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Beachvolleyball: Eklat um deutsches Duo

Eric Koreng und David Klemperer sind im Viertelfinale des olympischen Beachvolleyball-Turniers gescheitert. Gegen das amerikanische Weltklasse-Duo Phil Dalhausser und Todd Rogers gaben sie bei brütender Hitze und vor 11.000 fanatischen Fans alles. Doch am Ende reichte es nicht - auch deshalb, weil der Schiedsrichter eine krasse Fehlentscheidung traf. Koreng fordert Konsequenzen.

Von Jens Fischer, Peking

Es passierte beim Stand von 8:8 im zweiten Satz. Das deutsche Beachvolleyball-Duo Eric Koreng und David Klemperer hatte im zweiten Satz des Viertelfinales gegen die amerikanischen Weltmeister Phillip Dalhausser und Todd Rogers nach verlorenem ersten Durchgang gerade ins Spiel gefunden, als sich die Gemüter erhitzten.

Dalhausser, genannt "Das Biest", hatte mal wieder zu einem seiner gefürchteten Blocks angesetzt und den Schmetterball Korengs abgewehrt. Aber diesmal ging bei der Aktion Dalhaussers nicht alles mit rechten Dingen zu. Der Amerikaner soll nach Meinung der beiden Deutschen über das Netz gefasst haben, ein klarer Regelverstoß und damit Punkt für Deutschland in der entscheidenden Phase des Spiels. Schiedsrichter Richard Casutt aus Neuseeland sah das anders.

Diskussionen mit dem Schiedsrichter

Koreng und Klemperer waren fassungslos und ließen sich wütend in endlose Diskussionen mit Casutt ein. Der ließ nicht mit sich reden. "Go away!", schrie er mehrmals in Richtung der Deutschen, bis ihm der Kragen platzte. Erst sah Klemperer die gelbe Karte und nachdem Koreng weiter diskutierte, gab es für das deutsche Duo die rote Karte und damit Punktabzug. Bitter in einem Moment, in dem die Deutschen die Partie recht gut im Griff hatten.

Am Ende verloren Klemperer und Koreng nach hartem Fight das Viertelfinale gegen die Weltklasse-Amerikaner hauchdünn in zwei Sätzen (13:21, 23:25) und aus dem olympischen Beachvolleyball-Turnier aus. Aber der Ärger über die Entscheidung des Referees begann nach der Parte erst richtig.

Der deutsche Delegationsleiter Klaus-Michael Tank war nach der Partie außer sich: "Der Schiedsrichter wollte hier unbedingt im Mittelpunkt stehen. Er hat unserem Team zwei Punkte geklaut." Zur Erklärung: Das Übergreifen Dalhaussers wäre ein Punkt gewesen, die rote Karte der zweite. "Mit den beiden Punkten hätten wir den zweiten Satz gewonnen, und im entscheidenden dritten Satz hätten wir sehr gute Chancen auf den Sieg gehabt." Auf die Frage, ob denn prominente Teams wie Dalhausser/Rogers hier bevorteilt werden würden und eine größere Lobby bei den Schiedsrichtern hätten, lächelte Tank nur milde.

Auch die deutschen Spieler konnten das Verhalten des Schiedsrichters nicht verstehen. Abgekämpft und ausgemergelt traten sie nach der Hitzeschlacht vor 11.000 begeisterten Zuschauern vor die Presse - die Enttäuschung war ihnen anzusehen, denn sie wussten, es war mehr drin heute im Chaoyang Park von Peking. "Es ist einfach schade, dass ein Schiedsrichter bei so einem wichtigen Spiel nicht in der Lage ist, ein wenig Fingerspitzengefühl zu zeigen. Wir waren unserer Meinung nach im Recht, und dann gleich einen Punktabzug hinnehmen zu müssen - das ist natürlich bitter", erklärte das deutsche Duo im Gespräch mit stern.de.

Zeit für den Videobeweis

Koreng forderte nach der Pressekonferenz Konsequenzen aus dem Eklat. "Es wird Zeit, dass auch in unserer Sportart endlich ein Videobeweis eingeführt wird, so wie zum Beispiel beim Tennis." Dann hätten sie die Gelegenheit gehabt, zu intervenieren. "Und wir hätten den Punkt gewonnen", war sich der Deutsche sicher. Mit dem gesamten Turnierverlauf war er aber dennoch zufrieden. "Wir haben hier teilweise sehr gute Spiele abgeliefert, und im Viertelfinale auszuscheiden, ist keine Schande", meinte er. "Jetzt bleiben wir noch bis zum Wochenende hier und dann geht es bei den Deutschen Meisterschaften in Timmendorf weiter."

Dort werden dann auch wieder die deutschen Paare an den Start gehen, die bei Olympia schwache Vorstellungen boten und den Erwartungen bei weitem nicht gerecht wurden. Brink/Diekmann bei den Männern, Goller/Ludwig und Pohl/Rau bei den Frauen - mit Medaillenchancen gestartet, enttäuschten sie im olympischen Turnier auf der ganzen Linie. Delegationsleiter Tank meinte dazu lapidar: "Die Hitze, der Druck, falsches Essen - bei Olympia sind die Bedingungen einfach anders." Gut zu wissen, dass es jetzt wieder an den Timmendorfer Strand geht.

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