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Athen 2004 die Gastgeber: Festung Athen

Ein Heer von 70.000 Sicherheitskräften sollen die griechische Hauptstadt während der Olympischen Spiele vor Terroranschlägen schützen. Doch ein Rest Unsicherheit bleibt.

Schon vor Beginn der Olympischen Spiele am 13. August haben die Griechen einen Rekord aufgestellt, an dem sich niemand erfreuen kann: In Athen ist das teuerste Sicherheitspaket der Olympia-Geschichte geschnürt worden. Mindestens eine Milliarde Euro wird dieses kolossale Unternehmen zu Land, zu Wasser und in der Luft kosten. Die Veranstalter betonen immer wieder, dass sie und die internationale Gemeinschaft "im August alles einsetzen werden, was sie haben, um die olympische Sicherheit zu gewährleisten."

Die Zahlen sind "Schwindel erregend", stellte die angesehene Athener Zeitung "Eleftherotypía" fest. Rund 37.000 Polizisten, Beamte der Küstenwache und der Feuerwehr sowie Sicherheitsexperten durchkämmen seit dem 1. Juli alle olympischen Anlagen, die Sportstätten ebenso wie die Unterkünfte für Athleten und Besucher. Beim Checkup der Anlagen werden auch 200 Spürhunde eingesetzt.

Darüber hinaus wird jedes Objekt, "egal ob es ein Möbelstück oder ein Sportgerät ist", vor dem Einbringen in die Sportanlagen elektronisch geprüft. Nach der folgenden endgültigen Übergabe an das Organisationskomitee ATHOC werden die Stadien und Hallen geschlossen: Nur noch akkreditierte Personen und Athleten sowie Zuschauern am Tag der Wettkämpfe wird der Zutritt gestattet.

"Nichts wird uns entgehen"

Weitere 33.000 Sicherheitsleute aus Griechenland und hunderte Experten aus sieben Staaten - darunter auch aus Deutschland - sollen kurz vor Beginn der Sommerspiele in Athen und den vier Austragungsorten des olympischen Fußball-Turniers (Thessaloníki, Heràklion, Pàtras und Vólos) eingesetzt werden. Damit wächst das Heer der Sicherheitskräfte auf 70.000 - das sind 10.000 mehr, als freiwillige Olympia-Helfer angeheuert wurden.

Das Ministerium für Öffentliche Ordnung betont immer wieder: "Wenn diese Spiele sicherheitsmäßig nicht erfolgreich sind, dann kann keiner auf der Welt für Sicherheit sorgen." Die scharfen Sicherheitsmaßnahmen sollen in 125 Olympia-Sportstätten, 213 Hotels, sechs Häfen und zahlreichen Flughäfen des Olympia-Landes greifen. "Nichts wird uns entgehen", unterstrich der Ministeriums-Sprecher Leftéris Oikonómou.

Probleme wird es jedoch bis zum letzten Moment geben. So war das Kamera-Überwachungssystem bis Mitte Juli noch nicht getestet worden, weil eine amerikanische Firma noch nicht alle Geräte geliefert hatte. Auch andere Sicherheitssysteme haben ihre Bewährungsprobe noch vor sich. So wird während der Spiele ein 500 Meter über dem Boden schwebendes Luftschiff die Olympia-Stadt unter anderem mit Infrarot- Kameras überwachen.

Auch die NATO ist in Athen im Einsatz

Kurz vor Beginn der Spiele wird noch eine besondere Kampagne gestartet. Dabei sollen alle Bürger aufgerufen werden, "Ungewöhnliches" sofort telefonisch unter der Nummer 1014 zu melden. Die Athener Bevölkerung wird ohnehin unter den mit den Maßnahmen verbundenen Beschränkungen leiden. "Wir werden uns nur noch nach Mitternacht einigermaßen frei bewegen können", mutmaßen die Medien. Denn auch die wichtigsten Verkehrsverbindungen der Stadt - rund 538 Straßenkilometer - sind praktisch nur für Olympia reserviert.

Am Unternehmen Sicherheit sind auch ABC-Waffen-Experten der NATO, Flugzeuge des Frühwarnsystems der Allianz sowie die NATO-Flotte im Mittelmeer beteiligt. Die AWACS-Maschinen sollen von zwei Flughäfen aus - einem in Westgriechenland bei Áktion und einem Flughafen in Süditalien - operieren. Ein Krisenstab, an dessen Spitze der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis steht, soll im Ernstfall binnen Minuten entscheiden, ob eine unbekannte und nicht den Befehlen der Luftkontrolle folgende Maschine abgeschossen wird. Um einen Terror-Angriff aus der Luft abzuwenden, wurden mehrere Patriot-Raketen-Luftabwehrbatterien rund um Athen stationiert.

Streng geheim gehalten wird, ob und in welchem Umfang bewaffnete NATO-Truppen - auch aus den USA - nach Griechenland kommen werden. Die NATO und die griechische Marine sollen auch alle Fähren kontrollieren, die sich im August in der Ägäis bewegen. "100- prozentige Sicherheit kann trotz aller Maßnahmen niemand garantieren. Wir haben aber alles Menschenmögliche getan. Wir haben jeden Stein umgedreht", sagte IOC-Präsident Jacques Rogge bei seinem letzten Besuch in Athen.

Takis Tsafos/DPA / DPA

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