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WM 2006: Blatters Kritik bei WM-Machern angekommen

Zwei Tage vor der Auslosungs-Zeremonie in Leipzig reagierte Franz Beckenbauer auf die Kritik von Fifa-Präsident Blatter am WM-OK. Der "Kaiser" räumte Probleme ein, warnte zugleich aber vor einer Dramatisierung.

"Wir haben Probleme, das ist richtig. Es gibt Fragen, die wir noch klären müssen", sagte der OK-Chef am Mittwoch in Leipizg. Beckenbauer warnte aber vor einer Dramatisierung der Diskussion um Baumängel in mehreren Stadien, die Ticket-Vergabe und Sicherheitsfragen. "Das sind alles Kleinigkeiten, die groß gemacht werden. Die werden wir in den Griff bekommen."

Die süffisant geäußerte Kritik von Fifa-Präsident Joseph Blatter am vermeintlichen Organisations-Weltmeister Deutschland wollte Beckenbauer nicht überbewerten. "Die Note, die er uns gegeben hat, ist nicht so schlecht. In der Schule wäre ich über eine 2+ sehr froh gewesen." Am Mittwochnachmittag hatte Blatter zudem schon wieder lobende Worte für die WM-Macher parat. Mit Blick auf die bevorstehende Auslosung geriet der Schweizer gar ins Schwärmen: "Wir sind sehr zufrieden mit den Vorbereitungen. Das machen sie hervorragend", sagte er. In einer Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees hatte das OK zuvor seine Planungen für die Zeremonie in zwei Tagen dargelegt.

184 Tage vor dem WM-Start sieht Beckenbauer sein OK-Team trotz der peinlichen Stadion-Pannen in Kaiserslautern, Frankfurt und Nürnberg, der neu entbrannten Sicherheits-Debatte und des Dauerstreits um die Eintrittskarten ohnehin voll im Plan. "Wenn irgendwo im Land ein Eisentor klemmt, wird das der WM zugeschrieben. Ich bitte darum zu differenzieren", sagte der 60-Jährige.

"Liegen im Plan"

Die mahnenden Worte Blatters vom Wochenanfang sind bei den WM- Machern aber offenbar angekommen. "Ich will einräumen, dass wir noch eine immense Aufgabe vor uns haben. Aber wir wollen konsequent sein, auch wenn es aufwendig ist", sagte OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt. Das Thema Ticketing sei "ständig auf der Tagesordnung" und werde sogar noch während der WM für Diskussionsstoff sorgen. Schmidt machte klar, dass das OK aus dem Kartenverkauf 200 Millionen Euro netto erwirtschaften muss, um das WM-Budget von 430 Millionen Euro einhalten zu können. "Es ist befriedigend zu sehen, dass wir nach zwei Jahren mit unseren Schätzungen im Plan liegen", sagte Schmidt.

Der Spitzenfunktionär bestätigte zudem, dass am Montag mindestens 250.000 weitere Karten über das Internet in den freien Verkauf gehen werden. Bei der Zuteilung werden diesmal aber die Fans der beteiligten Mannschaften der nach der Auslosung dann feststehenden Paarungen bevorzugt. Den nationalen Verbänden stehen je acht Prozent und damit je nach Größe des Stadions bis maximal 5100 Karten zur Verfügung.

"Je schwerer, desto besser"

Der Auslosung der WM-Gruppen im Leipziger Congress Centrum sieht Beckenbauer derweil mit großer Vorfreude entgegen. "Das wird ein ganz spannender Moment." Trotz der ihm als OK-Chef gebotenen Neutralität werde er natürlich einen besonderen Blick auf die Gruppe der deutschen Mannschaft werfen. Der Auswahl von Bundestrainer Jürgen Klinsmann wünschte der Weltmeister-Teamchef von 1990 überraschend ein Ende des traditionellen Losglücks und möglichst harte Gruppengegner. "Je schwerer die Gruppe ist, desto besser. Da muss man gleich konzentriert zu Werke gehen", sagte Beckenbauer, der schon in der kommenden Woche im Rahmen seiner Besuchstour aller 31 WM-Gäste zur nächsten Etappe nach Afrika aufbricht.

Für die Los-Zeremonie hat sich auch Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack angesagt. "Die Deutschen haben in der Vergangenheit immer relativ großes Losglück gehabt. Darauf hoffen wir dieses Mal auch wieder. Alle Augen sind auf die Auslosung gerichtet, da sind wir natürlich auch gespannt", sagte er dem ARD-Hörfunk.

Das Mega-Event mit 4000 geladenen Gästen und geschätzten 320 Millionen Fernsehzuschauern weltweit wird zum Stelldichein der Fußball-Prominenz. Neben den acht prominenten Los-Feen von Lothar Matthäus über Pelé bis Johan Cruyff werden auch 31 Trainer der WM- Teilnehmer vor Ort sein. Nur Argentiniens Coach José Pekerman musste die Reise nach Deutschland absagen.

DPA / DPA

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