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Fußball-WM 2022 Protest-Geste: Nicht alle DFB-Spieler wollten sich wohl den Mund zuhalten

DFB-Spieler halten sich bei der Fußball-WM in Katar die Hand vor den Mund
DFB-Spieler halten sich bei der Fußball-WM in Katar die Hand vor den Mund. Nicht alle Beteiligten fühlten wohl mit dieser Geste.
© Imago Images
Nach dem Fifa-Verbot, die One-Love-Binde bei der WM in Katar zu tragen, hielten sich die deutschen Spieler vor der Begegnung mit Japan den Mund zu. Doch nicht alle waren von der Aktion wohl überzeugt.

Auf einmal standen sie alle da und hielten sich die Hand vor den Mund. Beim obligatorischen Mannschafts-Foto vor der WM-Begegnung in Katar sah man die deutsche Elf bei dieser ungewöhnlichen Geste und eigentlich war allen gleich klar, dass hier Protest formuliert wird. Ein vermeintlich starkes Zeichen, dass Geschlossenheit und Stärke demonstriert. Doch zumindest an der Geschlossenheit gibt es laut eines ARD-Beitrages nun Zweifel.

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Die Vorgeschichte der Aktion hat mit der Rechtslage der LGBTIQ-Community zu tun, die in dem als konservativ geltenden Katar alles andere als freiheitlich ausgestaltet ist. In einem Interview vor der WM etwa hat der katarische WM-Botschafter und frühere Fußball-Nationalspieler Khalid Salman Homosexualität als "geistigen Schaden" bezeichnet. Er habe vor allem Probleme damit, wenn Kinder Schwule sähen. Denn diese würden dann etwas lernen, was nicht gut sei. In seinen Augen ist Schwulsein "haram", also verboten.

One-Love-Binde bei Fußball-WM verboten

Um dieser Sichtweise etwas entgegen zu setzen überlegte sich das DFB-Team – gemeinsam mit anderen Fußballverbänden – die sogenannte One-Love-Armbinde zu tragen. Kurioserweise war die mehrfarbige Binde mit einem Herz-Symbol bereits nach ihrer Präsentation von mehreren Seiten scharf kritisiert worden, weil sie eben nicht zumindest den symbolkräftigen Regenbogen abbildet, sondern diesen höchstens andeutet.

Zwei Tage vor dem Spiel gegen Japan jedoch kündigte die Fifa -Generalsekretärin Fatma Samoura an, dass die Verbände mit ernsten sportlichen Sanktionen rechnen müssten, falls diese Kapitänsbinde getragen würde. Die Fußballverbände von England, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Wales und auch Deutschland knickten daraufhin recht schnell ein und wiesen ihre Kapitäne an, ohne die One-Love-Armbinde aufzulaufen.

Gefühl der Instrumentalisierung

Hier war nun schneller Rat gefragt. Was tut man, um trotzdem eine Geste zu zeigen, die zumindest zeigt, dass man mit den Umständen im WM-Gastgeberland nicht einverstanden ist. Nach einem Bericht der Sportschau setzte "hektisches Treiben ein, um alternative Szenarien zu besprechen. Die Verbandsspitze und auch einige Spieler sollen sich dafür eingesetzt haben, auf jeden Fall vor dem Spiel gegen Japan ein Zeichen zu setzen. Andere Spieler fühlten sich dagegen 'instrumentalisiert.'" Trotzdem wählte man die Hand-vor-dem-Mund-Geste, was "innerhalb der deutschen Mannschaft als kleinster gemeinsamer Nenner akzeptiert worden" sein soll. Das Gefühl der Instrumentalisierung darf hierbei in beide Richtungen verstanden werden. Zum einen dahingehend, sich als Spieler überhaupt mit Umständen, die außerhalb des Sports liegen, befassen zu müssen. Zum anderen aber natürlich auch, dass sich Sportverbände in symbolische Protestformen einmischen, die gern auch nur der Mannschaft selbst hätten überlassen werden können.

Welche Spieler genau sich für oder gegen die Mund-zuhalten-Geste aussprachen und ihre jeweiligen Beweggründe wurde insoweit jedoch nicht belegbar bekannt. Nach Informationen der ARD wurde letztendlich – nach der verlorenen Partie gegen Japan – beschlossen, sich fortan nur noch auf den Fußball zu konzentrieren.

Quellen:  ARD, "Bild"

km

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