Jan Ullrich Wiedergutmachung nach Tour-Pleite


Bei der Tour der France in diesem Jahr hatte Jan Ullrich zwischenzeitlich "nicht so gute Beine". Für die Olympischen Spiele hat sich der Wahl-Schweizer aber einiges vorgenommen.

"Club-Urlauber" Jan Ullrich lässt kaum Zweifel an seiner Zuversicht. "Ich hoffe, ich habe weiter die Form der letzten Tour-Woche", sagte der Goldmedaillen-Gewinner von Sydney. Zwei Tage vor seinem ersten Olympia-Auftritt zog Ullrich am Donnerstagabend für drei Nächte ins Olympische Dorf ein. Gemeinsam mit den anderen vier Olympia-Startern hatte sich der Tour-Vierte im noblen Robinson-Club Hersonisos auf Kreta auf das 224,4 km lange Straßenrennen am Samstag durch die Athener Altstadt vorbereitet. In der nächsten Woche zieht das Quintett in ein ruhig gelegenes Haus am Meer an der Zeitfahrstrecke in Vouliagmenie.

"Wir haben drei Tage hart und gut trainiert. Für die Touristen im Club war es zu heiß zum Radfahren", sagte T-Mobile-Teamchef Mario Kummer, der in Athen bei den Straßenrennen für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) die Fäden zieht. "Jan gehört in den Favoritenkreis mit den starken Italienern und Spaniern", meinte Kummer. Ähnlich diplomatisch ist auch die Einschätzung des BDR-Sportdirektors Burkhard Bremer: "Die Fahrer haben alles dafür getan und sind topmotiviert, um am Samstag einen guten Start hinzulegen. Aber Medaillen sind nicht auf dem Reißbrett zu planen."

Beim Zeitfahren ist Ullrich Top-Favorit

Das entscheidende Kommando für Ullrich zur siegbringenden Attacke vor vier Jahren kam vom Straßenrand. Sein jetziger persönlicher Betreuer Rudy Pevenage, damals noch Telekom-Teamchef, stand verkabelt an der Strecke. Diesmal sitzt der Belgier zu Hause in Geraardsbergen vor dem Fernseher. "Keiner hat mich eingeladen und als Tourist fahre ich nicht nach Athen", sagte Pevenage, der mit Ullrich fast täglich telefoniert und ein "gutes Gefühl" hat: "Jan ist motiviert. Nach der Tour, die ja nun nicht so nach Wunsch lief, war Athen immer sein erklärtes zweites Saisonziel. Aber das Straßenrennen ist natürlich auch vom Glück abhängig. Planbarer ist das Zeitfahren am Mittwoch. Da ist er mein Favorit für Gold."

Dem diesjährigen Tour-Vierten, der auf die Eröffnungsfeier verzichten wird, würde Gold im olympischen Zeitfahren in seiner Sammlung noch fehlen. Der zweifache Weltmeister in dieser Disziplin musste in Sydney mit Silber zufrieden sein. Die Fahrt am Samstag wird eine kleine Reise ins Ungewisse: Zeit zum Training auf der verwinkelten Runde blieb den BDR-Startern nicht. Die 40 km lange Zeitfahr-Strecke wollen sie dagegen am Dienstag persönlich inspizieren. "Uns war die Ruhe beim Training auf Kreta wichtiger. So weit ich weiß, waren nur Franzosen und Holländer auf der Strecke des Straßenrennens", sagte Kummer am Donnerstag.

Andreas Zellmer/DPA DPA

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