Ein Handballspiel dauert 60 Minuten und am Ende gewinnt Dänemark. Das ist im Welthandball aktuell die bittere Realität. Nach der Niederlage in der Hauptrunde (26:31) unterlag das DHB-Team den Skandinaviern auch im Finale der EM (27:34). Die Dänen sind jetzt nicht nur Olympiasieger und Weltmeister, sondern auch noch Europameister.
Aber: Das deutliche Endergebnis täuschte. Deutschland hielt lange mit und verlangte den Gastgebern viel ab. Zur Halbzeit stand es 16:18, erst in den letzten fünf Minuten zogen die Dänen davon.
Dieses Spiel und das ganze Turnier machen aus deutscher Sicht Hoffnung auf mehr. Trotz einiger Rückschläge und der sogenannten "Todesgruppe" in der Hauptrunde kämpfte Deutschland sich durch und holte EM-Silber.
Wolff, Knorr und Co schlugen sogar den bis dato Europameister Frankreich mit 38:34. Schon bald könnte das DHB-Team auch den Dänen gefährlich werden.
Gislason kann mit diesem Team Großes erreichen
Schon vor dem Turnier hatte Torwart-Urgestein Andreas Wolff von der besten Nationalmannschaft, in der er je gespielt hat, gesprochen. Bundestrainer Alfred Gislason betonte immer wieder die Breite des Kaders, die ihm im Gegensatz zu den Vorjahren mehr Optionen ermöglichte.
Der Mix aus alten Hasen, jungen Wilden und Spielern, die irgendwo dazwischen sind, macht dieses Team stark. Es entsteht der Eindruck, dass beim DHB gerade ein eingeschworener Haufen zusammenwächst. Die Chemie stimmt. Mit ihren Leistungen bei der Handball-EM hat die deutsche Mannschaft gezeigt: Sie ist zurück an der Weltspitze.
Alfred Gislason hat nun die Chance, ein Team zu formen, das nach der EM 2016 den lang ersehnten nächsten Titel gewinnen kann. Der DHB glaubt an Gislason, sprach ihm schon vor dem alles entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Frankreich eine Jobgarantie aus. Der Vertrag von Gislason, der seit Anfang Februar 2020 im Amt ist, läuft noch bis nach der Heim-WM 2027.
Dänemarks Welthandballer adelt DHB-Team bei Handball-EM
Deutschlands Handballer sind vor der Heim-WM auf dem richtigen Weg, der Vorsprung zur Konkurrenz ist kleiner geworden. Das ist auch dem dänischen Welthandballer Mathias Gidsel, der in der Bundesliga für die Füchse Berlin spielt, nicht entgangen.
"Das macht mir bisschen Angst. Jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner", sagte Gidsel nach dem EM-Finale vor heimischer Kulisse in der "Jyske Bank Boxen"-Arena in Herning. Die dänischen Fans übertönten die deutschen Anhänger und hatten somit auch einen Anteil am Europameister-Titel.
Der Heimvorteil ist bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr allerdings auf deutscher Seite. Zieht die DHB-Auswahl zwanzig Jahre nach dem WM-Titel im eigenen Land ins Finale ein, steht die Lanxess-Arena in Köln hinter der Mannschaft. Dann hat der Gegner – ob Dänemark oder sonst wer – guten Grund, Angst vor diesem deutschen Team zu haben.