HOME

Stern Logo Athen 2004

100-m-Finale: Justin Gatlin neuer Sprint-König

Justin Gatlin ist der schnellste Mann der Welt. Der US-Sprinter gewann in Weltjahresbestzeit das olympische 100-Meter-Finale. Titelverteidiger Maurice Greene wurde nur Dritter. Die deutschen Leichtathleten boten bisher bescheidene Leistungen.

Justin Gatlin hat Sprint-König Maurice Greene vom Thron gestürzt und Olympia-Gold im 100-m-Finale erobert. Mit einem Sturmlauf in der Weltjahresbestzeit von 9,85 Sekunden setzte sich der 22 Jahre alte Amerikaner am Sonntagabend in Athen knapp vor dem Portugiesen Francis Obikwelu (9,86) durch. Für Sydney-Sieger Greene blieb diesmal nur Bronze in 9,87.

Schweden Gewinner des ersten Leichtathletik-Wochenende - Deutsche enttäuschen

Am schwedischen Leichtathletik-Wochenende mit drei Mal Gold für "Tre Kronor" fiel ein Schatten auf den Sport und wenig Licht auf das deutsche Team. Nach einer positiven A-Probe der russischen Kugelstoß- Olympiasiegerin Irina Korschanenko winkt der drittplatzierten Nadine Kleinert nun unverhofft Silber. Bis auf Siebenkämpferin Sonja Kesselschläger als Sechste mit der persönlichen Bestleistung von 6287 Punkten, Sprinter Alexander Kosenkow mit anständigen 10,24 und Geher Andre Höhne als Achter über 20 km lieferten die DLV-Asse kaum vorzeigbare Ergebnisse ab. Für die größte Enttäuschung sorgte Runden- Riese Ingo Schultz, der im 400-m-Halbfinale brutal abstürzte.

Japanerin gewann historischen Marathon-Lauf

Ein Hauch von Historie und Tragödie lag am Abend über dem Panathinaikon-Stadion: Der Beifall der rund 10 000 Zuschauer trug die Japanerin Mizuki Noguchi nach brutalen 42,195 Kilometern in 2:26:20 Stunden als Erste ins Marathon-Ziel, das Weltrekordlerin Paula Radcliffe überhaupt nicht erreichte: Die Britin gab bei Kilometer 36 erschöpft, entnervt und hemmungslos heulend auf.

Silber holte bei anfangs fast 35 Grad im Schatten auf der klassischen Strecke von Marathon nach Athen Kenias Weltmeisterin Catherine Ndereba (2:26:32) vor der Amerikanerin Deena Kastor (2:27:20). Luminita Zaituc aus Braunschweig (2:36:45) wurde 18., die Rostockerin Ulrike Maisch kam nicht ins Ziel.

Die Tragik der Gail Devers

Im neuen Olympiastadion «Spyridon Louis» platzte derweil der Traum der Amerikanerin Gail Devers, bei ihren fünften Olympischen Spielen endlich Gold über 100 m Hürden zu gewinnen. Bereits beim Start zum Vorlauf verletzte sich die zweimalige 100-m-Olympiasiegerin. Die deutsche Meisterin Kirsten Bolm aus Mannheim erreichte als Vierte in 12,85 Sekunden das Halbfinale. «Jetzt muss ich aber noch einen zulegen», sagte sie. Hingegen sind ihre Vereinskollegin Nadine Hentschke und Juliane Sprenger-Afflerbach (LG Kindelsberg Kreuztal) ausgeschieden. Im Halbfinale über 400 m Hürden traf die Erfurterin Bettina Urbansky das gleiche Schicksal.

Der Triumph von Carlina Klüft

Mit Gold für Siebenkampf-Superstar Carolina Klüft (6952 Punkte), Hochspringer Stefan Holm und Dreispringer Christian Olsson trumpfte das 12-köpfige Mini-Team der Schweden kräftig auf. Holm siegte mit 2,36 m, Olsson triumphierte mit der Jahresweltbestleistung von 17,79 m. Den goldenen Hammerwurf landete am späten Abend der Ungar Adrian Annus (83,19 m). Karsten Kobs wurde mit 76,30 m Neunter, Markus Esser (beide Leverkusen) mit 72,51 m Zwölfter.

Kugelstoß-Olympiasiegerin des Dopings überführt

Ausgerechnet im Heiligen Hain von Olympia soll Korschanenko gedopt an den Start gegangen sein. Nach Informationen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) war die A-Probe bei der Wettkampf- Kontrolle am vergangenen Mittwoch positiv. Nadine Kleinert aus Magdeburg darf nun auf Silber hoffen. «Es wäre eine riesige Schweinerei und ein besonders verabscheuungswürdiges Vergehen, wenn sie mit unerlaubten Mitteln in den heiligen Hallen Olympias angetreten ist», sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. Eine Anhörung der Athletin durch die Disziplinarkommission des IOC stand ebenso wie die Öffnung der B-Probe noch aus.

Ingo Schulz ratlos

Viele ratlose Gesichter hinterließ Ingo Schultz nach seinem sang- und klanglosen Aus im Halbfinale. «Ich weiß nicht, woran es gelegen hat», sagte der Europameister. An seine Bestzeit aus dem WM-Jahr 2001 (44,66 Sekunden) ist Schultz seither nicht mehr herangekommen. Inzwischen ranken sich Rücktrittsgerüchte um ihn. «Das ist eine Zeit, die sein Leistungsvermögen nicht widerspiegelt», kommentierte Prokop die 46,23 Sekunden des Hamburgers.

Ulrike John und Martin Kloth, DPA / DPA

Wissenscommunity