Olympia: Bobstürze Chaos im Eiskanal


Der Olympia-Eiskanal von Whistler ist der schnellste der Welt und offenbar auch sehr gefährlich für die Athleten. Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers stürzten nun die Bobfahrer in Serie. Und was macht der Weltverband? Verteilt Maulkörbe.

Gefahr für die Athleten, Maulkorb für die Trainer: Der Bob-Weltverband FIBT hat vor Beginn der Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen für einen Eklat gesorgt. Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers Nodar Kumaritaschwili verbot FIBT-Vizepräsident und -Kommunikationsdirektor Paul Pruszynski den Trainern und Aktiven, sich über die gefährliche Hochgeschwindigkeitsbahn im Whistler Sliding Centre zu äußern. "Das ist für mich skandalös. Das ist ein Witz", sagte dazu der deutsche Sportdirektor Thomas Schwab.

Nach gleich acht Stürzen in den ersten beiden Trainingsläufen berät nun die Bahnbau-Kommission das weitere Vorgehen, um den schnellsten Eiskanal der Welt zu entschärfen. Vor dem dritten Trainingsdurchgang wurden zumindest kosmetische Korrekturen vorgenommen. Zuvor wurden wegen der starken Sonneneinstrahlung zum Schutz der Bahn Sonnensegel gesetzt - diese schränkten allerdings wiederum die Sicht der Piloten ein.

Das Chaos an der Bahn setzte sich aber trotz der Renovierungsarbeiten unvermindert fort. Denn auch der zweite Trainingstag wurde von mehreren Stürzen überschattet. Am heftigsten erwischte es am Donnerstag den bereits am Vorabend gestürzten Japaner Hiroshi Suzuki. Der Pilot verließ nach seinem Sturz die Bahn wie unter Schock und trat zum zweiten Trainingslauf nicht mehr an. Zudem stürzten der Slowake Milan Jagnesak und der erfahrene Tscheche Ivo Danilevic, der aber im zweiten Lauf ohne größere Probleme ins Ziel fuhr. Damit hat es in den ersten vier Trainingsläufen der Zweierbobs bereits elf Stürze gegeben.

Auch Angerer stürzt

"Die FIBT ist da nicht gut aufgestellt. Aber ich hoffe auf eine Lösung", sagte Schwab. Im ersten Zweierbob-Training hatten zahlreiche Athleten große Probleme. Auch Karl Angerer aus Königssee kippte mit seinem Schlitten um. Für diese Fälle hatte Pruszynski in einer Mannschaftsführersitzung einen Maulkorb angeordnet. Wer sich nicht an die Vorgabe halte, drohte er, müsse mit Sanktionen rechnen.

Die Sturzserie im Whistler Sliding Centre eröffnete der Schweizer Mitfavorit Beat Hefti. Der vierfache Weltcup-Sieger in diesem Winter musste nach einigen Prellungen und Abschürfungen am Kopf die zweite Trainingseinheit am Morgen danach absagen.

Angerer, der im ersten Durchgang auf der schnellen Piste nur auf der Seite liegend mit seinem Bob das Ziel erreichte, sagte: "Alle haben den Crash unverletzt überstanden, doch der Sturz musste nicht unbedingt sein."

Australischer Anschieber aus Bob geschleudert

Entwarnung gab auch der australische Pilot Christopher Spring, der bereits in Kurve fünf stürzte. Sein Anschieber Duncan Harvey wurde aus dem Bob geschleudert und war bis zum Ende des Eiskanals gerutscht. Der Olympia-Debütant, der sofort mit einem Krankenwagen ins Hospital gebracht wurde, klagte über starke Rückenschmerzen. Die medizinische Untersuchung zeigte jedoch keine schwereren Verletzungen. Daher wollten Harvey und Spring am Donnerstag wieder ins Training zurückkehren.

Zudem kippten zum Auftakt die Bobs des Italieners Fabrizio Tossini, des Japaners Hiroshi Suzuki, des Rumänen Nicolae Istrate und des Schweizers Daniel Schmid in der schwer zu beherrschenden Bahn um. Große Probleme im Eiskanal mit 16 Kurven hatte auch der Niederländer Edwin van Calker, der ebenfalls stürzte.

Lange und Florschütz mit Bestzeiten

Topfavorit André Lange aus Oberhof ließ sich von dem Sturzfestival der Konkurrenz nicht aus der Ruhe bringen und gab sich keine Blöße. Mit 52,01 Sekunden fuhr der Olympiasieger aus Oberhof zusammen mit seinem Stammanschieber Kevin Kuske im zweiten Lauf Tagesbestzeit. Thomas Florschütz aus Riesa glänzte im ersten Lauf mit der schnellsten Zeit. Er fuhr wie der Kanadier Lyndon Rush 52,05 Sekunden.

Die Rodler hatten nach dem tödlichen Unfall von Kumaritaschwili die Strecke verkürzt und die Starts nach unten gelegt. So gingen die Herren vom Damenstart ins Rennen, Damen und Doppelsitzer vom Juniorenstart. Diese Möglichkeit haben die Bobfahrer nicht, da sie den Anlauf vom normalen Start benötigen.

SID/DPA DPA

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