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Nachruf Bruno Moravetz: "Wo ist Behle?"

"Wo ist Behle?" fragte Bruno Moravetz bei der der Winterolympiade 1980 immer wieder. Jetzt starb der Sportreporter im Alter von 92 Jahren. Langläufer Jochen Behle erweist ihm die letzte Ehre.

Sportreporter Bruno Moravetz: Seine Frage machte gleich zwei Männer zu Kultfiguren

Sportreporter Bruno Moravetz: Seine Frage machte gleich zwei Männer zu Kultfiguren

Es war der 17. Februar 1980, als wir beide durch diese drei Worte mit Fragezeichen berühmt wurden. Ich nahm damals zum ersten Mal als junger Langläufer an Olympischen Winterspielen teil. Das ZDF übertrug den 15-Kilometer-Lauf von Lake Placid, und zwölf Millionen Deutsche sahen zu und hörten, wie Bruno Moravetz mehrmals verzweifelt fragte: "Wo ist Behle?" Ich hatte nach der ersten Zwischenzeit geführt und war dann einfach nicht mehr im Bild. "Wer glaubt denn das? Da müsste man jetzt Behle sehen", kommentierte "Mora" konsterniert, "Ja, haben die was gegen Behle?"

Bruno Moravetz, der in Siebenbürgen aufgewachsen war und sich schon früh dem Skisport verschrieben hatte, war nach dem Krieg nach Deutschland gekommen, volontierte beim "Allgäuer" in Kempten und erfand als Pressechef des Zweiradherstellers Kreidler die Moped-Markennamen "Florett" und "Amazone". Später ging er zum ZDF und wurde Mitbegründer des "Aktuellen Sportstudios", in dem ich nach Lake Placid auch mal Gast war. Er war ein leidenschaftlicher Reporter mit einem phänomenalen Gedächtnis, sehr fair, akkurat und immer bestens vorbereitet. Wir jungen Athleten hatten in ihm einen väterlichen Mentor gefunden, der vor allem den Langlauf aus seiner Nischenexistenz geholt und für ein breiteres Publikum attraktiv gemacht hat. Zwischen 1952 und 1992 berichtete "Mora" von allen elf Olympischen Winterspielen, und immer konnte er dabei seine Zuschauer für unseren Sport begeistern.

Wir liefen uns nicht nur beruflich häufig über den Weg, sondern trafen uns auch immer wieder privat – seine legendäre Frage hat uns eben zusammengeschweißt. Als er 80 wurde, war ich bei ihm im Allgäu als Überraschungsgast. Die Familie feierte seinen Geburtstag im kleineren Kreis, und irgendwann kam ich einfach zur Tür herein. Man hatte ihn so hingesetzt, dass er mich gleich sehen konnte. Erst hat er ungläubig geschaut, und dann hat er sich natürlich mächtig gefreut.

Vielleicht freut er sich ja jetzt auch, irgendwo da oben, wenn ich traurig frage: "Wo ist Mora?"

Jochen Behle

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