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Erste WM-Sensation: Schweiz schwärmt von "Sankt Ottmar"

Mit Bayern München und Borussia Dortmund sammelte Ottmar Hitzfeld zahlreiche Titel, nun sorgt er mit dem 1:0 der Schweiz gegen Europameister Spanien für die erste WM-Sensation. Dafür wird der 61 Jahre alte Coach überschwänglich gefeiert.

Die Schweiz liegt Ottmar Hitzfeld zu Füßen. Nach der taktischen Meisterleistung gegen den entzauberten Europameister Spanien werden der 61 Jahre alte Fußball-Lehrer und seine tapferen Spieler mit Lob überschüttet. "Magisches Meisterstück", titelte die "Neue Zürcher Zeitung" nach dem historischen 1:0-Erfolg der "Nati". Das Boulevard-Blatt "Blick" stellte den in Lörrach geborenen Coach, der mit Bayern München und Borussia Dortmund Meister und Champions- League-Sieger wurde, noch über José Mourinho oder Louis van Gaal. Getrübt wurde die Jubelarie nur von der Nachricht, dass Abwehrchef Philippe Senderos wegen eines verstauchten Sprunggelenks für den Rest der Vorrunde ausfällt.

"Ottmar Hitzfeld stellt sie alle endgültig in den Schatten. Wir werden zwar vielleicht nicht Weltmeister. Aber wir wissen: Wir haben den besten Trainer der Welt", schwärmte das Blatt überschwänglich. Man solle "Sankt Ottmar" den Schweizer Pass schenken. Doch nicht nur die Medien huldigten dem stets besonnen und ruhig auftretenden Gentleman, auch seine Spieler stimmten in den Jubelchor ein. "Für den Schweizer Fußball ist Hitzfeld ein Glücksfall. Seine vielen Titel sprechen für sich", lobte Torhüter Diego Benaglio den Coach, der nach der EM 2008 den glücklosen "Köbi" Kuhn abgelöst hatte.

Akribisch, ehrgeizig, erfolgsorientiert: All diese Attribute zeichnen Hitzfeld aus. Selbst durch den Holperstart mit dem peinlichen 1:2 in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg ließ sich der Taktikfuchs nicht aus dem Konzept bringen - und lieferte nun mit dem WM-Auftaktsieg sein Meisterstück ab. Diszipliniert, aggressiv, kompakt, geduldig, auf Konter lauernd - so lautete die Marschroute, um den spanischen Ballkünstlern die Spielfreude zu verderben. Und die Spieler waren auf den Punkt topfit, setzten die Vorgabe perfekt um. "So ein Erfolg ist nur möglich, wenn man als Mannschaft auftritt", sagte der Leverkusener Eren Derdiyok.

"Wenn man gegen Spanien versucht, mitzuspielen, wird man ausgespielt", erläuterte Hitzfeld. Er setzte stattdessen auf "Nadelstiche" durch Konter und zog ein weiteres Ass aus dem Ärmel. Torschütze Gelson Fernandes ist eigentlich im defensiven Mittelfeld zu Hause, doch der Coach beorderte den 23-Jährigen mit Kapverdischen Wurzeln auf die linke Offensivseite. "Fernandes ist erst spät auf den WM-Zug aufgesprungen, hat sich dann aber mit Top-Leistungen in den Kader gespielt", lobte Hitzfeld, der vor allem dessen Vielseitigkeit schätzt und ihn neben Benaglio als zweiten "Matchwinner" adelte.

Fernandes (52.) war nach seinem zweiten Tor im 24. Länderspiel selbst überrascht. "Ich bin ja kein typischer Torjäger", sagte er, und ergänzte lachend: "Wahrscheinlich werde ich erst am Ende meiner Karriere begreifen, was heute passiert ist." Die Komplimente gab er an Hitzfeld zurück: "Er hat uns hervorragend eingestellt."

Der Trainer genoss den Erfolg in vollen Zügen, mahnte vor den Gruppenspielen gegen Chile und Honduras aber vor zu großer Euphorie: "Wir haben noch nichts erreicht. Wenn wir ins Achtelfinale kommen wollen, müssen wir diese Leistung erst bestätigen."

Ulli Brünger, DPA / DPA

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