HOME

Wettskandal: Selbstkritik beim DFB

Fast zwei Wochen, nachdem der Fußball-Wettskandal publik wurde, hat der DFB nun eigene Versäumnisse eingestanden. Einen Rücktritt schloss DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder aber aus.

Der Deutsche Fußball-Bund hat gegenüber der ZEIT erstmals eigene Fehler bei der öffentlichen Darstellung im Schiedsrichterskandal eingeräumt. Kommunikationsdirektor Harald Stenger sagt auf die Frage, ob es richtig gewesen sei, zu Beginn der Enthüllungen vehement darauf gesetzt zu haben, dass es sich beim Fall Hoyzer um einen Einzelfall handele: "Wir haben damals nach bestem Wissen geantwortet. Mehr war zu diesem Zeitpunkt nicht zu erkennen." Dies sei möglicherweise ein Fehler gewesen. Stenger: "Im Rückblick, ja. Da hätte man sich vielleicht nicht so festlegen dürfen."

Der Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Michael Fröhlich, der mit seinen Hinweisen über Robert Hoyzer die Wettaffäre aufgedeckt hatte, berichtet, wie er auf den Skandal aufmerksam wurde: "Als seit letztem Sommer nicht mehr jede Rückmeldung von seinen Spielen top war wie noch im Jahr davor. Das ist ja an sich ein gutes Indiz: dass die Schiedsrichterbeobachtung des DFB Hoyzers vermeintliche Schwächeperiode sehr wohl wahrgenommen hat - nur nicht richtig gedeutet. Weil niemand glaubt, dass etwas so Ungeheuerliches dahinter steckt, war der erste Ansatz: Wie können wir den jungen Mann stabilisieren? Wie können wir ihm Rückendeckung geben?"

Nicht nachgehakt

Reinhold Beckmann, Moderator der ARD-"Sportschau" sieht Versäumnisse bei der Presse: "Wir Journalisten müssen uns fragen: Wieso ist keiner von uns in den letzten Jahren auf die Idee gekommen, mal nachzuhaken und zu recherchieren - bei Spielen, die durch merkwürdige Schiedsrichterentscheidungen oder seltsame Eigentore entschieden wurden."

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wehrt sich gegen Kritik am Vorgehen des Deutschen Fußball-Bundes in der Manipulations-Affäre. In den "Stuttgarter Nachrichten" wies Mayer-Vorfelder Rücktrittsforderungen zurück: "An eine derart unbegründete Rücktrittsforderung kann ich mich nicht entsinnen", wurde er zitiert. Die Kritik wecke nur seinen Kampfgeist. Der DFB-Präsident kritisierte, dass seine Äußerungen in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen" teilweise falsch wiedergegeben worden seien.

Aussagen "verdreht"

Die Redaktion der Show habe in Mitteilungen nach der Live-Sendung Aussagen "weggelassen und verdreht", sagte Mayer-Vorfelder. Er habe nie bestritten, dass der Wettanbieter Oddset frühzeitig auf Unregelmäßigkeiten beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV hingewiesen habe. "Mir war es aber wichtig, auf den Unterschied zwischen Unregelmäßigkeit und Manipulation hinzuweisen. Das wurde offenbar missverstanden", wurde er zitiert.

Der DFB-Präsident räumte ein, dass durch die Affäre "ideell ein ungeheurer Schaden entstanden" sei. Der Fußball werde dies aber überstehen. "Wir werden die Dinge mit Ruhe und Besonnenheit und vor allem lückenlos aufklären und für die Zukunft die Konsequenzen daraus ziehen." Auf die Frage, ob er die Weltmeisterschaft 2006 noch als DFB-Präsident erleben werde, antwortete Mayer-Vorfelder: "Davon gehe ich aus. Ich gehöre nicht zu denen, die davon rennen, wenn die Zeiten ungemütlich werden."

AP/OTS / AP

Wissenscommunity