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WM 2014: WM 2014 - FIFA und Brasilien im Streit, Teixeira beurlaubt

Brasilien steht vor der WM im eigenen Land vor jeder Menge Probleme. Verbands-Präsident und OK-Chef Teixeira kämpft gegen Korruptionsvorwürfe und gesundheitliche Probleme, und zwischen der Regierung und der FIFA kracht es ebenfalls.

In Brasilien herrscht derzeit wenig Euhphorie vor der WM im eigenen Land. Die Nationalmannschft hat viel von ihrem Glanz vergangener Tage verloren und gilt, nach den enttäuschenden Auftritten bei der WM 2010 und der Copa América, nicht als Titelfavorit. Das Land selbst hat bei der Vorbereitung auf die WM derzeit gleich mehrere Baustellen.

Wenig Euphorie und jede Menge Probleme in Brasilien

Da ist zum einen der gerade erst ausgetragene Streit zwischen der FIFA und der brasilianischen Regierung, um den Stand der Vorbereitungen. Zum anderen beherrscht der Gesundheitszustand des unter Korruptionsverdacht stehenden CBF-Präsident Teixeira die Schlagzeilen.

FIFA in Sorge

Auslöser des Streits zwischen FIFA und der brasilianischen Regierung waren die schleppenden Fortschritte, die Brasilien nach Ansicht der FIFA beim Ausbau der Infrastruktur macht.Vor allem die bisher fehlenden Transport- und Unterbringungsmöglichkeiten für Spieler und Fans, die Verzögerungen beim Stadiobau und der Ausbau der Flughäfen bereiten der FIFA Sorgen.

Brasilien braucht einen "Tritt in den Hintern"

"In Brasilien gehen die Dinge nicht voran", kritisierte der französische FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke. "Die Priorität in Südafrika lag darauf, das Turnier gut zu organisieren und nicht zu gewinnen. Es scheint, dass Brasilien vor allem gewinnen will, das muss sich ändern." Falcke merkte zudem an, die Organisatoren benötigen wohl einen "Tritt in den Hintern."

In Brasilien zeigte man sich empört, die Äußerungen seien "beleidigend" und "inakzeptabel", man werde Valcke "nicht mehr als Gesprächspartner akzeptieren", schrieb Sportminister Aldo Rebelo in einem Brief an die FIFA. Marco Aurelio García, außenpolitischer Berater von Präsidentin Dilma Rousseff nannte Valcke eine "Kanaille" und "Großmaul". Zwischenzeitlich gab es sogar Gerüchte, die FIFA könnte Brasilien die WM 2014 möglichweise entziehen.

Wogen mit der FIFA nur scheinbar geglättet

Beide Seiten bemühten sich in der Folge um Deeskalation, Valcke entschuldigte sich in einem Schreiben offiziell bei den Brasilianern, er sei falsch übersetzt worden. Auch FIFA-Präsident Joseph Blatter entschuldigte sich per Brief bei Rebelo und bat um ein Treffen mit Präsidentin Dilma Rousseff: "Ich bin extrem beunruhigt über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen der FIFA und der brasilianischen Regierung." Und Valcke betonte, "dass Brasilien die einzige Option für die Ausrichtung der FIFA-WM 2014 ist und sein wird".

Rebelo nahm die Entschuldigungen an und antwortete ebenfalls mit Briefen an Blatter und Valcke, der Brief an Valcke fiel jedoch mit zwei Zeilen eher knapp aus. Aus dem Umfeld des Ministers heißt es außerdem, er sei unzufrieden über die lange Reaktionszeit von Blatter. Die Wogen haben sich also zunächst geglättet, unter der Oberfläche scheint der Streit jedoch weiter zu schwehlen.

Präsident Teixeira mit gesundheitlichen Problemen

Auch im Brasilianischen Verband kommt man derzeit nicht zur Ruhe. Der Verbandspräsident und Vorsitzender des Organisationskomitees Ricardo Teixeira hat sich aufgrund gesundheitlicher Probleme für unbestimmte Zeit beurlauben lassen.Der 64-jährige Teixeira, der bereits seit 23 Jahren an der Spitze des Verbands steht, hatte bereits in der Vergangenheit gesundheitliche Probleme gehabt und sich erst Ende des letzten Jahres beurlauben lassen.

Korruptionsverdacht durch Blatter erhärtet

Ob und wann Teixeira wieder ins sein Amt zurückkehrt und vorallem, ob er weiterhin seine Aufgaben als OK-Chef ausüben kann, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Teixeira ist in Brasilien nicht unumstritten, gemeinsam mit seinem Stiefvater Joao Havelange steht er seit Jahren unter Korruptionsverdacht, beide sollen von der mittlerweile insolvent gegangenen Sportvermarktungsagentur ISL Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben. Sepp Blatter hatte bereits Ende 2011 angekündigt Dokumente zu veröffentlichen, die Teixeira belasten könnten.

Teixeira als Beckenbauer Brasiliens

Teixeira gilt jedoch unter den Brasilianern als Hauptverantwortlicher für die Vergabe der WM 2014 an Brasilien und hatte sich auch im Streit zwischen der FIFA und der Regierung auch als Vermittler eingesetzt. Für die Vorbereitung auf die WM scheint er für Brasilien ähnlich wichtig wie Franz Beckenbauer 2006 für Deutschland - sein Rückzug als OK-Chef wäre ein herber Verlust für das Land.

Ob mit oder ohne Teixeira, Brasilien hat noch viel zu tun bis zum Eröffnungsspiel der WM 2014 in gut zwei Jahren.

Rahmengesetz nimmt erste Hürde - ein Silberstreif am Horizont

Es gibt jedoch auch Positives zu vermelden: Zumindest bei dem umstrittenen Rahmengesetz für die WM 2014 und den Confed Cup 2013 ist nun im Parlament ein erster Durchbruch gelungen. Ein Sonderausschuss des brasilianischen Parlaments hat jetzt die Vorlage für das Gesetz gebilligt und damit ein monatelanges Tauziehen beendet.

In dem Gesetz geht es unter anderem darum, dass Alkoholverbot in den Stadien zu lockern, sowie um die Richtlinien für verbilligte Eintrittskarten und vieles mehr. Ob Valckes Aufforderung "den Rhythmus zu erhöhen" dazu beigetragen hat ist nicht bekannt, freuen dürfte es den Franzosen und seine FIFA-Kollegen trotzdem.

sportal.de / sportal

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