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Olympiasiegerin Maria Riesch: Viel Gefühl für Ski

Erst das Debakel in der Abfahrt, dann der Triumph in der Super-Kombination: Maria Riesch hat wieder einmal gezeigt, dass sie eine Stehauf-Frau mit viel Siegeswillen ist. Aber nicht nur das - auch neben der Piste mag es die 25-Jährige gern glamourös.

Und wieder half Maria Riesch eine Gabe, die für den deutschen Alpin-Chef eine herausragende Qualität der Skirennfahrerin ist. "Auch nach einer Niederlage kann Maria am nächsten Tag eine Leistung bringen wie nach einer Siegesserie", pries Alpin-Direktor Wolfgang Maier seine Top-Skirennfahrerin, die wie Rosi Mittermaier, Katja Seizinger, Hilde Gerg, Marina Kiehl, Heidi Biebl, Ossi Reichert und Cristl Cranz nun Olympiasiegerin ist.

Rosi Mittermaier wusste schon seit den Kindheitstagen der kleinen Maria, dass die Vereinskameradin ihres Sohnes Felix Neureuther einmal Karriere machen würde. "Mir war schon früh klar, dass aus Maria Riesch einmal eine ganz große Skirennfahrerin werden würde, denn sie besitzt einfach ein unglaubliches Skigefühl", sagte "Gold-Rosi" einmal über den Star der deutschen Alpinen. Von Anfang an habe sie die "ehrliche, offene Art" beeindruckt. Und eine Willensstärke, die die Slalom-Weltmeisterin jetzt in den alpinen Olymp vorfahren ließ.

Riesch ist eine Stehauf-Frau


"Olympia wird so gepusht, wenn man dort etwas gewinnt, ist man der Held", sagte Riesch schon vor den Spielen. Jeder hatte von der 25- Jährigen eine Medaille erwartet - auch sie selbst. Ähnlich wie bei der WM vor einem Jahr, als sie nach vier vergeblichen Versuchen im letzten Rennen mit großem Willen zu Slalom-Gold fuhr.

Damals zeigte sie Qualitäten als Stehauf-Frau - wie auch vor und in ihrer olympischen Karriere. 2006 in Turin hockte sie nach ihrem zweiten Kreuzbandriss noch deprimiert zu Hause vor dem Fernseher. Doch die ehrgeizige Vielfahrerin kämpfte sich wieder zurück. Bis in die Weltcup-Spitze, wo sie drei Kristallkugeln und 13 Rennen gewann. Nur im Gesamtklassement musste sie sich bislang ihrer Freundin Lindsey Vonn geschlagen geben.

Riesch gibt immer eine elegante Figur ab


Wenn es drauf ankommt ist Riesch da. Die Vorzeige-Frau der deutschen Alpinen kann sich im Wettkampf steigern, von den Trainern wurde sie daher schon als "Rennpferd" bezeichnet. Das war nicht uncharmant gemeint von den Coaches; und wer Riesch wie zuletzt beim Ball des Sports in Abendgarderobe gesehen hat, weiß, dass sie auf dem Parkett der Promis eine elegante Figur abgeben kann.

Bei aller Ernsthaftigkeit für ihren Sport liebt Riesch aber auch diese Welt von Glitzer und Glamour, ganz anders als ihr Vorbild Katja Seizinger. An der Seite ihres neuen Managers Marcus Höfl, der auch Franz Beckenbauer betreut, war sie im Sommer bei der Hochzeit von Boris Becker. "Echt cool" sei es da gewesen, aber selber wolle sie so nicht heiraten, sagte die Single-Frau, die bei all den Reisen und Terminen kaum Zeit für eine Partnerschaft hätte. Vom Ex-Freund hat sie noch einen Schutzengel an einer Halskette dabei - ihr Talisman.

Maria Riesch mag es nicht nur auf der Piste schnell, sondern auch auf der Straße, was ihr auch schon Bußgelder einbrachte. "No speed no fun", antwortete sie einem Fan im Gästebuch ihrer Internetseite. Und ordnungsliebend ist sie. So sehr, dass ihre jüngere Schwester Susanne im Spaß schon einmal anmerkte, dass es die neue Olympiasiegerin schon stört, wenn eine Jacke über einen Stuhl gehängt wird.

Riesch ist nicht die erste Olympiasiegerin in der Familie - Onkel Wolfgang Zimmerer holte 1972 in Sapporo Gold mit dem Bob.

Christian Kunz und Michael Becker/DPA / DPA

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