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Olympia: Ski nordisch: Nur Blech für deutsche Skilanglauf-Staffel

Zu Beginn halten die deutschen Skilangläufer noch Anschluss, am Ende war die Konkurrenz zu stark. Schweden siegt über 4x10km vor Norwegen und Tschechien. Deutschland bleibt nur der sechste Platz.

Ein Fehlgriff in die Wachskiste hat die deutschen Langläufer bei der Materialschlacht von Whistler um die erhoffte Olympia-Medaille in der Staffel gebracht. Mit Platz sechs über 4 x 10 Kilometer liefen Jens Filbrich, Axel Teichmann, Rene Sommerfeldt und Tobias Angerer am Mittwoch nach Bronze 2002 in Salt Lake City und Silber vor vier Jahren in Turin klar am erträumten Edelmetall vorbei. "Wir hatten uns für Wachs-Ski entschieden, die bei dem extremen Schneefall hinten raus stumpf waren. Das war für uns natürlich sehr ungünstig", sagte Bundestrainer Jochen Behle über das Rennen, das praktisch bereits nach den beiden Klassik-Runden verloren war.

Staffel-Olympiasieger wurden die Schweden vor dem Quartett aus Norwegen, für das Schlussläufer Petter Northug mit einem furiosen Schlussspurt Silber aus dem Feuer riss. Bronze ging an die Tschechen.

Extrem schwierige äußere Bedingungen

Ausgerechnet Teichmann, der zwei Tage zuvor im Teamsprint mit Silber seine erste Medaille bei Olympischen Winterspielen gefeiert hatte, wurde zum großen Pechvogel des deutschen Quartetts. Denn als im Callaghan Valley die großen Flocken vom Himmel fielen, konnte der 30-Jährige mit immer stumpfer werdenden Ski der Spitze nicht mehr folgen und verlor auf seiner Schleife fast 30 Sekunden. "Ich hatte mich für Wachs-Ski entschieden. Der baute am Ende stark ab. Ich habe gekämpft wie ein Löwe. Aber mehr war nicht drin", sagte Teichmann enttäuscht.

Den großen Rückstand konnten die beiden Skater nicht mehr zulaufen. Der 35-jährige Oldie Sommerfeldt mühte sich auf der dritten Schleife nach Kräften, konnte jedoch keinen Platz gutmachen und schickte Angerer mit 36,3 Sekunden Rückstand auf die Schlussrunde. "Der Schneefall hat uns nicht gearde in die Karten gespielt. Die vorne weggelaufen sind, hatten alle No-Wax-Ski. Das Wetter hat uns heute die Geschichte verhagelt", meinte der Oberwiesenthaler. Angerer, Olympia-Zweiter in der Doppel-Verfolgung, konnte den Abstand halten, dem wie entfesselt losstürmenden Northug konnte er aber nicht folgen.

Extrem schwierige äußere Bedingungen mit Temperaturen um null Grad und ein paar Zentimetern Neuschnee hatten die Läufer vor die Qual der Wahl zwischen Clister und No-Wax-Ski gestellt. Startläufer Filbrich entschied sich für Wachs. Er hielt sich auf der ersten Klassikstrecke taktisch klug stets im Windschatten der Führenden und ging deren Tempo mühelos mit. Das Vorhaben, den Norweger Martin Johnsrud Sundby abzuschütteln, gelang indes nicht.

Total verwachst

"Die Vorgabe lautete, das Feld zu sprengen. Das ist mir aufgrund meines Materials nicht gelungen. Ich war wohl der einzige in der Spitzengruppe, der mit Wachs gelaufen ist", bilanzierte Filbrich die kräftezehrenden ersten 10 Kilometer. Auf Platz vier hinter Finnland, Frankreich und Schweden schickte der 30-Jährige aus Frankenhain beim ersten Wechsel Teichmann in die Spur.

Doch der Silbermedaillen-Gewinner im Teamsprint hatte total verwachst. Denn auf der zweiten Hälfte seiner Distanz bekam der 30 Jahre alte Bad Lobensteiner große Probleme, das Tempo des vorne Druck machenden Schweden Johan Olsson mitzugehen. Auf den letzten Metern im Stadion blieb Teichmann fast stehen und übergab schon mit mehr als 27 Sekunden Rückstand als Vierter an Sommerfeldt.

DPA/ins / DPA

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