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WM 2010: Die Fußballwelt zu Gast in den Townships

Fußball-Weltmeisterschaft heißt Zauberfußball, Multifunktions-Arenen und Superstars. Bei dieser WM jedoch kommen die Stars aus den Townships mit ihrem täglichen Kampf gegen die Armut. Sie erzählen Geschichten, die zu oft ungehört bleiben.

Von Marc Goergen, Südafrika

Vielleicht muss man mal weg von den Stadien, den Sponsorbanden und Sicherheitsschleusen, um zu verstehen, was die Weltmeisterschaft hier in Südafrika, die erste auf dem afrikanischen Kontinent, tatsächlich ausmacht. Vielleicht muss man einfach mal nach Afrika. Zum Beispiel auf einen Hügel bei Knysna an der Südküste, ins Township Hlalani, in die klamme Hütte des Anele Vani.

Vani telefoniert gerade mit der Stadtverwaltung. Wieder mal. Den ganzen Tag lang hat es geschüttet ohne Ende. Der Boden ist eine einzige braune Pampe. Jetzt rinnt das Wasser auch noch in das große Zelt hinein, das er so mühsam hat besorgen können. Sägespäne müssen her, sonst wird das heute nichts mit dem Fußballschauen. Denn nur in diesem einen Zelt gibt es ein paar Wochen lang Strom - dank Anele Vani.

Die Weltmeisterschaft ist schon wieder fast vorbei, doch wenn in diesen Tagen am Kap eines klar geworden ist, dann: Es war nicht der Zauberfußball einiger vermeintlicher Superstars, der diese WM ausgemacht hat. Es waren eher die heimliche Helden, die aus dieser Weltmeisterschaft eine besondere, eben eine afrikanische gemacht haben. Typen ohne Schienbeinschoner oder Akkreditierungsausweis. Typen wie der Dorfvorsteher von Hlalani namens Anele Vani.

Es ist auch die WM der kleinen Leute

Man sieht es ihm, nun ja, nicht an, das Heldentum. Vani schiebt einen gemütlichen Bauch vor sich her. Doch die Geschichte, die er erzählt, während er sich über einer Gasflamme die Hände wärmt, diese Geschichte hat es in sich.

Hlalani ist eines von vielen Townships, die den schnuckeligen Touristenort Knysna umgeben. 400 einfache Bretterverschläge ohne Wasser, Heizung und vor allem: ohne Strom. Irgendwann aber Ende des letzten Jahres wurde Vani klar, dass sie ohne Strom auch keine Spiele würden anschauen können. Im Wochentakt schrieb er Briefe an die Stadtverwaltung. Ohne Erfolg. Schließlich wurde es den Leuten von Hlalani zu viel. Sie blockierten die Hauptstraße von Knysna. Sie zündeten sogar Reifen an. Ohne Erfolg.

Plötzlich vor ein paar Wochen der ersehnte Anruf. Voller Vorfreude beobachteten die Leute aus Hlalani, wie Elektriker Strommasten in die Erde rammten. Ein paar Bewohner rissen schon ihre Hütten ab und bauten sie näher an der geplanten Leitung wieder auf. Dann der Schock: der neue Transformator war kaputt. Doch schließlich hatten Anele Vani und die Stadt eine rettende Idee. Ein Zelt mit improvisiertem Stromanschluss samt Projektor und Leinwand - für die Zeit der Weltmeisterschaft.

Das größte Sportereignis in den Townships

So sitzt nun die Gemeinde von Hlalani während der Spiele im hell erleuchteten Zelt inmitten des dunklen Townships. Immer tragen ein paar die gelben Bafana-Shirts, auch nach dem Ausscheiden der Gastgeber, und immer spürt man die Begeisterung, von dem Spektakel nicht ausgeschlossen zu sein.

Wer in diesen Tagen durchs Land fährt, erlebt oft diesen Stolz, dass Südafrika der Welt beweisen kann, was es leisten kann. Die angereisten Fans sind begeistert. Sie geben mehr aus als veranschlagt, die Kneipen sind voll, und selbst das Rotlichtgewerbe berichtet von reger Nachfrage. Und die Südafrikaner entdecken ihre so lang vernachlässigten Innenstädte. Viele Polizisten und genauso viel Neugier locken Tausende aus den Vorortfestungen hinein nach Johannesburg, Durban, Kapstadt. Es fühlt sich gut an, irgendwie lächelnd, dieses Südafrika in Zeiten der WM.

Zum Sommermärchen à la 2006 fehlt ein wenig die passende Leistung der Heimmannschaft und manchmal, nach bibberkalten Abendspielen in Johannesburg, eben auch einfach die richtige Jahreszeit. Aber ganz oft ist da dieses Staunen zu sehen. Bei den Gästen über ein Land, dass so gar nicht dem Sodom-und-Gomorrha-Klischee entsprechen will. Bei den Südafrikanern womöglich einfach über sich selbst. Was hatten düstere Propheten nicht alles voraus gesagt? Machetenschwingende Gangs! Vergewaltigungen im Halb-Stunden-Takt! Und der Rassenkrieg zwischen weiß und schwarz ist auch irgendwie ausgeblieben.

Eine afrikanische Weltmeisterschaft

Es scheint manchmal, im Gegenteil, als ließe die Weltmeisterschaft die Farben der Regenbogennation ein wenig verwischen. 64 Fußballspiele heilen nicht Aids, sie beseitigen nicht die Armut und schaffen auch nicht Millionen neuer Jobs. Aber wer hätte gedacht, dass sich burische Rubgy-Fans ein Bafana-Shirt über den Bauch streifen? Wer hätte gedacht, dass Südafrikas Fans für ein paar hoffnungsschwangere Tage Ghana als Patenkind adoptierten - in einem Land, das erst vor zwei Jahren über 50 Tote nach xenophobischen Ausschreitungen zu beklagen hatte?

Und es ist tatsächlich eine afrikanische Weltmeisterschaft. Die Teams des Kontinents enttäuschten, aber ihre Fans, die Millionen afrikanischer Immigranten in Südafrika, die überzeugten. Zum Beispiel beim Spiel Argentinien gegen Nigeria. Es scheint eine Ewigkeit her, doch ein paar Bilder hat man immer wieder im Kopf. Nicht Lionel Messi. Sondern den verrückten Marsch von mehreren Tausend nigerianischer Fans durch die Hochhausschluchten ihres heruntergekommenen Viertels Hillbrow hinab zum Stadion in Johannesburg. Wie ihr Blasorchester spielte, wie sie Fahnen und sogar grün-weiß-bemalte Hühner schwenkten, wie sie die Straßen in Besitz nahmen, die sonst den Autos der Besserverdienenden gehören.

Ghana - der Strohhalm des Kontinents

Oder Ghana gegen Uruguay, die 120. Minute, beim Public Viewing vor dem alten Rathaus von Kapstadt. Hier hatte Nelson Mandela seine erste Rede nach seiner Freilassung gehalten. Und hier jubeln nun Tausende, sie tanzen und singen und schreien, als der Schiedsrichter Ghana den Elfer zuspricht. Es ist die letzte Aktion des Spiels. Jeder weiß das. Dann knallt Anthony Gyan den Ball an die Latte, und es ist plötzlich so still, als ob der greise Mandela selbst die Lautlos-Taste gedrückt hätte. Irgendwie weiß man dann schon, dass Ghana jetzt auch das Elfermeter-Schießen verlieren wird. Als es dann tatsächlich so kommt, bleibt der Aufschrei aus. Die Menschen gehen einfach langsam vom Platz. Der letzte Strohhalm des Kontinents ist gebrochen.

Es sind wundersame Momente - auch weil sie fernab eines unseligen Fifa-ismus stattfinden. Denn manchmal scheint es, als sei der einzige Spielverderber hier die Fifa selbst. Kein Straßenhändler darf mit der WM für sich werben. Ein paar Holländerinnen in orangenen Mini-Kleidern einer Brauerei entkommen nur knapp dem Gefängnis - derweil sich die Gralshüter des Fußballs von der Steuer befreien lassen und Sepp Blatter im Privatjet namens "Fifa One" übers Land hinwegrauscht. Die Südafrikaner antworten irgendwann auf ihre Weise. Ein Café-Besitzer in Bloemfontein malt ein Werbeplaket auf dem steht: "Fifo 20.10". Das stehe für "First in - first out", sagt er schelmisch. Und 20.10, das sei eben der Preis fürs Essen. 20 Rand und 10 cent.

Südafrika und die ungeliebte Fifa

Und wenn man abends die vollgepackten Kneipen durchstreift, da begegnen einem ab und an Typen im gelb-grünen T-Shirt mit der schönen Aufschrift "Fick Fufa". Es ist nicht ganz einfach, den Macher der Shirts ausfindig zu machen. Pieter, so nennen wir ihn mal, weiß um den langen Arm der Fifa. Wer eines dieser Shirts kaufen will, muss denn auch jemanden kennen, der jemanden kennt, der seine Nummer hat.

"Es geht mir nicht darum, Geld zu verdienen", sagt Pieter, als es schließlich zum konspirativen Treffen in einem Café in Kapstadt kommt. "Ich bin einfach wütend, dass die Fifa dieses Land komplett übernommen hat." Pieter arbeitet in der Kunstförderung. Als er mit ein paar Künstlern beim Bier zusammen saß und sich über die absurden Regeln der Fifa aufregte, kam ihm die Idee mit den T-Shirts. Jetzt druckt er alle paar Tage ein paar Dutzend neue, die er über Freunde zum Selbstkostenpreis in Kapstadt und Johannesburg vertreibt. "Blatter und seine Jungs führen sich doch wie Götter auf", sagt er. "Als ob Südafrika der Fifa ewig dankbar sein sollte für diese WM." Es müsste eigentlich umgekehrt sein.

P.S.: Wie begeistert sind Sie von der Fußball-WM in Südafrika? Diskutieren Sie das Thema auf Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

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Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?