HOME

Stern Logo WM 2006

"Bellstedt haut drauf" - Teil 5: Die String-Falle

Sitzen, fragen, dösen. So läuft eine DFB-Pressekonferenz immer ab. Und der Teamchef spielt die Hauptrolle. Fast immer. Aber wer interessiert sich für den Klinsmann, wenn der Mini-String die Journalisten in den Bann schlägt.

90 Prozent Männer sitzen in der täglichen Pressekonferenz des DFB im ICC in Berlin. Männer, auf beiden Seiten. Die 200 Journalisten-Plätze sind immer gut besetzt: Von der Kreiszeitung Syke bis zur Deutschen Welle, von der Taz bis zum Kicker-Sportmagazin. Alle Burschen sind hier und saugen die offiziellen News aus dem inneren Kreis der deutschen Nationalmannschaft auf. Mal ganz abgesehen von den ausländischen Kollegen. Nur: Auf 20 Journalisten kommt maximal eine Vertreterin des schwachen Geschlechts. Und was für eine! Oben auf dem Podium sieht das noch düsterer aus. Da sind praktisch nie Damen anwesend. Langeweile ist vorprogrammiert.

Dröge Ödnis

Der DFB gibt sich stets Mühe und sucht die Nationalmannschaftsmitglieder, die sich den Fragen der lauernden Meute stellen müssen, sorgsam aus. Heute sind es Miroslav Klose, Jens Lehmann und Jürgen Klinsmann, die einen Tag vor dem Spiel gegen Polen ihren Gemütszustand offen darlegen sollen. Moderiert wird das Ganze von DFB-Mediendirektor Harald Stenger. Seine dröge Moderation hat unter den Kollegen längst Kult-Status erlangt. Viel Neues gibt es heute nicht zu erfahren. Ist meistens so am Tag vor einem Spiel. Alle wissen alles, oder auch nichts, und die Aufstellung verrät Bundes-Klinsmann wie immer auch erst kurz vor dem Match. Der Blick schweift und bleibt im Bermuda-Dreieck zwischen Backen und Doppelkinn der DFB-Gewaltigen gefangen.

Interessiertes Dösen

Langeweile macht sich breit in den Reihen, die üblichen Verdächtigen stellen ihre Fragen und hoffen auf passende Antworten der Protagonisten. Man döst im Kreis der Kollegen vor sich hin. Plötzlich, man weiß nicht warum, schauen sie nicht mehr nach vorn. Verrenken die Hälse und wirken zunehmend unkonzentriert. Unruhe macht sich breit. Wieso das? An Monica Lierhaus, Nationalmannschafts-Anchorwoman der ARD, kann das nicht liegen. Die haben alle schon beim Hereingehen begutachtet. Auch nicht an der dunkelhäutigen Nationalspielerin Steffi Jones, der WM-Expertin für das ARD-Morgenmagazin. Sie ist heute auch gekommen und stellt Jürgen Klinsmann sogar eine Frage. Aber mit ihrem allzu sportlichen Outfit haut sie keinen der schmachtenden Männer vom Hocker.

Plötzliches Erwachen

Ich bin immer noch zu träge zum Mitgaffen, vermute, dass es sich um die tatsächlich ansehnliche italienische Kollegin von "Tuttosport" handelt. Nach wem sollten sich die Jungs sonst den Hals so verrenken. Also gut, als Herdentier mache ich natürlich mit, oben gibt's eh nur das übliche Blabla. Ein bisschen Abwechslung kann nicht schaden. Und Bingo! Jetzt wird mir klar, was hier los ist, warum sich niemand mehr für Klinsmann interessiert.

Einblicke und Einsichten

Eine der jungen Hostessen (geschätzte 20 Jahre alt), die das Mikrofon auf Anweisung des Mediendirektors an die wissbegierigen Journalisten weitergibt, trägt ihre Adidas-Uniform heute mal etwas legerer. Um es ganz deutlich auszusprechen: Die Schlabber-Hose trägt sie unterhalb der schmalen Hüfte. Da das arme Ding ja nicht durchs Live-Bild laufen darf, ist sie dazu gezwungen, ihren Job in der Hocke zu verrichten. Und was dann passiert, können Sie sich denken. Der Anblick des halbwegs entblößten Hinterteils, nur spärlich und fast schon unverschämt knapp bedeckt von einem Ding das sich anscheinend auch noch String nennt, lässt die versammelte männliche Presse-Meute schier verzweifeln.

Immer weiter Fragen

Immer und immer wieder gehen die Arme hoch, wieder einer will eine Frage stellen. Sonst macht sich nach einer halben Stunde die große Unruhe breit, heute dagegen könnte das noch Stunden so weiter gehen... (Sport)-Journalisten sind echte Schweine.

Wissenscommunity