Roger Federer & Rafael Nadal Zwei Lichtgestalten für Olympia


Noch nie in der Geschichte von Olympia ist dem Tennis eine vergleichbare Aufmerksamkeit zuteil geworden wie bei den Spielen von Peking. Grund dafür sind die beiden Weltstars Rafael Nadal und Roger Federer. Nach ihrem legendären Wimbledon-Duell messen beide dem Olympia-Turnier eine herausragende Bedeutung bei.
Von Mathias Schneider, Peking

Pressekonferenzen taugen gemeinhin im modernen Sport als verlässlicher Gradmesser für die Bedeutsamkeit eines Athleten. Nur wer einen großen Raum zu füllen vermag, wer die Kameras aus aller Welt anzieht wie ein Magnet, hektisches Gedränge provoziert, sobald er den Raum betritt, darf sich ernsthaft zur ersten Gilde des internationalen Sports zählen. Der Interviewsaal eins im Media Press Center zu Peking barst um 13 Uhr, 50 Kameras hatten sich wie ein Ring um die Sitzplätze gruppiert, was schon mal als verlässliches Indiz diente, dass gleich ein Großer des Sports zur Welt sprechen würde.

Gravitätisch schritt Roger Federer denn auch nach vorn ans Podium. Ein paar Zweifel an seiner Schaffenskraft sind zuletzt laut geworden, der Spanier Rafael Nadal wird ihm nach Siegen in Wimbledon und bei den French-Open demnächst den Status der Nummer eins entreißen. Nur die Arithmetik des Weltranglistensystems hat die Wachablösung noch verhindert.

Doch die Strahlkraft eines fünffachen Wimbledonsiegers und die Aura des Stilisten lassen Federer schon jetzt wie eine lebende Legende des Weltsports erscheinen. Sein Wort zählt etwas in diesem Sport. Zumindest in der Rubrik öffentliche Bedeutsamkeit hat er Nadal nach all den bitteren Niederlagen auf dem Tennisplatz besiegt. Der Spanier sorgte am Vortag für keinen vergleichbaren Auflauf. Lag es an der späten Ansetzung seiner Pressekonferenz?

Die Sportszene lechzt nach Lichtgestalten

Niemals in seiner 20-jährigen Geschichte bei Olympischen Spielen ist dem Tennis eine ähnliche Bedeutung beigemessen worden wie vor dem Sonntag beginnenden Wettbewerb in Peking. Die nach Monaten der Dopingvergehen und -verdächtigungen unter notorischer Stararmut leidende internationale Sportszene lechzt nach echten Lichtgestalten. Längst liegt der Zweifel wie ein dunkler Schatten über jedem Sieger in der Leichtathletik und im Schwimmen.

Dank Federer und Nadal schickt sich nun ausgerechnet das Tennis an, das ob seiner Grand-Slam-Millionen immer mit Argwohn beäugt wurde, zwei der Superstars dieser Spiele zu stellen. Kein Duell fasziniert derzeit im Weltsport mehr wie das Aufeinandertreffen des graziösen Federer und der Kraftmaschine Nadal. Beide zählen schon längst zu den besten Tennisspielern aller Zeiten. Beide stehen derzeit nicht unter Dopingverdacht.

Dass sie eine Goldmedaille in den Rang eines Wimbledontitels heben, macht sie zu glaubhaften Mitgliedern der olympischen Bewegung und zementieren den Platz der Sportart im Kanon der olympischen Disziplinen. Vorbei die Zeiten, da Olympische Spiele für manchen der Top-Profis nur als lästige Pflicht galten, oftmals mit kümmerlichem Erfolg absolviert zwischen zwei Grand-Slam-Turnieren. „Ein Olympiasieg würde auf einer Stufe stehen mit einem Grand-Slam-Sieg in Wimbledon“, sagt Federer.

Fahnenträger am 27. Geburtstag

Er wird an seinem 27. Geburtstag die Schweizer Fahne bei der Eröffnungsfeier ins Olympiastadion tragen, wie schon vor vier Jahren. Ein bisschen erinnert Federer an den deutschen Nowitzki, auch so ein Vertreter des kommerziellen Sports, der sich seinen Idealismus bewahrt hat, wenn er sagt: „Olympische Spiele sind einfach anders, wie auch das Turnier von Wimbledon eine andere Atmosphäre hat als jedes andere Turnier. Es ist einfach ein Traum für jeden Athleten, in das Stadion einzulaufen. Deshalb ist der olympische Gedanke so groß. So ein Tag ist sehr speziell. Das ist ein großer Tag in meiner Karriere.“

In der ersten Runde trifft Federer auf den Russen Dimitri Tursunow. Es wird ein schwerer Gang, die amerikanische Hartplatzsaison verlief zuletzt enttäuschend. Nicht einmal der Sprung ins Viertelfinale gelang in Cincinnati. Tursunow könnte zum Stolperstein werden.

Man wird Roger Federer nicht fehlendes Engagement vorwerfen können. Er ist mit seiner gesamten Entourage angereist, bereitet sich so gewissenhaft wie auf jedes Großereignis auf dieses Turnier vor. Den Olympischen Spielen wäre es zu wünschen, dass das Traumfinale Nadal gegen Federer nicht bereits nach einer Partie Geschichte ist. Allzu viel unbelastete Stars hat Peking 2008 nicht zu bieten.

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