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Olympia 2012 Boxen und der Ruch der Bestechlichkeit


Beim Box-Turnier sollen Ringrichter und Funktionäre Kämpfe verschoben haben. Erinnerungen an den Skandalkampf von Roy Jones jr. in Seoul werden wach.
Von Klaus Bellstedt

Nach den verschobenen Badmintonspielen haben die Olympischen Spiele in London nun also ihren zweiten Skandal. Das Boxturnier in der Excel-Arena wird von einem Fehlurteil sowie einer umstrittenen Entscheidung überschattet.

Bantamgewichtler Satoshi Shimizu aus Japan hatte seinen Gegner Magomed Abdulhamidow in der dritten Runde gleich sechs Mal auf die Bretter geschickt. Am Ende wurde aber trotzdem der Aserbaidschaner mit 22:17 Punkten zum Sieger erklärt. Nach dem Protest der Japaner drehte der Boxweltverband AIBA das Urteil und bestimmte Shimizu zum Sieger durch Überlegenheit. Ein Turkmene hatte diesen Kampf geleitet. Ihm unterlief ein Fehler. Nach dem dritten Niederschlag hätte er Abdulhamidow anzählen müssen. Es folgte die Suspendierung des Unparteiischen.

Auch ein deutscher Ringrichter fiel durch eine ungewöhnliche Kampfleitung auf. Frank Scharmach hatte den Iraner Ali Mazaheri in einem Schwergewichtskampf gegen einen Kubaner nach drei Verwarnungen disqualifiziert. Dagegen protestierte die iranische Teamführung. Nach dem Videostudium entschied der Verband, Scharmach für fünf Tage zu suspendieren. Der Deutsche kehrt also nochmal ins Ringgeviert zurück.

Einer, der nicht mehr wiederkommen darf, ist Aghajan Abiyev. Kein Ringrichter, sondern ein hochrangiger Funktionär der AIBA. Seine Entlassung steht im Zusammenhang mit dem Skandalkampf unter Beteiligung seines Landsmanns Abdulhamidow. Und sie hat durchaus ein Geschmäckle. Im vergangenen Jahr waren Vorwürfe laut geworden, dass Aserbaidschan dem Weltverband rund acht Millionen Euro für zwei Medaillen in London gezahlt hätte.

Skandal um Roy Jones jr. unvergesslich

Nach einer internen Untersuchung hatte die von der AIBA einberufene Sonderkommission diese als "grundlos" und "jeder Grundlage entbehrend" zurückgewiesen. Dennoch schickte die AIBA Abiyev jetzt heim. Er habe gegen den Führungscode verstoßen. Was auch immer damit gemeint ist.

Der olympische Boxsport wurde in der Vergangenheit immer wieder von Skandalen erschüttert. Der größte war sicher der von Seoul 1988, als Roy Jones jr. um sein Gold betrogen wurde. Der Amerikaner, der später bei den Profis zur Legende wurde, landete in den drei Runden des Finals im Leichtgewicht gegen den Südkoreaner Si-Hun Park insgesamt 86 Treffer. Für den Local Hero Park wurden gerade mal 32 Treffer gezählt. Der Südkoreaner wurde während des Kampfes auch angezählt. Am Ende gewann er trotzdem mit 3:2 Richterstimmen. Eine Farce. Verschiedene amerikanische Zeitungen berichteten kurz darauf, dass ein Stasi-Spion eine Zahlung von 10.000 US-Dollar eines südkoreanischen Multimillionärs an das Kampfgericht bemerkte, der seinerzeit Präsident des koreanischen Boxverbandes war. Bewiesen wurde nie etwas.

Neues Wertungssystem

Auch jetzt liegt der Geruch von Bestechung in der Luft. Aber wie in Seoul 1988 werden auch die Fälle von London schnell zu den Akten gelegt werden. Ein Grund dafür ist, dass hier Amateure am Werk sind, deren Namen wirklich nur die wenigsten kennen. Auch die Kampfbörsen sind andere. Ganz zu schweigen von den Einschaltquoten. Umstrittene Urteile gibt es natürlich auch wenn die Klitschkos in den Ring steigen. Aber so krass daneben entschieden wie jetzt bei Olympia wird bei den Profis nicht.

In London hat der Weltverband auch deshalb richtig entschieden, weil er schnell und konsequent suspendiert hat. Und weitere Besserung ist in Sicht: Das bei den Amateuren immer wieder für Verärgerung sorgende Wertungssystem wandert in den Orkus. Keine Punktmaschinen mehr, mit denen die fünf Punktrichter die Treffer eingeben sollen. Das klappt ohnehin nur suboptimal. Die Unparteiischen können oftmals gar nicht so schnell drücken wie getroffen wird. Das ist ein großes Problem.

Hinzu kommt, dass von 2013 an nur noch drei Punktrichter nach jeder Runde im bekannten Zehn-Punkte-System der Profis werten. Im Moment sind es noch fünf. Rein rechnerisch werden also demnächst zwei Fünftel weniger Fehler gemacht - könnte man ketzerisch meinen. Ob nun absichtlich oder nicht wird nie bewiesen werden können. Das bleibt ein grundsätzliches Problem des Boxens.

mit Agenturen


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