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Usain Bolt: Nur noch schnell zur Legende werden

Mit dem Sieg über 100 Meter ist Sprinter Usain Bolt seinem großen Ziel näher gekommen: eine Legende werden. Dabei gibt es nur einen, von dem Bolt seine Karriere beurteilen lässt.

Von Christian Ewers, Rio de Janeiro

Usain Bolt bejubelt bei Olympia 2016 sein Gold über die 100 Meter

Auf dem Weg zur Legende: Usain Bolt gewann bei den Olympischen Spielen zum dritten Mal in Folge Gold über die 100 Meter. Zwei weitere Olympiasiege sollen in Rio noch folgen

Der erste Schritt ist geschafft. Nun sollen noch zwei weitere folgen, und dann will sich Usain Bolt selbst den Titel "Legende" verleihen. Das ist sein großes Ziel: Eine Ikone des Sports werden wie Muhammad Ali, Michael Jordan oder Pelé.

Bolt ist zugleich Schöpfer und Preisrichter seiner Karriere. Seinen Platz in der Sportgeschichte sucht er sich selbst aus. Er ist so frei.

Am Sonntagabend, um 22.25 Uhr Ortszeit, gewann Bolt sein erstes Rennen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro: Gold über 100 Meter vor Justin Gatlin (USA) und Andre De Grasse aus Kanada.

9,81 Sekunden benötigte Bolt für den Spurt; keine überragende Zeit, sie genügte jedoch, um seinen schärfsten Konkurrenten Justin Gatlin klar zu distanzieren.

Noch zwei Starts bei Olympia 2016

Bolt tritt noch zwei Mal in Rio an: über 200 Meter und mit der 4 x 100-Meterstaffel seine Heimatlandes Jamaika. Auch über diese Strecken will Bolt seine Goldmedaillen von Peking 2008 und London 2012 verteidigen. Gelingt dies, würde Bolt einen neuen Rekord aufstellen: Noch nie ist es einem Sprinter gelungen, drei Olympia-Siege aneinander zu reihen. Bereits jetzt ist sein dritter Sieg über die 100 Meter einmalig in der olympischen Historie.   

"Es war ein hartes Rennen", sagte Bolt, "aber ich habe mich schon im Semifinale sehr gut gefühlt. Ich wusste: Ich kann es heute Abend schaffen."


Seine mäßige Zeit schob Bolt auf die kurze Regeneration zwischen dem Halbfinale und dem Endlauf. "Nur 20 Minuten: Es ist verrückt", sagte Bolt, "ich weiß nicht, wer sich diesen Plan ausgedacht hat. Das war definitiv keine gute Idee."

Vor dem Finale seien seine Beine ein wenig müde gewesen, sagte Bolt, "aber mir war klar, dass ich siegen werde, wenn ich ruhig bleibe und nicht in Panik verfalle."

Usain Bolt bejubelt, Justin Gatlin ausgepfiffen

Die Sympathien im Olympia-Stadion von Rio waren klar verteilt: Bolt wurde bejubelt, als er die Tartanbahn betrat, Gatlin hingegen erntete bei seiner Vorstellung Pfiffe und Buhrufe.

Damit war zu rechnen gewesen. Bolt hatte in der vergangenen Woche alles getan, um die Herzen der Brasilianer zu gewinnen. Bei einem PR-Termin seines Ausrüsters tanzte er Samba, untergehakt bei jungen Frauen, die sich ausstaffiert hatten wie zu Karneval.

Und Gatlin? Blieb unauffällig vor dem Rennen. So, als wolle er sich verstecken. Keine großen Bühnen, keine markigen Sprüche, nichts. Ungewöhnlich für die Sprintbranche, in der ein großes Ego zur Ausrüstung gehört wie Schuhe mit Spikes.

Gatlin haftet noch immer seine Vergangenheit an: Dopingvergehen in den Jahren 2001 und 2006, Manipulationen mit Amphetaminen und Testosteron – einem Ausschluss auf Lebenszeit entging er nur, weil er mit den Ermittlern kooperierte.

Bolt hatte Mitleid mit dem vom Publikum so ungeliebten Gatlin. "Ich war geschockt über die Pfiffe. So etwas habe ich noch nie erlebt."

Keine Konkurrenz

Gatlin bedankte sich höflich für so viel Anteilnahme, indem er sagte: "Die Leute hätten gerne, dass es eine Rauferei zwischen Usain und mir gibt. Aber da ist nichts. Ich mag ihn. Genauso, wie ich die anderen Jungs mag, gegen die ich antrete."

Gatlin ist mit 34 Jahren der älteste Medaillengewinner im Sprint der Olympia-Geschichte; er löst den Engländer Linford Christie ab, der im Alter von 32 Jahren bei den Spielen in Barcelona 1992 gewann. Gatlin sagte: "Ich bin sehr stolz, als ältester Athlet im Feld Silber für mein Land zu gewinnen. Dass ich so weit gekommen bin, habe ich auch Usain zu verdanken. Er ist ein Wettkämpfer, ich bin ein Wettkämpfer. Ohne ihn wäre ich nicht der Sprinter, der ich heute bin."

Runde Zwei im Duell

Das Duell Bolt gegen Gatlin wird schon am Donnerstag in die zweite Runde gehen; dann über 200 Meter. Das ist Bolts Lieblingsstrecke. Er peilt einen neuen Weltrekord an. Im Interview mit dem stern sagte Bolt: "Die 100 Meter verlangen nach absoluter Perfektion. Alles muss passen: Startphase, Schrittlänge, Rhythmus. Nur dann kann man einen Rekord brechen. Die 200 Meter sind gnädiger. Da kann man unterwegs einiges korrigieren, was man vorher möglicherweise falsch gemacht hat."

Usain Bolt wird am Schlusstag der Sommerspiele von Rio 30 Jahre alt. Vorher will er noch schnell eine Legende werden.

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