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Schwache zweite Halbzeit "Wir haben alles gegeben": Spanien will von Wettbewerbsverzerrung nichts wissen

Wirkten in Halbzeit zwei irgendwann beide durchaus zufrieden mit dem Ergebnis: Japan und Spanien bei der WM 2022
Wirkten in Halbzeit zwei irgendwann beide durchaus zufrieden mit dem Ergebnis: Japan und Spanien bei der WM 2022
© David Josek / DPA
Deutschland ist trotz einem Sieg über Costa Rica aus der WM ausgeschieden, weil Japan parallel Spanien schlug. Die knappe Niederlage reichte für beide Teams zum Weiterkommen. Trainer Luiz Enrique will von Absicht nichts hören.

Mit dem Ergebnis der Spanier habe er nicht gerechnet, gab ein am Boden zerstörter Kai Havertz nach Schlusspfiff zu Protokoll, schob jedoch sogleich hinterher, dass man sich an die eigene Nase packen müsse. Auch Thomas Müller nannte den Ausgang des Parallelspiels "unglaublich bitter". Man habe doch seine Hausaufgaben gemacht und sei jetzt trotzdem raus. Keiner der Deutschen aber ging so weit, Spanien vorzuwerfen, womöglich doch auf die vorher viel zitierte "leichtere Turnierhälfte" geschielt zu haben und mit Platz zwei in der Gruppe gar nicht so unzufrieden gewesen zu sein.

Diese Konfrontation übernahmen dann Journalisten im Anschluss. Spaniens Coach Luiz Enrique wollte davon nichts hören. Er habe die Spieler aufgestellt, die er für die besten für die Partie hielt. Es habe sich dadurch zwar "viel im Turnier verändert", gab auch er zu, und meinte damit vermutlich eben jene angeblich leichtere Hälfte des Tableaus: Marokko im Achtelfinale statt Kroatien und keine Brasilien-Gefahr im Viertelfinale. Niederlagen aber feiere er grundsätzlich nicht, so Enrique. Als Gruppenerster habe man weiterkommen wollen. "Wir haben alles gegeben", beteuerte Spaniens Coach. Für viele Beobachter bleibt aber ein fader Beigeschmack, besonders nach Halbzeit zwei.

Spanien konnte sich vor dem Spiel nicht auf Deutschland verlassen

Denn tatsächlich konnte sich Spanien nicht von Beginn an darauf verlassen, so oder so weiterzukommen. Bei einer Niederlage gegen Japan hätte es Deutschland zwar wegen des massiv schlechteren Torverhältnisses sehr schwer gehabt, an den Spaniern vorbeizuziehen – so wie es dann ja letztlich auch nicht kam. Costa Rica aber wäre mit einem Sieg entspannt vorbeigezogen. Und so startete Spanien gut in die Partie, ging früh in Führung und erspielte sich mehrere Torchancen gegen tiefstehende Japaner. Zur Pause sah es dann mit den Zwischenständen von 1:0 in beiden Partien nach Spanien und Deutschland im Achtelfinale aus.

Nach der Pause aber gaben die Spanier die Partie mit grober Nachlässigkeit aus der Hand. Torwart Simón etwa sah bei keinem der Gegentreffer gut aus. Das ganze Team wirkte fahrig. Die Halbzeitstände schienen, nachvollziehbarerweise, nur die Asiaten so richtig zu motivieren. Der Weltmeister von 2010 kam im gesamten zweiten Durchgang kaum gefährlich vor das Tor der Japaner. Die einzige große Torchance vergab ausgerechnet Bundesliga-Star Dani Olmo in der 90. Minute frei vorm Tor.

Dabei war Luis Enriques Team zwischenzeitlich durch Costa Ricas Führung gegen Deutschland selbst ausgeschieden – zumindest für drei Minuten. Das will der Trainer aber gar nicht mitbekommen haben. "Wie? Wir waren draußen?", sagte Enrique auf eine entsprechende Frage in der Pressekonferenz. "Ich wusste es nicht, ich war aufs Spiel konzentriert." Sonst hätte er "einen Herzinfarkt bekommen".

Zumindest in den letzten Minuten des Spiels dürfte sein Puls recht entspannt gewesen sein. Nachdem Deutschland das Spiel gegen Costa Rica wieder drehte und letztlich mit 4:2 führte, wusste man: den Spaniern kann heute nichts mehr passieren. Das spiegelte sich dann auch in den letzten Minuten auf dem Platz wider. Keine Mannschaft ging mehr großes Risiko ein. Die Teams schienen sich mit dem Ergebnis zu arrangieren, reichte es doch beiden zum Weiterkommen.

Japan hat beide Spiele gut und vor allem effizient gespielt

Was natürlich bei all dem nicht vergessen werden darf: Die Japaner haben gegen Deutschland und Spanien letztlich zwei gute Spiele abgeliefert und mit brutaler Effizienz zugeschlagen. Aus nicht einmal einer Handvoll Chancen in beiden Begegnungen machten die Asiaten jeweils zwei Tore. Davon konnte Deutschland, bei diesem Turnier Weltmeister im Chancenvergeben, nur träumen. "Gegen Japan hatten wir viele Probleme", gab etwa Niclas Füllkrug nach dem Spiel zu Protokoll. "Das war der entscheidende Spieltag."

Und so bleibt am Ende das traurige Fazit: Hätte Deutschland gegen Japan gewonnen, so wäre man am letzten Spieltag nicht von mitunter etwas unmotivierten Spaniern abhängig gewesen.

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