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Olympia in China: Dicke Luft zur Eröffnung

Die ersten Athleten aus Deutschland sind in der Olympia-Stadt Peking angekommen. Zugleich wurde das olympische Dorf eröffnet. Der Smog in der chinesischen Hauptstadt ist jedoch so schlimm, dass sogar die Behörden vor Ort beunruhigt sind.

Knapp zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele vom 8. bis 24. August ist das olympische Dorf unter einer dichten Dunstglocke über Peking offiziell eröffnet worden. Fast zeitgleich trafen am Sonntag die ersten deutschen Athleten in der Olympia-Stadt ein. Die fünf Slalom-Kanuten und Ruderer Marcel Hacker wurden bei ihrer Ankunft mit einem großen Problem der 29. Sommerspiele konfrontiert.

In der chinesischen Hauptstadt herrschte so "dicke Luft", dass die chinesischen Behörden erstmals einräumten, möglicherweise weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergreifen zu müssen. Zugleich sahen sich die Olympia-Organisatoren Kritik ausgesetzt, weil China Journalisten doch freien Zutritt zum Internet verwehrt und wahrscheinlich selbst in den ausgewiesenen Protestzonen keine politisch heiklen Demonstrationen zulassen wird.

Alles ist sehr gewaltig

"Es ist eines der schönsten olympischen Dörfer der vergangenen Jahre", beurteilte Bernhard Schwank, der Leistungssportdirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), das 66 Hektar große olympische Dorf. Es ist während der Spiele die Heimat für rund 16.000 Athleten und Offizielle aus 204 Ländern. Als erste zogen am Sonntag 265 der insgesamt 639 chinesischen Olympioniken ein. Das Gastgeberland stellt damit die stärkste Mannschaft vor den USA (596) und Russland (470). Deutschland ist mit 440 Sportlern dabei.

Zufriedenheit herrschte bei den Slalom-Kanuten nach ihrem Einzug ins Dorf. "Alles ist sehr ordentlich und sauber, aber auch sehr groß und hoch, sehr gewaltig", sagte Bundestrainer Jürgen Köhler. Er wird seine Athleten am Montag zum ersten Training an die künstliche Wildwasserstrecke im rund 35 Kilometer entfernten Kanu- und Ruderpark in Shunyi bitten. Ihre Boxen haben in Hongkong auch die ersten deutschen Olympia-Pferde bezogen. Nach ihrer Ankunft wurden die von Olympiasiegerin Isabel Werth (Rheinberg) begleiteten Vierbeiner vorläufigen Quarantänetests unterzogen und danach in klimatisierten Ställen zum Wettkampfort Sha Tin gebracht. "Alle haben den Flug gut überstanden", bestätigte Schwank.

Bundespräsident Horst Köhler hatte am Samstag rund 45 deutsche Olympia-Teilnehmer im Garten des Berliner Schlosses Bellevue offiziell verabschiedet. "Wir sind stolz auf dieses Team", sagte Köhler, der der gesamten Mannschaft viel Glück wünschte: "Ganz Deutschland drückt Ihnen die Daumen, dass Sie erreichen, was Sie sich vorgenommen haben." Der Bundespräsident bezeichnete als gut, dass der Sport politische Diskussionen transportiert. "Sie als Sportler mögen ein wenig darunter gelitten haben, dass die Diskussionen über die Menschenrechtslage in China und Tibet die Gespräche über den Sport teilweise überlagert haben", sagte Köhler. Doch wer friedlich für seine politische Überzeugung auf die Straße gehe, lebe damit immer auch Werte, die sich der Sport auf die Fahne geschrieben habe.

Proteste nur an bestimmten Orten

Derartige Demonstrationen aber will die chinesische Regierung Anhängern der Falun Gong-Bewegung oder tibetischen Aktivisten offensichtlich nicht gestatten. "Alle Proteste müssen sich nach den chinesischen Gesetzen richten", erklärte Wang Hui, eine Sprecherin des Olympia-Organisationskomitees BOCOG. Falun Gong ist in China verboten, das gilt auch für "separatistische" Kundgebungen von Tibetern und Uiguren. Die Sicherheitskräfte haben in drei Pekinger Parks kleine Zonen ausgewiesen, in denen Demonstrationen nach Antrag und Genehmigung erlaubt sein sollen.

Entgegen aller Versprechungen waren am Sonntag im Hauptpressezentrum (MPC) auch die Internet-Seiten von internationalen Menschenrechtsgruppen oder chinakritische Web-Informationen gesperrt. BOCOG-Medienchef Sun Weijia sprach dennoch nur von "individuellen Problemen". Journalisten beklagten bei einer Pressekonferenz zudem, dass zum Teil zwar Medienseiten aufgerufen werden könnten, aber einzelne Berichte dennoch blockiert worden seien.

Ein Dauerthema wird wohl bis zum Ende der Spiele die Umweltbelastung in Peking bleiben. Am Sonntagvormittag war der Dauersmog so dicht, dass die Sicht bei höchstens 100 Metern lag. Dennoch beschwichtigte Umwelt-Vizedirektor Du Shaozhong: "Wir können garantieren, dass die Luftqualität bei den Spielen zufriedenstellend sein wird." Wie dies erreicht werden soll, ließ er offen, nachdem bisherige Maßnahmen wie Fahrverbote, stillgelegte Schwerindustrie und Kohlekraftwerke oder eingeschränkte Bautätigkeit nicht gefruchtet haben.

von Hans-Hermann Mädler, dpa / DPA

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