WM 2010 Achtelfinale Paraguay gewinnt Elferkrimi


Dramatisches Ende einer einschläfernden Partie: Paraguay hat Japan mit 5:3 nach Elfmeterschießen geschlagen und erstmals in seiner Fußballgeschichte ein WM-Viertelfinale erreicht. Auf beiden Seiten flossen nach dem Abpfiff die Tränen.

Der goldene Schuss von Oscar Cardozo löste Ekstase auf dem Rasen aus. Paraguays Partygruppe stürzte sich auf den Elfmeterschützen, der den Nervenkrimi von Pretoria mit seinem Treffer zum 5:3 gegen Japan beendete hatte, und begrub ihn fast unter sich. Als die erste Viertelfinale-Teilnahme bei einer WM perfekt war, flossen sogar bei Trainer Gerardo Martino die Tränen. "Das ganze Land weint heute vor Freude. Die Mannschaft hat gekämpft und wir sind überglücklich. Das war unser Tag", bejubelte der argentinische Coach das historische Ereignis für Paraguay. 1986, 1998 und 2002 war das Team jeweils im Achtelfinale gescheitert, jetzt machte es den Triumph für Südamerika bei dieser Weltmeisterschaft perfekt. Erstmals stehen vier Vertreter vom Subkontinent in der Runde der letzten Acht.

Tränen der Enttäuschung flossen dagegen bei den tapferen Japanern, die wie bei ihrer Heim-WM vor acht Jahren das Achtelfinale nicht überstanden. Den entscheidenden Fehlschuss leistete sich Yuichi Komano, als er mit dem dritten Versuch die Latte traf. "Ich habe meiner Mannschaft nichts vorzuwerfen. Die Spieler waren wundervoll. Sie können stolz sein, wie sie für Japan und ganz Asien gespielt haben", sagte Trainer Takeshi Okada und nahm die Verantwortung für das Scheitern auf sich: "Ich habe nicht genug geleistet. Ich habe eigentlich nichts mehr zu tun." Ob er damit seinen Rücktritt erklärt hatte, blieb allerdings offen.

Cardozo sprudelte vor Freude fast über. "Das war superwichtig. Und ich hatte das Glück, dieses Tor zu machen", stammelte der Angreifer von Benfica Lissabon, der den letzten Ball zum 5:3 versenkt hatte, in die Mikrofone. Vergessen waren in diesem Moment die 120 torlosen Minuten voller Langeweile, die beide Mannschaften vor 36.742 Zuschauern im Loftus-Versfeld-Stadion von Pretoria geboten hatten. Die Südamerikaner müssen sich im Viertelfinale am Samstag (20.30 Uhr im Liveticker von stern.de) im Ellis Park Stadion von Johannesburg gegen den Gewinner des Duells zwischen Europameister Spanien und Portugal erheblich steigern, um mithalten zu können.

Duell Not gegen Elend

Fehlpässe, Ungenauigkeiten, wenig Tempo - statt schwungvollem Angriffsfußball bekamen die Fans ein Duell Not gegen Elend zu sehen. Die Geduld wurde zwei Stunden lang auf eine harte Probe gestellt. Die größte Chance, Paraguay das erste Elfmeterschießen dieser WM zu ersparen, vergab der eingewechselte Dortmunder Nelson Valdez (97.). Die Südamerikaner erkämpften sich unter der Regie des Ex-Münchners Roque Santa Cruz zwar Feldvorteile, blieben aber im Abschluss wie schon im letzten Vorrundenspiel gegen Neuseeland harmlos. Auch die Asiaten konnten kaum etwas zur Attraktivität der Begegnung beitragen.

Nach 20 Minuten Langeweile sorgte Barrios für den ersten Aufreger der Partie. Der Dortmunder setzte sich auf engstem Raum gegen zwei Abwehrspieler durch, konnte Eiji Kawashima mit seinem unplatzierten Schuss aber nicht überwinden. Im direkten Gegenzug demonstrierten die Japaner wie schon im Spiel gegen Dänemark ihre Stärke bei Schüssen aus der Distanz, der Versuch von Daisuke Matsui (22.) aus gut 25 Metern landete an der Latte. Sieben Minuten später konnte Santa Cruz die Verwirrung in der Abwehr der "Samurai" nicht nutzen und zielte am Gehäuse vorbei.

Auch nach Wiederanstoß lösten beide Mannschaften die Handbremse nicht. Schwerfällig und zäh schleppte sich die Partie bis zur 56. Minute dahin, ehe Edgar Benitez, der für Valdez in die Startelf der "Guaranies" gekommen war, den nächsten Torschuss abgab. Yuji Nakazawa lenkte den Ball zur Ecke. Auch Cristian Riveros (59.) konnte Kawashima per Kopf nicht überlisten. Mit der Einwechslung von Shinji Okazaki wurden die Aktionen der Japaner in der Schlussphase etwas zielstrebiger, doch für das Siegtor kamen auch die Asiaten nicht infrage.

Christian Kunz und Bernhard Krieger, DPA DPA

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