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"Bellstedt haut drauf" - Teil 14: Träume unseres Fußball-Zombies

Unsere Mannschaft kämpft auf der "Mission Possible IV" für den erneuten Titelgewinn, sie kicken für die Ewigkeit. Unser Reporter ringt inzwischen mit seinem Federbett. Schweißnass, denn ihn quälen Rasen-Visionen.

Die letzten beiden Tage waren die Hölle. Kein Fußball, keine WM, stattdessen Leere und ein kleiner Vorgeschmack auf das, was mich in zehn Tagen erwartet. Sicher, auch die Vorberichterstattung hat seinen Reiz, aber ohne das abendliche Highlight, sich ganz persönliche WM-Klassiker wie Schweiz gegen Ukraine im Stadion oder vor dem Fernseher anzuschauen, ist das Leben nur die Hälfte wert. Aber damit ist ja zum Glück ab heute Schluss. Zumindest vorübergehend, denn nach den Viertelfinalspielen gibt es wieder ein Break und danach wieder. Sie fließt dahin, unsere WM.

Mission Possible

Stopp, Halt, Kommando zurück! Es ist noch längst nicht soweit, in Selbstmitleid zu zerfließen. Denn es steht etwas Großes bevor. Die Mission "WM-Titel" ist aus deutscher Sicht in vollem Gange und fängt, wenn wir ehrlich sind, eigentlich erst heute mit dem Spiel gegen Argentinien so richtig an. Warum ich das im vollsten Brustton der Überzeugung rausposaune? Weil ich mich auf meine Träume verlassen kann. Immer vor großen Spielen, und dagegen gibt es kein Heilmittel, "erträume" ich den Ausgang der Partien, in denen möglicherweise Geschichte geschrieben wird. Meine Trefferquote liegt so bei etwa 60 Prozent, falls es Sie interessiert.

Kicken für die Ewigkeit

Und das Ding gegen Argentinien eignet sich dazu, ein Match für die Ewigkeit zu werden. Argentinien gegen Deutschland, das ist die Mutter aller Schlachten, ein großes Team wird untergehen und ich weiß bereits jetzt schon, welches. Natürlich habe ich in meinem Traum die Geschichte angestrengt, wälzte mich unruhig hin und her, als es um 1986 und 1990 ging, zu viele Emotionen. Neidlos musste ich nochmals anerkennen, dass wir in Mexiko gegen die damals wohl kompletteste Mannschaft auf diesem Planeten verloren hatten. Echte Schweißausbrüche und alptraumartige Züge bekam mein Schlaf dann aber erst beim Thema WM 1990.

Kicken für die Ewigkeit

Wir wurden Weltmeister, unvergessliche Szenen spielten sich nach dem Schlusspfiff im Olympiastadion von Rom ab. Und doch war es ein Sieg, der einen Beigeschmack hatte. Aber auch nur deshalb, weil die Stiertreiber aus der Pampa so schlechte Verlierer waren. Unglaublich, dass nach dem Sieg unserer Mannschaft ganz Argentinien nur nach Ausreden suchte. Der böse Schiedsrichter, der gemeine Elfmeter, Jammer! Und natürlich die ach so schwere Verletzung von Diego Armando Maradona. Ich hasse miese Verlierer! Seit dem 8.Juli 1990 sehne ich mich nach einer Neuauflage in einem WM-Spiel. Jetzt ist der Tag gekommen und ich könnte eigentlich seit 8.30 Uhr ununterbrochen Heulen. Ich habe ein 2:1 erträumt, für Argentinien.

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