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WM-Qualifikation Südamerika: Wenn Trainer weinen und Giganten straucheln

Höhenluft, weinende Trainer, strauchelnde Favoriten: Bevor sich die "Eliminatoria 2010" bis März nächsten Jahres in die Winterpause verabschiedet, erlebten die Fans vom Zuckerhut bis in die hohen Andengipfel noch einmal die ganze Dramatik des mehr als zwei Jahre andauernden Ausscheidungsmarathons.

Während die Minimalisten aus Paraguay um den erneut glücklosen Dortmunder Nelson Valdez mit dem zweiten 1:0-Erfolg gegen Peru (Torschütze Benitez Edgar) innerhalb von vier Tagen mit 23 Punkten unangefochten der staunenden Konkurrenz fast uneinholbar davoneilen, ist es um das Nervenkostüm der Fans der beiden Fußballgiganten Brasilien und Argentinien alles andere als gut bestellt.

Im riesigen, aber nicht einmal halbvollen Maracana-Stadion in Rio de Janeiro kam Brasilien am zehnten von insgesamt 18. Spieltagen mit Bayern-Profi Lucio als Kapitän und dem Wolfsburger Josue nicht über ein 0:0 gegen ein tapfer aufspielendes Kolumbien hinaus.

Trainer in Tränen aufgelöst

Schon nach einer Gnadenfrist von einer Viertelstunde verloren die erbarmungslos nach Offensivfußball lechzenden Fans der "Selecao" die Geduld und forderten erneut die Entlassung des wegen seines Defensiv-Stils verhassten Trainers Carlos Dunga. Doch der versicherte trotzig: "Ich halte dem Druck bis zum Ende der Qualifikationsrunde stand." Sein Gegenüber war dagegen völlig in Tränen aufgelöst: Kolumbiens Interimscoach Eduardo Lara war nicht einmal mehr in der Lage das Remis zu kommentieren, zu sehr übermannten ihn die eigenen Emotionen.

Die südamerikanische WM-Qualifikation ist nicht nur für Brasiliens Superstar Kaka wie ein langer "Krieg": Lara weiß, dass er nach dem wichtigen Zähler am Zuckerhut wohl im Amt bleiben darf. Für die Cafeteros aus Kolumbien (11 Punkte) bedeutet das Remis zumindest, dass der Traum von der WM 2010 in Südafrika weitergeträumt werden darf. Und nur das zählt in gnadenlosen Ausscheidungswettbewerb "Eliminatoria".

Demichelis überzeugt

Brasilien bleibt mit 17 Punkten nur deshalb Tabellenzweiter, weil Argentinien (16) das Nachbarschaftsduell in Chile (16) überraschend mit 0:1 verlor. Chiles argentinischer Trainer Marcelo Bielsa vermied zwar anschließend demonstrativ jedwedes triumphales Gehabe, doch der Erfolg gegen einen seinen Nachfolger Alfredo Basile, dürfte für den in Argentinien gescheiterten Bielsa einen besonders süßen Geschmack haben.

Die "Gauchos", bei denen Bayern-Defensivarbeiter Martin Demichelis erneut eine solide Leistung zeigte, hatten ohne die gelbgesperrten Stars Juan Roman Riquelme und Carlos Tevez nicht die spielerische Klasse, den Gastgebern in Santiago noch einmal das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen.

Harter Kampf in der Höhe

Angesichts des dichtgedrängten Verfolgerfeldes müssen selbst Argentinien und Brasilien um ihre WM-Teilnahme bangen. Hinter den ersten vier Plätzen, die eine direkte Qualifikation für Südafrika bedeuten, wird das Hauen und Stechen um den so wichtigen fünften Relegations-Platz mit allen Tricks und Kniffen geführt.

Bolivien (9 Punkte) lässt seine Gegner regelmässig in den 3.600 Meter Höhe der Andengipfel von La Paz dem Ball hinterhecheln. Mit Erfolg: Nach einem 3:0 gegen das abgeschlagene Peru (7) folgte ein 2:2 gegen Uruguay (13). Allerdings waren es diesmal die "Flachländer" aus Montevideo, die im zweiten Durchgang einen 0:2-Rückstand wegmachten. Selbst Venezuela (10) darf sich nach einem 3:1 gegen Ecuador wieder Hoffnung machen, noch auf den fahrenden Zug gen Südafrika aufzuspringen. Diesmal wurde den Gästen in Venezuela aber kein "Zaubertrank" serviert, wie noch am vergangenen Wochenende der verdorbene Kaffee, der viele brasilianische Gästespieler in der Halbzeitpause zu einer unfreiwilligen Magenentleerung zwang.

In Bremen und Schalke dürfte derweil zwei Akteure, die beiden Pleiten Perus mit Interesse verfolgt haben: Der Kurs von Trainer Jose de Solar die beiden peruanischen Bundesliga-Stürmer Jefferson Farfan und Claudio Pizarro aus disziplinarischen Gründen nicht zu berücksichtigten, ist aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit nicht mehr haltbar. Die Gesetze der südamerikanischen WM-Qualifikation sind hart: Jose de Solar wird ohne Zweifel das nächste Opfer Eliminatoria, Pizarro und Farfan dagegen deren nächste mögliche Helden.

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