HOME

Stern Logo WM 2006

Mexiko: Endlich Fußball-Großmacht werden

Bei dem Confederations Cup in Deutschland machten die Mexikaner im letzten Jahr eine gute Figur, dennoch blieb am Ende eine Enttäuschung. Bei der WM soll alles anders werden.

Zwar brachten die Mexikaner das Kunststück fertig, Weltmeister Brasilien mit 1:0 zu besiegen. Doch dann folgte die Enttäuschung einer 3:4-Niederlage nach Verlängerung im Spiel um den dritten Platz gegen die deutsche Mannschaft. Und vor allem: Der Fußballverband des nordamerikanischen Landes reagierte kläglich als aufflog, dass mit Salvador Carmona und Aaron Galindo gleich zwei der Spieler in einen Dopingskandal verwickelt waren. Die beiden werden die WM 2006 nur als Zuschauer erleben, da sie ein Jahr gesperrt wurden.

Wie viele andere Länder in Lateinamerika ist Mexiko ein Fußball- Land. Fußball ist mit Abstand die beliebteste Sportart bei den Mexikanern, deren Vorfahren, die Azteken, schon frühe Formen des Ballspiels kannten. Nun nehmen sie zum 13. Mal an einer Weltmeisterschaft teil, so oft wie nur Brasilien, Argentinien, Italien und Deutschland. Weit sind sie selten gekommen, meist war schon nach den Gruppenspielen oder im Achtelfinale Schluss. Ins Viertelfinale schafften sie es nur zwei Mal, zuletzt 1986 im eigenen Land. Da scheiterten sie im Elfmeterschießen an Deutschland.

"Spiel des Jahrhunderts"

Den größten Erfolg feierten die Mexikaner 1999, als sie den Konföderationscup gewannen. Sie haben zudem einen Rekordhalter, der neben Lothar Matthäus bestehen kann: Antonio "La Tota" Carbajal, nahm 1950, 1954, 1958, 1962 und 1966 an Weltmeisterschaften teil, genau so oft wie der Deutsche. Als bester mexikanischer Fußballer bisher gilt allerdings Hugo Sanchez, der fünfmalige Torschützenkönig der spanischen Liga. Im Sommer ist er für das mexikanische Fernsehen bei der WM als Kommentator dabei.

Die ersten großen Erfolge erzielte Mexiko bei der WM 1970 im eigenen Land. Sie bauten für die "Mundial" mit dem Aztekenstadion eines der imposantesten Fußballstadien der Welt und erreichten zum ersten Mal das Viertelfinale, das sie gegen Italien verloren. Auch in Mexiko hat man noch starke Erinnerungen an das epische "Spiel des Jahrhunderts", bei dem Deutschland gegen Italien im Halbfinale 3:4 unterlag. Das Spiel erlebten Sepp Maier und Gerd Müller vor einem Jahr noch einmal, als sie auf dem Rasen des Stadions ein Video ihrer ruhmreichen Niederlage auf den großen Bildschirmen über den Tribünen neu erlebten. Vor allem Gerd Müller ist immer noch eine Größe in Mexiko.

Vielversprechender Nachwuchs

Weil Fußball die erste Sportart des Landes ist, kann Mexiko auf einen riesigen Fundus an Nachwuchs zurückgreifen. Trotzdem sind übermäßig viele Spieler und Trainer aus Brasilien und Argentinien in der ersten Division als "Legionäre" tätig. Sie werden in Mexiko weitaus besser gezahlt als sonst in Südamerika. Die großen Vereine gehören großen mexikanischen Unternehmen und sind deshalb entsprechend reich. Allein die mexikanische Großbrauerei Modelo ("Corona") ist Eigentümerin von acht Fußball- und Baseballteams.

Rund 100 Ausländer spielen derzeit in der Liga, und viele betrachten Mexiko als Sprungbrett nach Europa, wo sie dann das ganz große Geld erhoffen. So spielte der Brasilianer Ailton in Monterrey, ehe er zu Werder Bremen wechselte. Nationaltrainer Ricardo La Volpe ist zwar mexikanisiert, aber er stammt ursprünglich aus Argentinien. Er ist nach Luis Cesar Menotti bereits der zweite mexikanische Nationaltrainer aus Argentinien.

Mehr als 10.000 mexikanische Fans werden nach Deutschland kommen, um gemeinsam mit den dort lebenden Landsleuten ihre Mannschaft anzufeuern. Dieses Mal wollen sie ganz nach oben, wie Spieler Jared Borgetti sagt: "Bei dieser WM werden wir mit unserer Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern weiterkommen als früher." Das Lied, das sie dazu anstimmen, heißt: Cielito lindo (Schöner kleiner Himmel).

Franz Smets/DPA / DPA

Wissenscommunity