HOME

Stern Logo WM 2018

Schneiders WM-Kolumne: Wie die DFB-Elf sich mit den Pataxó-Indianern verbündete

Beim ersten Training der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien sahen rund 500 Zuschauer zu. Darunter waren auch Mitglieder der Pataxó-Indianer. Podolski und Klose wagten eine Annäherung.

Von Mathias Schneider, Santo André

Das Volk der Pataxó hat viel mitgemacht in seiner langen Geschichte. Die Indianer (politisch nicht ganz korrekt), sie lebten ja schon lange in jenem wunderbaren Land, das man später Brasilien nannte, bevor der weiße Mann kam und es zu unterjochen versuchte. Sie teilen also mit der deutschen Delegation eine gewisse Skepsis vor den seefahrenden Eroberern aus Portugal. Wenn auch Löws Männer zuletzt mit den Imperialisten im Ruhestand deutlich bessere Erfahrungen machten. Sowohl 2008 als auch 2012 gewann man gegen Portugal bei Europameisterschaften.

Auf jeden Fall sind der Pataxó und der deutsche Nationalspieler Brüder und Schwestern im Geist, und als die lieben Menschen mit Federn und Baströcken bewaffnet auf den verwaisten Trainingsplatz von Santo André traten, eben war die Einheit der deutschen Elf beendet, da erwartete man gespannt, was die Zusammenkunft wohl bringen würde.

Ein Geburtstagstanz für Klose

Sogleich gingen sie daran, die matten Männer in den weißen Trikots, die sich da am Rande des Platzes versammelten, mit ihrem Tanz zu verzücken. Weil Mirsolav Klose auch noch 36 wurde, durfte er irgendwann in die Mitte der bunten Gemeinschaft treten. Freudig umtanzte ihn die Gruppe. "Wer mich kennt", würde Klose wohl an dieser Stelle einwenden, aber er war ja nicht zu sprechen; "wer mich also kennt, der weiß, dass ich bei solchen Anlässen nicht so gern im Mittelpunkt stehe." Zumindest durfte man aus der Ferne diesen Eindruck gewinnen, aber er wollte nicht unhöflich sein. Auch das ist Klose.

Am Ende haben sie dann alle zusammen getanzt, Mertesacker, Klose, vor allem aber, natürlich, der Kölsche Jung Podolski. Dann gingen sie wieder auseinander, die guten Pataxó mit Trikots bewaffnet, die Nationalspieler um eine wertvolle Erfahrung reicher.

DFB-Elf will Beliebtheits-Vizeweltmeister werden

Charmekampagne oder ehrlicher Kulturaustausch?

Egal, die Menschen in Santo André waren glücklich, sie waren Neuer, Podolski und Özil ganz nahe. Zumindest für einen Moment. Danach sprach der Teammanager Oliver Bierhoff auf der offiziellen Pressekonferenz, man hoffe doch schwer, dass man in der inoffiziellen Beliebtheitsrangliste bei dieser WM den zweiten Rang hinter Brasilien verteidigen könne. Nun, ob es unsere Elf gleich so weit tragen wird, das muss sich in den nächsten Tagen noch weisen. Fakt ist aber, dass die Pataxó-Indianer uns diesmal die Daumen drücken werden. Mindestens im ersten Spiel.

Gegen dieses düstere Volk der Seefahrer.

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity