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Werder Bremen und Claudio Pizarro: Die große Enttäuschung

Als Claudio Pizarro vor wenigen Wochen zu Werder Bremen wechselte, jubelten die Fans, der Spieler selbst sprach von der Champions League. Nach drei Niederlagen in Folge muss Werder aufpassen, nicht zu enden wie der HSV.

Von Carina Braun

Harte Zeiten: Pizarro bracht Bremen bisher nicht viel Glück

Harte Zeiten: Pizarro bracht Bremen bisher nicht viel Glück

Werder Bremen und Claudio Pizarro - das ist mindestens genauso schön wie Werder Bremen und Ailton. Der Verein von der Weser hat ein Faible für Helden, und seine Helden danken es ihm. Claudio Pizarro hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er ein Stück seines Herzens an der Weser zurückgelassen hatte, er weigerte sich, bei Toren gegen seinen Ex-Club zu jubeln. Umso emotionaler wurde er nun bei seiner Rückkehr empfangen. Die Fans jubelten und der lange Vermisste weckte auch sportlich kühne Hoffnungen. Pizarro ließ sich mitreißen, vielleicht fachte er die Euphorie auch an. Kurz nach seiner Rückkehr erklärte er: "Die Möglichkeit ist da, sogar in die Champions League zu kommen."

Mutig fanden viele das. Aber inzwischen ist klar, dass es eher Leichtsinn war. Das Fußballmärchen hat auf dem Platz ein jähes Ende gefunden. Zwar schien Pizarros erster Auftritt - die späte Einwechslung gegen Hoffenheim und seine Torvorlage - alle Hoffnungen zu bestätigen. Doch seither hagelt es Niederlagen. Und nicht etwa gegen den FC Bayern oder Borussia Dortmund, sondern gegen die Aufsteiger aus Ingolstadt und Darmstadt.

Zu hohe Erwartungen - wie lange beim HSV

Und jetzt also das deutliche 0:3 gegen Bayer, Pizarro stand von Anfang an auf dem Feld. Zu sehen war kaum etwas von ihm, er verteilte zwar die Bälle. Aber Tore? Gab es keine. Würde man ihm Böses wollen, könnte man sagen: Je länger Pizarro auf dem Platz steht, desto höher fällt die Niederlage aus.

Nun muss man kein HSV-Fan sein, um zu wissen, dass überhöhte Erwartungen meist Enttäuschungen nach sich ziehen. Werder hat mit Selke und di Santo wichtige und torgefährliche Spieler verloren. Pizarro ist 36 Jahre alt und war in den vergangenen Jahren beim FC Bayern mehr für die gute Laune zuständig als für entscheidende Szenen. Ein bisschen Realitätssinn würde die Situation entspannen. Die Saison ist noch jung. Als nächstes wartet Hannover, es ist ein wichtiges Spiel, aber es ist eine machbare Aufgabe.

Die Geschichte von Werder Bremen und Ailton endete in einem Abschiedsspiel, in dem der Brasilianer auf dem Rasen stand und vor Rührung Rotz und Wasser heulte. So ähnlich wird sicher auch die Geschichte von Werder Bremen und Pizarro ihr Ende finden. Aber der Verein und die Fans müssen sich bewusst machen, dass der Rückkehrer die Mannschaft nicht automatisch zum Kandidaten für internationale Wettbewerbe macht. Und auch Pizarro selbst muss sich darüber im Klaren sein. Sonst endet er auf seine alten Tage zumindest sportlich als etwas, das er nie war: eine Enttäuschung.

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