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WM-Viertelfinale gegen Argentinien: Lasst Merkel nicht in die Kabine!

Bastian Schweinsteiger würde vor dem Viertelfinale gegen Argentinien gerne Angela Merkel in der Kabine begrüßen - um einen "zusätzlichen Schub" zu bekommen. Doch ihr letzter Kabinengang war nur so mittelmäßig erfolgreich. Deshalb, liebe Spieler: Lasst sie besser nicht herein, fordert Niels Kruse.

Der Schweiß von einem Dutzend Männer erfüllt gegen 15.50 Uhr den Raum. Konzentrierte Blicke haften an Handtüchern auf dem Boden, das Adrenalin pumpt in den Adern. Es werden Wörter fallen, für die man seinen Kindern den Mund mit Seife auswaschen würde. Und mittendrin steht die Kanzlerin. Sie lässt einen lockeren Spruch fallen. Sollten die Endorphine von Jogis Jungs bislang nur bis zur Kopfhaut reichen, werden sie nach Merkels Ansprache sicher bis in die Haarspitzen schießen. Derart motiviert kann die Nationmalmannschaft gar nicht mehr anders als gewinnen.

Die Mannschaft möchte, dass ihr Merkel Mut macht

So in der Art stellt es sich wohl Bastian Schweinsteiger vor. "Wenn Frau Merkel zu uns in die Kabine kommen würde, dann gäbe es noch mal einen Schub", sagte der von Bundestrainer Jogi Löw zum emotionalen Leader ernannte Münchener. Natürlich geht es um das anstehende Viertelfinal-Duell gegen Argentinien und die ganze Mannschaft wünscht sich ernsthaft, dass ihr die Regierungschefin vor der schweren Partie Mut macht. Ihr gleichsam den Odem des Sieges einflösst.

Offenbar trübt die weltmeisterschaftsbedingte Isolation am anderen Ende der Welt das Urteilsvermögen der Adler-Kicker. Denn Merkels letzter Kabinenbesuch im Berliner Reichstag brachte nur so mittelmäßig Glück: Dreimal musste die Bundesversammlung in die Wahlkabine, zuvor dürfte die Regierungschefin jedes Mal auf ihre Fraktion eingeredet haben - vergeblich: Sämtliche Abstimmungen brauchte ihr Mann für Präsidentenamt, Christian Wulff, um genug Stimmen zusammenzusammeln. Für soviele Kabinenpredigten hat die Nationalmannschaft leider keine Zeit.

Überhaupt Merkel und die Männer - in letzter Zeit gestalten sich ihre Beziehungen zusehends schwierig. Allein diese SMS von Sigmar Gabriel: Im Vorfeld der Bundespräsidentenwahl hatte sich der SPD-Chef elektronisch an die CDU-Chefin gewandt, es ging um einen möglichen Kandidaten Joachim Gauck. Dummerweise ist die mit 1220 Zeichen äußerst üppig geratene Kurzmitteilung kurz darauf im "Spiegel" erschienen, weswegen nun wohl Funkstille zwischen den beiden Volksvertretern herrscht.

Ein Blazer als auffälligstes Merkmal

Auch beim G20-Gipfel in Toronto überzeugte die Regierungschefin nicht unbedingt durch Motivationskünste. Nichts weniger als die Zukunft der Welt stand zur Debatte, doch ihrem sinnvollen Vorschlag einer weltweiten Finanzmarktsteuer wollte keiner so richtig folgen. Das auffälligste an der Veranstaltung war noch Merkels orangefarbener Blazer, mit dem sie aus der Runde der schwarz gewandeten Staatsmänner herausleuchtete.

Kurzum, liebe Nationalspieler: Auch wenn ihr noch so sehr beteuert, wie große Fans ihr doch von Merkel seid - macht die Kabinentür zu, denn mit Männern hat sie es zurzeit nicht so und zudem, wie Ihr immer so schön sagt, gerade die Scheiße am Fuß. Schickt sie stattdessen auf die Tribüne. Das hat auch schon 2006 geholfen, als sie Zeuge wurde, wie Jens Lehman den entscheidenden Schuss im Elfmeterschießen gegen Argentinien hielt. Ansonsten vertraut wie alle vernünftigen Menschen auf den Orakel-Kraken Paul aus Oberhausen: der hat, zwar nach langem Zögern, also geradezu merkelesk, letztlich auf euch gesetzt. Schon wieder.

P.S.: Liebe Leser, kann ein Besuch Merkels der Nationalmannschaft im Spiel gegen Argentinien helfen? Diskutieren Sie mit Fankurve 2010, der Facebook-Fußballfanseite von stern.de.

Von Niels Kruse

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