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Schneiders WM-Kolumne: Willkommen im Schwarzwalddorf Campo Bahia

Die deutsche Nationalelf hat ihr Basislager Campo Bahia erreicht. Es wirkt ein bisschen so, als verschanzte sich die gesamte Bundesregierung in einem Schwarzwalddorf. Die Eingeborenen staunen.

Von Mathias Schneider, Santo André

Bevor wir uns mit Wucht in die Vorbereitung auf das erste Spiel unserer Auswahl gegen das gefährliche Portugal werfen, eine Woche bleibt ja noch, müssen wir noch einen Moment zurückblicken auf die Anreise unserer Elf.

Sie ist pünktlich in Frankfurt gestartet, es folgte ein ruhiger Flug nach Salvador, die müden Fußballer-Knochen ruhten friedlich in der First Class. Richtig so. Von Salvador ging es dann direkt weiter nach Porto Seguro, das auf halber Höhe an der Ostküste des Landes liegt - für all jene, die zu faul sind, nachzuschlagen.

Dann ging es mit dem Auto weiter nach Santo André. Dort verlor sich gewissermaßen ihre Spur. Denn Santo André ist ein Landfleck nahe der Küste, der vom Fluss Rio Joao de Tiba vom Festland abgetrennt wird.

Es bedarf also einer Fähre, um unsere Delegation in der Fremde in Sicherheit zu bringen. Auf die passen leider nicht allzu viele Autos, man muss sich das vorstellen, wie eine jener Autofähren, wie sie über die Elbe fahren. Vielleicht neun Wagen, dann ist sie voll. Gemütlich ist das, aber eben nicht für einen mächtigen DFB-Bus geeignet. Das Fahrzeug ist dann aufgesetzt, als es auf der anderen Seite des Stromes die Fähre wieder verlassen wollte.

Es brauchte zwanzig Minuten, es wieder flott zu machen. Die Mannschaft war da schon über alle Berge, sie war in Kleinbussen ins Camp gebracht worden.

Ein Camp wie ein Schwarzwalddorf

In ein schönes Camp, um genau zu sein. Aber es ist eben auch ein bisschen so, als verschanzte sich die gesamte Bundesregierung samt aller Bundestagsausschüsse in einem Schwarzwalddorf. Bislang kannten die Einwohner von Santo André das ja gar nicht, Polizisten. Nun sperren sie ihre Straßen ab, laufen in Kampfmontur ums Ressort Campo Bahia. Wenn unsere Jungs zum Training brausen, der eigens angelegte Trainingsplatz liegt knapp zwei Kilometer entfernt, werden sie von der Polizei eskortiert. Dabei ist auf den Straßen etwa so viel los wie in der Wüste Gobi.

Ein bisschen wirkt das manchmal schon, als machte man sich die Erde untertan. Andererseits: Unsere Jungs zählen mittlerweile zu den Favoriten, und man mag sich ja nicht ausdenken, was los wäre, wenn ein Überfall unserer kleines zurückgezogenes Camp erschütterte.

Unsere Elf hat ihr Basislager also bezogen. Sie hat einmal trainiert, und niemand hat sich verletzt. Was auch nicht ganz unwichtig ist. An fehlender Ruhe wird es auf jeden Fall nicht scheitern, so viel lässt sich jetzt schon sagen.

Den kompletten Spielplan zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien finden Sie hier.

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