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Wettskandal: "Hoyzer ist nun mal geldgeil"

Der Hauptangeklagte Ante S. hat am dritten Verhandlungstag im Prozess zum Fußball-Skandal weiter ausgepackt. Dabei relativierte er den Eindruck, Hoyzer sei der Drahtzieher der Manipulationen gewesen.

Im Prozess um Spiel- und Wettmanipulationen im deutschen Fußball lässt die mit Spannung erwartete Aussage von Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer weiter auf sich warten. Am dritten Prozesstag setzte der Wettprofi Ante S. seine Aussage fort. Der 29-Jährige erklärte, er habe Hoyzer mit seinen bisherigen Äußerungen keinesfalls belasten, sondern nur die Details darstellen wollen. Das Verfahren vor dem Landgericht Berlin wird am Donnerstag fortgesetzt.

Wie schon an den beiden Prozesstagen in der vergangenen Woche arbeitete sich Ante S. an der Anklageschrift entlang und erläuterte Spiel für Spiel, wie es zu den Manipulationen gekommen war. Insgesamt soll es laut Staatsanwaltschaft 23 manipulierte Begegnungen gegeben haben. Der Vorwurf lautet auf "gewerbs- und bandenmäßigen Betrug". Der Schaden wird auf zwei Millionen Euro beziffert. Neben Hoyzer und Ante S. sind dessen Brüder Milan und Filip, der Ex-Schiedsrichter Dominik Marks und der ehemalige Chemnitzer Fußballprofi Steffen Karl angeklagt.

Hoyzer ließ die Puppen tanzen

Ex-Schiedrichter Marks rückte mehrfach in den Fokus der Aufmerksamkeit, als Ante S. die angeblich unter seiner Beteiligung manipulierten Spiele schilderte. Darunter die Zweitliga-Partie Karlsruher SC gegen MSV Duisburg, die wie gewünscht mit einem Duisburger Sieg (3:0) endete und S. laut Staatsanwaltschaft bei einem Einsatz von 240.000 Euro rund 870.000 Euro Gewinn einbrachte. Marks soll für seinen Einsatz nach Abzug eines Vorschusses 23.000 Euro bekommen haben.

Hoyzer wurde von Ante S. als "Lebemann" geschildert, der oft auch mit den Wetten geprahlt habe. Nachdem er ihm zuvor einen Audi A3 versprochen hatte, habe Hoyzer später mit einem Mercedes CLK geliebäugelt. In einer Münchner Disko habe der Schiedsrichter die Puppen tanzen lassen, tags darauf sei ihm die geplante Manipulation des Spiels Unterhaching gegen Saarbrücken misslungen. Das Spiel endete mit einem Sieg der Saarbrücker Mannschaft, Ante S. hatte hohe Summen auf Unterhaching gesetzt.

Hoyzers Aussage für Donnerstag erwartet

Allerdings widersprach Ante S. dem Eindruck, Hoyzer habe ihn zu den Wettmanipulationen angestiftet. "Man muss einen Frosch auch nicht dazu bringen, ins Wasser zu springen", zitierte S. ein kroatisches Sprichwort. "Er ist nun mal geldgeil, ich bin ein Zocker", fasste S. die Beziehung zu dem drei Jahre jüngeren Hoyzer zusammen. Hoyzer habe sich stets sicher gefühlt, da er als Rückhalt auf Schiedsrichter-Chef Volker Roth gesetzt habe, sagte Ante S. aus. Roth habe ihm beispielsweise eine Wohnung beschafft. "Die alten Säcke im DFB, die haben ja doch keine Ahnung", soll Hoyzer S. zufolge gelästert haben.

Ante S. soll seine Aussage am kommenden Donnerstag beim vierten Prozesstag noch kurz fortsetzen. Danach sind der Planung des Gerichts zufolge Nachfragen erlaubt, anschließend sollen die schriftlichen Erklärungen seiner beiden Brüder sowie die von Marks und Karl verlesen werden. Möglicherweise kommt auch Hoyzer am Donnerstag zum Zuge.

AP / AP

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