen, die am Sonntag vorgestellt werden, sind neben "HSV Plus" zwei weitere auf Bildung einer Kapitalgesellschaft ausgerichtet. Das eine versucht den abgemilderten Weg über eine GmbH und Co. KG auf Aktienbasis ("Rautenherz"), das andere ("HSV 21") wirbt für die Bildung einer Stiftung, in der alle Sparten (Amateure, Supporters, Förderer) ihre eigene Rechtsform wählen können und der Profifußball damit wie bei "HSV Plus" eine AG werden kann.

Zwei Konzepte lehnen Ausgliederung ab

Zwei Konzepte ("HSV-Reform", "HSV - Zukunft mit Tradition"), die aus der Spitze der Fan-Abteilung Supporters sowie dem Aufsichtsrat kommen, lehnen Ausgliederung und Anteilsverkauf ab. Sie wollen die Satzung verändern. "HSV-Reform" will beispielsweise die Befugnisse des Aufsichtsrates beschneiden und die Macht des Vorstandes erhöhen.

Rieckhoff warb in der "Hamburger Morgenpost" für sein Konzept, das als Favorit an den Start geht. Es müsse alles "haargenau so umgesetzt" werden, meinte der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende. "Ich befürchte, dass wir sonst aus dem Quark gar nicht mehr rauskommen." "Eine Zerreißprobe" ("Hamburger Abendblatt") stünde bei dem richtungsweisenden Treffen folglich bevor. Bekommt am Sonntag ein Konzept die einfache Mehrheit, wird es zur Wahl im Mai oder Juni vorbereitet. Dann benötigt es allerdings eine Dreiviertelmehrheit.

tis/Franko Koitzsch/DPA / DPA

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