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Rudern: Glückstaumel über Einer-Gold und Zweier-Silber

Mit Gold für Katrin Rutschow-Stomporoski (Berlin) im Einer und Rang zwei für den Frauen-Doppelzweier bestätigten die Ruderer ihren Ruf als olympische Erfolgsgaranten.

Die Trümpfe der deutschen Ruderer stachen einmal mehr. Mit Gold für Katrin Rutschow-Stomporoski (Berlin) im Einer und Rang zwei für den Frauen-Doppelzweier bestätigten sie bereits am ersten Finaltag auf dem See in Schinias ihren Ruf als olympische Erfolgsgaranten. Die Erleichterung über den famosen Start in die Endläufe versetzte DRV-Sportdirektor Michael Müller in Hochstimmung: "Es ist optimal gelaufen. Wir haben unser Soll bisher zu 100 Prozent erfüllt."

Ein Traum ist wahrgeworden

Schon nach wenigen Minuten war seine Anspannung großer Erleichterung gewichen. Die in diesem Jahr ungeschlagene Rutschow- Stomporowski übertraf alle Erwartungen und ließ ihren Konkurrentinnen nicht den Hauch einer Chance. Mit dem in einem olympischen Einer- Finale bisher unerreichten Vorsprung von 3,8 Sekunden entthronte sie sowohl die Titelverteidigerin Ekaterina Karsten (Weißrussland) als auch die Weltmeisterin Rumyana Neykowa (Bulgarien). Überglücklich fiel sie ihrem Ehemann Bernhard Stomporowski auf dem Steg in die Arme: "Von dieser Goldmedaille habe ich bisher immer nur geträumt. Nun ist dieser Traum wahr geworden."

Acht Jahre nach ihrem Triumph von Atlanta im Doppelvierer stellte sie ihre Stärke als Einzelkämpferin in eindrucksvoller Manier unter Beweis. Selbst der 5. Platz nach 500 Metern konnte sie nicht schrecken: Dank eines sehenswerten Zwischenspurts schob sie sich an der 1000-Meter Marke an die Spitze und baute diese Führung auf der zweiten Streckenhälfte kontinuierlich aus. Selbst der gefürchtete Schlussspurt ihrer Dauerrivalin Karsten verpuffte wirkungslos. "Am Anfang lief es gar nicht gut. Aber dann habe ich gemerkt, dass es Schlag für Schlag besser wird", sagte Rutschow-Stomporowski.

Silber für den Frauen-Doppelzweier

Grund zum Feiern gab es für die Deutschen auch nach dem Endlauf im Frauen-Doppelzweier. Das Duo Britta Oppelt (Berlin) und Peggy Waleska (Dresden) musste sich nur dem Topfavoriten aus Neuseeland geschlagen geben. Weil die Konkurrenz aus Übersee in den vergangenen Monaten um Lichtjahre enteilt schien, hatte Trainerin Jutta Lau ihre beste Ruderin Kathrin Boron kurzfristig in den Doppelvierer beordert. Trotz dieser viel diskutierten Maßnahme schlug sich die neu formierte Crew prächtig. Nur eine Sekunde fehlte am Ende zum Sieg. "Keiner war in diesem Jahr so nahe dran an den Neuseeländerinnen. Ich bin absolut glücklich mit dieser Medaille", sagte Oppelt.

Zwei weitere DRV-Boote gingen in den Finals erwartungsgemäß leer aus. Maren Derlien (Hamburg) und Sandra Goldbach (Dresden) belegten im Zweier ohne Steuerfrau den fünften Platz. Im Zweier ohne Steuermann kamen Jan Herzog/Tobias Kühne (Berlin/Hannover) nicht über einen sechsten Rang hinaus. Die restlichen fünf DRV-Crews greifen am Sonntag in den Kampf um Medaillen ein.

Britisch-kanadisches Duell

Das spektakulärste Duell des Tages lieferten sich die britische und die kanadische Crew im Finale des ungesteuerten Vierers. Erst nach der Auswertung des Zielfotos wurde die vom deutschen Trainer Jürgen Grobler betreute britische Mannschaft zum Sieger erklärt. Mit dem Gewinn der vierten Goldmedaille trat Schlagmann Matthew Pinsent endgültig in die Fußstapfen seines einstigen Mitstreiters Steven Redgrave, der als fünfmaliger Olympiasieger in seiner Heimat Kultstatus genießt.

Anders als im Vierer-Rennen gab es es im Einer-Finale den erwarteten Sieger. Wie schon bei der WM vor zwölf Monaten untermauerte der Norweger Olaf Tufte seine Vormachtstellung. Er verwies den Routinier Jueri Jaanson (Estland) und den Bulgaren Ivo Yanakiew auf die Plätze. Dabei entpuppte sich Marcel Hacker als schlechter Verlierer: Aus Enttäuschung über sein unerwartetes Aus im Halbfinale blieb der WM-Zweite aus Magdeburg dem Rennen selbst als Zuschauer fern.

Von Heinz Büse

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