Julia Matijass Erste deutsche Medaille auf der Judo-Matte


Fassungslos verharrte sie sekundenlang kniend auf der Judo-Matte: Julia Matijass hatte soeben Olympia-Bronze im Superleichtgewicht gewonnen. Die erste deutsche Medaille in Athen.

Um 16.04 Uhr MESZ machte der Judo-"Floh" aus Osnabrück in der Ano-Liossia-Halle von Athen den Gewinn der ersten deutschen Medaille bei den XXVIII. Olympischen Spielen perfekt. Im kleinen Finale setzte sich Julia Matijass nach 2:51 Minuten gegen die Griechin Maria Karagiannopoulou mit einem Innenschenkelwurf durch. Danach ließ die glückliche Medaillengewinnerin ihren Tränen freien Lauf. «Ich kann es einfach nicht begreifen», schluchzte sie, als sie von der Matte ging und Bundestrainer Norbert Littkopf umarmte.

Die im sibirischen Omsk geborene Athletin hat damit den größten Erfolg ihrer sportlichen Karriere errungen. Als wertvollste Leistung stand bislang Platz drei bei den Europameisterschaften 2000 zu Buche. Ihre einzige Niederlage im Turnier musste sie gegen Vizeweltmeisterin Frederique Jossinet aus Frankreich im Halbfinale hinnehmen. «Julia hat erstaunlich souverän gekämpft. Das hat mich überzeugt», sagte Manfred Birod, Sportdirektor des Deutschen Judo-Bundes (DJB).

Kampf gegen das Publikum

Matijass musste nicht nur gegen Karagiannopoulou kämpfen, sondern auch gegen 3000 lautstarke griechische Anhänger auf der Tribüne. Die frühere Junioren-Weltmeisterin für die GUS behielt jedoch die Nerven. Ihre ersten Siege im Turnier gegen die Kanadierin Carolyne Lepage nach 1:42 Minuten und die Südkoreanerin Ye Gue Rin (1:07) hatte sie mit der gleichen Technik wie im Kampf um Platz drei errungen: Mit ihrer Spezialtechnik, einem Uchi-mata (Innenschenkelwurf).

Gussenberg verpasst Medaille

Oliver Gussenberg verpasste dagegen das ersehnte Edelmetall. Im Kampf um den Einzug ins kleine Finale zog der Osnabrücker gegen den koreanischen Weltmeister Choi Min Ho den Kürzeren. Der 26 Jahre alte Student war gegen den Asiaten chancenlos und unterlag nach mehreren Wertungen mit einem ganzen Punkt (Ippon). Im Achtelfinale hatte er seine erste Niederlage gegen den Olympiasieger Tadahiro Nomura hinnehmen müssen. Mit Platz sieben war Gussenberg dennoch nicht unzufrieden, nachdem er vor vier Jahren in Sydney unter seinem früheren Namen Oliver Spengler schon in der ersten Runde ausgeschieden war.

Olympiasiegerin in der 48-kg-Klasse wurde wie in Sydney Ryoko Tani. Die populärste japanische Athletin ist damit zur erfolgreichsten Judosportlerin aufgestiegen. Bei den Spielen 1996 in Atlanta und 1992 in Barcelona hatte die 29 Jahre alte sechsfache Weltmeisterin jeweils Silber erkämpft. Auch Tanis Landsmann Nomura wiederholte seinen Olympiasieg von Sydney.


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