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Olympia 2012: 100-Meter-Lauf der Herren Witz-Bolt sprintet zu Gold

Usain Bolt ist und bleibt der schnellste Mann der Welt. Im 100-Meter-Sprint hängte er die versammelte Weltspitze ab. Vor und nach dem Rennen spielte er mit Witz und Charme den Showman.
Von Christian Ewers, London

Die olympischen Leichtathletik-Wettbewerbe sind erst drei Tage alt, doch die wichtigste Frage ist schon beantwortet. Usain Bolt aus Jamaika ist der schnellste Mann der Welt; er siegte am Sonntagabend mit olympischem Rekord in 9,63 Sekunden über 100 Meter. Zweiter wurde mit deutlichem Abstand sein Landsmann Yohan Blake, Bronze gewann Justin Gatlin aus den USA.

Es war wieder einmal mehr als ein Rennen, das Bolt bot. Es war eine Show, schon vor dem Start. Der Sprintstar zog Grimassen, er imitierte einen DJ, er drehte einen imaginären Plattenteller und zum guten Schluss bekreuztigte er sich drei Mal und blickte versonnen in den Nachthimmel. Aber Bolt löste ein, was er kasperhaft versprach: Er war eine Klasse für sich im Finale. Auf den zweiten 50 Metern lief er der Konkurrenz davon, niemand konnte ihm folgen, und Bolt sah nicht besonders angestrengt aus, als er ins Ziel kam. Es war ihm ein Leichtes, dieser Olympiasieg.

Einen ähnlich lauten Applaus wie Bolt bekam am Sonntag nur Londons Bürgermeister Boris Johnson, als ihn die Stadionregie auf der Leinwand zeigte. Johnson hatte sich seine Frisur mal wieder vom Wind richten lassen, zum Sprintfinale trug er das Modell Wischmop.

Vor dem 100-Meter-Endlauf war viel darüber spekuliert worden, ob Bolt noch so dominant sein würde wie in Peking 2008 oder bei der WM 2009 in Berlin, als er in 9,58 Sekunden einen neuen (und bis heute gültigen) Weltrekord aufstellte. Bolt hatte zuletzt empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Bei den jamaikanischen Trials, den Qualifikationsrennen für London, siegte Blake sowohl über 100 als auch über 200 Meter vor Bolt.

Aber es waren eben nur die Trials und nicht die Sommerspiele. Sollte Bolt nur geblufft haben? Oder war ihm in Blake tatsächlich ein gefährlicher Gegner erwachsen?

Biest gegen Showman

Bolt, 25, und Blake, 23, werden von Glenn Mills trainiert, und der behandelt die beiden Sprinter wie Schwergewichtsboxer. Mills achtet darauf, dass sie sich nicht allzu oft duellieren. Bolt startete im vergangenen Jahr vorwiegend in Europa, Blake konzentrierte sich auf Meetings in Amerika. Jedem sein eigener Kontinent. Es sollte möglichst in der Schwebe bleiben, wer der schnellste Mann der Welt ist. Das erhöhte die Spannung und auch den Marktwert von Blake, der im Schatten von Bolt steht. Die amerikanischen Medien haben ihm die Rolle des Langeweilers zugewiesen. Tenor: ein Klassemann auf der Tartanbahn, abseits aber blass und ohne Witz.

Tatsächlich verweigert sich Blake der für Sprinter so typischen Kraftmeierei mit Worten. Er sagte zwar vor dem Rennen, er sei der Mann, den es zu schlagen gelte, und bezeichnete sich als "Biest". Doch über Bolt sprach er ganz unbiestig nur Gutes: "Wir sind Freunde. Wenn wir zusammen trainieren, haben wir Spaß."

Das nächste Duell unter Freunden wird es am Donnerstag geben, dann geht es über die 200-Meter-Distanz. Und am Freitag werden sie dann gemeinsam um Gold laufen, das Biest und der Showman. Mit Bolt und Blake ist Jamaika der große Favorit beim Staffelrennen über 4x100 Meter.

Von Christian Ewers, London

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