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Vuvuzelas in Schockstarre: Südafrika droht WM-Aus in der Vorrunde

Uruguays Topstürmer Diego Forlan hat den WM-Träumen der Südafrikaner einen heftigen Dämpfer verpasst: Mit einem mageren Punkt geht Bafana Bafana in das dritte Vorrundenspiel gegen Frankreich. Sicher ist - diesmal muss ein Sieg her.

Die WM-Euphorie von Gastgeber Südafrika hat einen schweren Dämpfer erlitten. Die Fußball-Nationalmannschaft der Regenbogennation unterlag am "Tag der Jugend" Uruguay mit 0:3 (0:1) und droht als erster Ausrichter einer Endrunde schon in der ersten Runde zu scheitern. Diego Forlan von Europa-League-Sieger Atletico Madrid (24. und 80., Foulelfmeter) und Mittelfeldspieler Alvaro Pereira (90.+5) brachten mit ihren Treffern auch die Vuvuzelas vorübergehend zum Verstummen.

"Wir sind nicht ins Spiel gekommen und voll in die Falle gelaufen. Heute war nicht unser Tag. Aber wir haben noch Spaß zu spielen und haben gegen Frankreich noch unsere Chance", sagte der südafrikanische Mannschaftskapitän Aaron Mokoena.

Bafana Bafana stehen nun in ihrem abschließenden Gruppenspiel am kommenden Dienstag gegen Frankreich unter Siegzwang und müssen dabei auch noch auf Itumeleng Khune verzichten. Der Torhüter sah für das Foul, das zum Strafstoß führte, die Rote Karte (76.). Der für ihn eingewechselte Ersatzkeeper Moneeb Josephs war vier Minuten später gegen den Schuss von Forlan ohne Abwehrchance.

Südafrikas brasilianischen Trainer Carlos Alberto Parreira erboste nicht nur der Platzverweis, er watschte Schiedsrichter Massimo Busacca (Schweiz) für dessen Gesamtleistung ab. "Er war bislang der schlechteste Schiedsrichter in diesem Turnier, er hat von Anfang an gegen uns gepfiffen. Ich hoffe, ich sehe sein Gesicht nie mehr. Er hat es nicht verdient hier zu sein", schimpfte er.

Die Treffer von Forlan und Pereira führten zur höchsten Niederlage eines WM-Gastgebers seit dem 1:4 von Mexiko 1970 im Viertelfinale gegen Italien. "Es ist immer schön, Tore zu schießen, aber das Wichtigste ist, dass die Mannschaft gewonnen hat. Wir haben den Sieg verdient", sagte Forlan, erster Doppeltorschütze der WM 2010.

Die Mannschaft der WM-Gastgeber, die ihren Landsleuten am Feiertag zur Erinnerung an den Aufstand gegen die Apartheid 1974 in Soweto einen historischen Sieg schenken wollte, wirkte über weite Strecken des Spiels überfordert. Vor 42.658 Zuschauern im Stadion "Loftus Versfeld" von Pretoria war Uruguay die bessere Mannschaft, ließ die Südafrikaner kaum ins Spiel kommen und strahlte wesentlich mehr Torgefahr aus. Forlan hatte beim 1:0 freilich auch Glück: Sein Weitschuss wurde von Mokoena leicht abgefälscht.

In seinem Gruppenendspiel gegen Mexiko hat Uruguay am Dienstag nun gute Chancen, erstmals seit der WM 1990 wieder ins Achtelfinale einzuziehen. Damals war dem zweimaligen Weltmeister im Spiel gegen Südkorea (1:0) auch der letzte Sieg bei einer Endrunde geglückt, in der K.o.-Runde war dann Gastgeber Italien Endstation (0:2).

Im Spiel gegen die Gastgeber ließ sich Uruguay auch vom Lärm der Vuvuzeles und der aufgeheizten Stimmung auf den steilen Rängen nicht aus der Ruhe bringen. Nationaltrainer Oscar Tabarez hatte die Startelf im Vergleich zum Spiel gegen Frankreich auf zwei Positionen verändert und in Edinson Cavani eine zusätzliche Offensivkraft neben Starstürmer Diego Forlan und Luis Suarez aufgeboten. Die mutige offensive Ausrichtung zahlte sich von Beginn an aus.

Leidenschaftlicher Einsatz der Südafrikaner allein genügte nicht, um Uruguay in Bedrängnis zu bringen und dem ersten WM-Sieg seit acht Jahren ein Stück näher zu kommen. Die beste Chance der Anfangsphase hatte noch Siphiwe Tshabalala. Der Torschütze beim 1:1 zum Turnierstart am vergangenen Freitag gegen Mexiko verzog jedoch aus 20 Metern. Nach dem Gegentreffer wirkten die "Jungs" geschockt und hilflos, Uruguay spielte mit dem Vorsprung im Rücken routiniert und ließ kaum mehr etwas zu.

Südafrika war jedoch auch allzu einfallslos, ließ Passgenauigkeit ebenso vermissen wie Spielwitz und Esprit. Erst eine halbe Stunde vor Schluss rafften sich die Gastgeber noch einmal kurz auf und kamen wenigstens ansatzweise zu Torchancen. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich besaß noch Mphela, sein Kopfball aus vier Metern flog aber neben das Tor (65.). Nach dem Elfmeter war bei den Gastgebern und aus den meisten Vuvuzelas dann die Luft raus.

Thomas Nowag und Antje Rehse, SID / SID

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