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Doping: Jan Ullrich sauer wegen Kontroll-Chaos

Raus aus dem Training, ab zu einer Kontrolle, die gar nicht stattfand. Der letzte Tag vor dem Wettkampf begann für die fünf deutschen Radfahrer alles andere als harmonisch und stressfrei.

Jan Ullrich, Andreas Klöden, Erik Zabel (alle T-Mobile), Jens Voigt (CSC) und Michael Rich (Gerolsteiner) wurden am Freitag um 09.00 Uhr zu einer Doping-Kontrolle in die Poliklinik des Olympischen Dorfes bestellt, die dann gar nicht stattfand. Der Radsport-Weltverband UCI wollte eigentlich einen Tag vor dem Straßenrennen über 224,4 km bei verschiedenen Fahrern, unter anderen bei Ullrich und Co., eine unangemeldete Blut-Kontrolle vornehmen.

"Sehr ärgerlich - das hat unseren gesamten Zeitplan durcheinander gebracht", sagte Teamchef Mario Kummer, der die nicht abgesperrte Strecke unterhalb der Akropolis auf dem Motorrad mit Rich, Voigt und Zabel im Windschatten abfuhr. Ullrich verzichtete darauf und drehte wie Klöden einige virtuelle Trainings-Kilometer auf der Rolle. "Meine Aufgabe wird es sein, in Ausreißer-Gruppen mitzugehen, damit Jan am Ende noch frisch für eine Attacke ist oder Erik im Spurt vorne sein kann", sagte Voigt.

Italiener und Niederländer protestierten erfolgreich

Nach Protesten der italienischen und niederländischen Mannschaftsführung, die die UCI bei Olympia für nicht zuständig erklärten, wurde auf die Doping-Kontrolle verzichtet. Das bestätigte am Freitag T-Mobile-Mannschaftsarzt Lothar Heinrich. Zur gleichen Zeit erklärte der deutsche Olympia-Arzt Wilfried Kindermann verdutzten Journalisten im "Deutschen Haus", die auf eine Pressekonferenz mit den Fahrern warteten, dass "eine unangemeldete Urin- und Blut-Kontrolle" zur Absage der geplanten Befragung geführt hätte. Anstatt zum Journalisten-Talk gingen die Olympia-Fahrer verspätet frühstücken.

Probleme bei der Wasserversorgung der Fahrer

Die Versorgung der Fahrer könnte während des Rennens, bei dem im Herzen Athens bis zu 40 Grad im Schatten erwartet werden, zum Problem werden. "Eine Versorgungsstelle auf der 13,2 km-Runde ist zu wenig. Die Fahrer werden etwa zehn Liter Getränke brauchen. Dazu werden sie etwa noch ein Mal so viel brauchen, um sich mit Wasser abzukühlen. Bei Unterversorgung drohen Hitzschlag und Sonnenstich", erklärte Heinrich.

Dem als "Schönwetter-Fahrer" bekannten Ullrich kommt die Witterung laut Kummer entgegen. Weltmeister Igor Astarloa aus Spanien und der Italiener Paolo Bettini werden als Topfavoriten gehandelt. "Die Hitze wird für Jan kein Problem sein, hoffentlich nicht der Smog in der Innenstadt", meinte Kummer, dessen Fahrer sich auf dem Achterbahn- Kurs mit insgesamt 3800 Höhenmetern sogar auf Kopfsteinpflaster- Passagen rund um die Akropolis gefasst machen müssen.

Von Andreas Zellmer/DPA

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