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Sommerspiele in Tokio "Olympig": Künstlerischer Leiter wollte dickes Model zur Olympia-Eröffnung als Schwein verkleiden

Die Künstlerin Naomi Watanabe mit bunten Zöpfen bei einem Event
Die Künstlerin Naomi Watanabe soll überrascht gewesen sein, als sie von der Idee des künstlerischen Leiters hörte
© Rodrigo Reyes Marin/ ZUMA PRESS / Picture Alliance
Naomi Watanabe ist Komikerin und Plus-Size-Model. Der künstlerische Leiter der Olympischen Spiele wollte sie bei der Eröffnungszeremonie im Schweinekostüm sehen – als  "Olympig". Dafür trat er nun zurück. 

Die Olympischen Sommerspiele in Tokio entwickeln sich zu einem Staffellauf der Skandale – und das liegt nicht einmal ausschließlich an der Coronakrise. Nachdem mit Yoshiro Mori vor rund einem Monat bereits der Cheforganisator wegen sexistischer Kommentare zurückgetreten war, folgt ihm nun ein weiterer Vertreter des Organisationsteams: Hiroshi Sasaki, der künstlerische Leiter der Sport-Veranstaltung, war mit dickenfeindlichen Bemerkungen gegen eine Künstlerin auffällig geworden.

Am Mittwoch berichtete das japanische Wochenmagazin "Shukan Bunshun", Sasaki habe in den Planungen für die Eröffnungszeremonie im Juli vorgeschlagen, Naomi Watanabe als Schwein verkleidet auftreten zu lassen. Die 33-Jährige ist Entertainerin, Komikerin, Model – und dick. Für Sasaki offenbar ein Grund, Watanabes Körper als Grundlage für sein Wortspiel "Olympig" – Olympisches Schwein – zu nutzen. 

In einer Mitteilung des Organisationskomitees entschuldigte sich Sasaki am Donnerstag und kündigte seinen Rücktritt an. Der 66-Jährige hatte eigentlich die Eröffnungs- und Abschlussfeiern der Sommerspiele planen sollen. Er habe die Idee im März 2020 in einem Gruppenchat geäußert und sei dafür sofort kritisiert worden, erklärte Sasaki nun. Die "schwere Beleidigung" tue ihm zutiefst Leid. 

Watanabe: Wünsche mir eine Welt, in der wir uns respektieren

Seiko Hashimoto, die Mori nach dessen Rücktritt als Olympiachefin ersetzte, äußerte sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zu Sasakis Fehltritt. Sie sei schockiert gewesen, als sie davon erfahren habe, und akzeptiere den Rücktritt ihres Komitee-Mitglieds. "Geschlechtergleichheit und Repräsentation sind eine Priorität, seit ich zur Präsidentin [des Komitees] ernannt wurde", so Hashimoto. "Diese Dinge dürfen nicht passieren." Sasaki solle nun schnell ersetzt werden. 

Naomi Watanabe erklärte in einem ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Statement, sie sei überrascht. Sie habe nicht gewusst, dass das Komitee sie für die Eröffnungsfeier in Betracht gezogen hätte. "Ich bin glücklich mit meiner Figur", so Watanabe. Sie wünsche sich eine Welt, "in der wir uns alle respektieren uns unsere individuellen Denkweisen akzeptieren". 

Quellen: "Japan Times" / "Deutsche Welle" / mit AFP

reb

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