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Langstreckenschwimmer Lurz: Bronze für den Vater

Am Ende fehlten nur zwei Sekunden: In einem packenden Rennen hat Thomas Lurz über 10 Kilometer Bronze erschwommen. Erst im Schlusspurt musste er sich im Kampf um Gold geschlagen geben. Seine Medaille widmete der 28-Jährige unter Tränen seinem toten Vater.

Als Thomas Lurz aus dem Wasser stieg, flossen die Tränen. Überwältigt von den Gefühlen widmete er die Bronzemedaille seinem toten Vater. "Er hat sehr großen Anteil an dieser Medaille. Ich habe während des Rennens immer an ihn gedacht", sagte Lurz. Sein Bronze bei der Olympia-Premiere der Langstreckenschwimmer - es war ein ähnlich ergreifender Moment wie der Gold-Coup zwei Tage zuvor von Gewichtheber Matthias Steiner.

Vor einem Jahr war Peter Lurz, Langstrecken-Referent beim Deutschen Schwimm-Verband (DSV), völlig unerwartet nach einer Tour mit dem Fahrrad gestorben. Der "Lurz-Clan" mit Thomas, seinem Bruder und Trainer Stefan sowie Schwägerin Annika trauerte und bereitete sich trotzdem weiter auf Peking vor. "Heute war mein Vater bei uns. Er hat mir wohl auch das Regenwetter geschenkt, weil ich die Hitze nicht so mag", meinte Thomas Lurz: "Das war guter Beistand von oben."

Im Schlussspurt abgedrängt

Gerne hätte der Würzburger seinem Vater, dessen Geburtsdatum er sich in den Oberarm tätowiert hat, Gold geschenkt. Doch am Ende musste sich der 28-Jährige an der Ruderregatta-Strecke von Shunyi etwa 50 km nordöstlich von Peking dem Niederländer Maarten van der Weijden und den Briten David Davies geschlagen geben. Nach einem packenden Endspurt fehlten Lurz nach 10 km in 1:51:53,6 Stunden lediglich zwei Sekunden zum Olympiasieg und eine halbe Sekunde zu Silber.

"Ich habe mich etwa 500 Meter vor dem Ziel etwas behakt und aufgerieben, und im Schlussspurt wurde ich von David Davies etwas abgedrängt. Aber das gehört dazu", sagte der sechsmalige Weltmeister und erfolgreichste Langstreckler, der dem verpassten Gold nur kurz nachweinte: "Ich denke, dass ich mich über Platz drei freuen kann." Das sah auch Schwägerin Annika so, die zu den ersten Gratulanten gehörte. "So ist der Thomas, dass er selbstkritisch ist und sich im ersten Moment ärgert", sagte die Vize-Weltmeisterin, die in Peking über 200 m Freistil selbst enttäuscht hatte und ihrem Bruder eine "bravouröse Leistung" bescheinigte.

Lurz macht weiter

Unterdessen kündigte Thomas Lurz die Fortsetzung seiner Karriere an. "Ich mache auf jeden Fall erstmal weiter. Das Langstreckenschwimmen ist ja eine typische Ausdauersportart, die man auch in meinem Alter noch erfolgreich betreiben kann", sagte der gelernte Diplom-Sozialarbeiter, der schon in zwei Wochen bei der EM seinen Titel über 5 km erfolgreich verteidigen will.

Emotional aufgewühlt war auch Olympiasieger van der Weijden, der vor sieben Jahren an Leukämie erkrankt war. "Damals war nicht klar, dass ich heute überhaupt noch leben würde, jetzt bin ich Olympiasieger", sagte der Niederländer: "Damals, wenn ich im Krankenhausbett Schmerzen hatte und müde war, konnte ich nicht an den nächsten Monat, sondern nur an die nächste Stunde denken. Ich war geduldig und habe abgewartet. Diese Strategie hatte ich auch im Rennen."

Olympia-Sieger mit strittiger Methode vorbereitet

Der "lange Holländer" hat sich mit einer besonderen, aber auch strittigen Methode auf den größten sportlichen Erfolg vorbereitet. Seit Januar hat er täglich 14 Stunden in einem so genannten Höhenzelt verbracht, in das ein bestimmtes Gasgemisch mit einem geringeren Sauerstoffanteil eingeleitet wird und somit künstlich Höhenluft simuliert. Lurz hatte dagegen auf eine konventionelle Vorbereitung gesetzt und dabei komplett auf Höhentrainingslager verzichtet. "Es reagiert ja jeder unterschiedlich auf solche Bedingungen", erklärte Trainer Stefan Lurz: "Uns war das Risiko zu hoch."

Vorbereitung hin oder her: Im Endspurt ging das Medaillentrio an die Grenzen der eigenen Kräfte. Davies erlitt beim Herausklettern aus dem Wasser sogar einen Schwächenfall. Der Brite musste danach auf einer Trage in einen Krankenwagen gebracht werden und wurde dort minutenlang behandelt.

Holger Luhmann/SID / SID

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