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Handball: Ohne "Kanonier" Hens gegen Frankreich

Die 29:30-Niederlage gegen Ungarn konnte Handball- Bundestrainer Heiner Brand gerade noch verschmerzen. Viel schlimmer wog der Ausfall von "Kanonier" Pascal Hens für das letzte Vorrundenspiel des olympischen Turniers gegen Frankreich.

Wegen einer Rückenverletzung steht der Rückraumspieler im Duell um den Gruppensieg am Sonntag (13.30 Uhr) nicht zur Verfügung. "Er hat ein Wirbelgleiten, das seit längerer Zeit bekannt ist. Bei einer Drehbewegung im Spiel gegen Ungarn entzündete sich dadurch die Bandscheibe. Gegen Frankreich kann er auf keinen Fall spielen", sagte Teamsprecher Charly Hühnergarth am Samstag in Athen.

Ob Hens im Viertelfinale am Dienstag in die Mannschaft zurückkehrt, ist nach Auskunft von Mannschaftsarzt Berthold Hallmaier noch völlig offen. "Er ist in guten Händen, die Betreuung im Olympischen Dorf ist sehr gut", sagte der Mediziner.

Ungarn abgehakt

Das Spiel gegen die Ungarn war indes schnell abgehakt. "Ich dramatisiere diese Niederlage nicht. Wir müssen die Fehler beheben, ansonsten sind dies Sachen, die sich im Kopf abspielen. Das kann man nicht steuern", sagte Brand und schickte seine Jungs zum Auslaufen.

Die Fehleranalyse nach dem Ausrutscher im vierten Vorrundenspiel hatte nur ein paar Minuten gedauert. Erst sprachen die Akteure Klartext (Kretzschmar: "Uns fehlte heute die spielerische Klasse."), dann hielt Brand eine kurze Rede in der Kabine und gab die Marschroute für das Duell um den Gruppensieg vor: "Wir bestimmen selbst, wo wir hingehen. Nur die Bereitschaft, sich zu bewegen, muss vorhanden sein. Das haben uns die Ungarn vorgemacht".

Ziel: Gruppen-Erster

Schon am Freitagabend strahlten die Europameister wieder Zuversicht aus. "Das wirft uns nicht aus der Bahn. Wir können aus eigener Kraft noch Gruppen-Erster werden. Das ist unser Ziel", betonte Rechtsaußen Florian Kehrmann. So ließen sich die Ballwerfer im deutschen Haus Seeteufel, Tintenfisch und Lamm-Steaks statt Szegediner Gulasch schmecken. "Wir leisten uns immer ein schlechtes Spiel pro Turnier. Hoffen wir, dass es das gegen Ungarn war", sagte Stefan Kretzschmar.

Gegen Frankreich kommt es zum neunten Mal hintereinander bei einem internationalen Turnier zum Klassiker. "Jedes Großereignis spielt man gegeneinander. Deswegen kennen wir uns in- und auswendig", meinte Kehrmann. Die Vorzeichen beim Weltmeister von 1995 und 2001 sind identisch mit denen des deutschen Teams: Für die "goldene Generation" um Superstar Jackson Richardson (vierte Olympia-Teilnahme) ist es die letzte Chance auf einen Titel. Olympia-Gold holte die "Grande Nation" noch nie, der dritte Platz 1992 in Barcelona war das beste Resultat.

Von Frank Kastner/DPA

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