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Athen 2004: Die olympische Flamme brennt

Das Sportereignis des Jahres kann beginnen: Griechenlands Staatspräsident Stefanopoulos erklärte am Freitagabend um 22.46 MEZ die 28. Olympischen Spiele für eröffnet. Die beeindruckende Feier spannte einen Bogen von der Antike bis ins 21. Jahrhundert.

Mit einer eindrucksvollen Zeitreise durch die griechische Geschichte von der Mythologie bis zur Gegenwart hat Athen am Freitagabend die Rückkehr der Olympischen Spiele zu ihren Wurzeln gefeiert. Um 22.46 Uhr MESZ gab Griechenlands Staatspräsident Konstantinos Stefanopoulos mit der traditionellen Formel "Ich erkläre die Spiele von Athen zur Feier der XVIII. Olympiade neuer Zeitrechnung für eröffnet" das Startsignal für die zweiten Spiele in der griechischen Hauptstadt nach der ersten Austragung vor 108 Jahren. Anschließend entzündete der griechische Surf-Olympiasieger von 1996, Nikos Kaklamanakis, als letzter Läufer eines Fackellaufs durch 26 Länder auf allen fünf Kontinenten das Olympische Feuer.

"Danke Athen, danke Griechenland"

Vor 74 000 Besuchern im ausverkauften Olympiastadion «Spyridon Louis» und geschätzten 3,8 Milliarden TV-Zuschauern weltweit hatte Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zuvor die Sportler aus aller Welt zur Fairness und Einhaltung der Doping-Regeln aufgefordert. "Unsere Welt braucht den Frieden. Athleten, zeigt uns, dass ihr politische, religiöse und sprachliche Barrieren überwinden könnt. Danke Athen, danke Griechenland", sagte der Belgier. Mit der feierlichen Eröffnungszeremonie erlebten die mit der Rekordausgabe von rund einer Milliarde Euro für die Sicherheit versehenen Spiele einen friedlichen Auftakt.

Streifzug durch 4000 Jahre Geschichte

"Olympische Spiele - willkommen zu Hause", erklärte Gianna Angelopoulos-Daskalaki, die Präsidentin des Athener Organisationskomitees, nach einer perfekt inszenierten Show, in der die Olympia-Gastgeber 4000 Jahre Geschichte im Zeitraffer Revue passieren ließen.

Zu den prominentesten Gästen des Eröffnungsspektakels zählten Bundespräsident Horst Köhler, Englands Premierminister Tony Blair und Griechenlands Fußball-Erfolgscoach Otto Rehhagel. Dagegen waren Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac, die ihr Kommen ebenfalls angekündigt hatten, nicht in der Arena. Von den europäischen Königsfamilien war die aus Griechenland stammende spanische Regentin Sofia anwesend.

Einzug der Athleten

Nach der großen Party zum Auftakt gehören die olympischen Arenen von diesem Samstag den rund 10 500 Athleten, die bis zum 29. August in 28 Sportarten insgesamt 301 Olympiasieger ermitteln werden.

Griechische Mannschaft frenetisch bejubelt

Als 34. Land unter der Rekordzahl von 202 IOC-Mitgliedsverbänden marschierte die deutsche Mannschaft angeführt vom viermaligen Springreit-Olympiasieger Ludger Beerbaum in die Arena ein. Die rund 250 in beige Anzüge und pastellfarbene Kostüme gekleideten Sportler und Sportlerinnen wurden sehr freundlich begrüßt. Den meisten Beifall beim Einmarsch der Nationen heimste erwartungsgemäß das Team der Gastgeber ein. Die Griechen hatten auf ihr traditionelles Vorrecht verzichtet, die Parade zu eröffnen und schickten zunächst nur ihren Fahnenträger, den Gewichtheber Pyrros Dimas ins Stadion.

Die begeistert gefeierte Mannschaft der Hellenen bildete den Abschluss des zwei Stunden dauernden Einmarsches, der wie in der Vergangenheit auch politische Botschaften enthielt. Wie vor vier Jahren in Sydney betraten die Mannschaften aus Süd- und Nordkorea hinter einer gemeinsamen Fahne die Arena. Dabei hielten sich Fahnenträger und Sportler aus beiden Ländern als Zeichen der Annäherung an den Händen. Zu einer Demonstration wurde auch der Einmarsch der irakischen Mannschaft, die mit Ovationen begrüßt wurde.

Show der Überraschungen

Vor dem Einmarsch der Sportler bekamen die Zuschauer eine Atem beraubende Show der Überraschungen zu sehen, in der Antike und Moderne verknüpft wurden. Über 4000 Künstler erfüllten das unter den Leitmotiven «Human Heartbeat» («menschlicher Herzschlag») und «Running» («Laufen») stehende Programm mit Leben, das von dem Engländer Jack Morton mit größtem Aufwand produziert wurde. Ein mit 2162 Kubikmetern Wasser gespeister künstlicher See in elliptischer Form bildete eine stimmungsvolle Kulisse für eine mit zahlreichen Lichteffekten in Szene gesetzte Zeitreise durch die griechische Geschichte. Bei seinen allegorischen Bildern ließ der künstlerische Direktor Dimitris Papaioannou Figuren und Symbole aus längst vergangenen Epochen der griechischen Historie wieder auferstehen.

Takis Tsafos und Günter Deister, DPA / DPA

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