HOME

Stern Logo Olympia 2014

Gebrauchter deutscher Olympia-Tag: Hätte, hätte, Unglückskette

Es hätte ein toller Olympiatag fürs deutsche Team werden können. So manche Medaille hätte man gewinnen können. Hätte Stefan Luitz auch das letzte Tor genommen. Hätte dieser Finne aufgepasst. Hätte.

Von Dieter Hoß

Viel vorgenommen hatten sich die deutschen Sportler auch für diesen Olympiatag. Natürlich! Doch manchmal ist es wie verhext, nichts will klappen. Und wäre mancher nur einen kurzen Moment aufmerksamer gewesen, dann hätte alles gut werden können.

Hätte Stefan Luitz ...

... ein bisschen besser aufgepasst, hätte er bestimmt auch das letzte Tor des Riesenslaloms in Krasnaja Poljana noch heil überstanden. Und dann hätte er wirklich die Chance auf eine Medaille gehabt. Denn eigentlich hatte er ja praktisch schon die zweitschnellste Zeit geschafft. Aber man muss eben auch das letzte Törchen, wenige Meter vorm Ziel, sicher nehmen, sonst zählt's halt nicht. "Du Vollidiot", war Luitz' erster Gedanke. Hat er gesagt. Wir wollen mal nicht widersprechen.

Hätte Felix Neureuther ...

... besser aufgepasst, in München, auf dem Weg zum Flughafen, dann hätte er nicht diesen Unfall gebaut. Und er hätte nicht dieses Schleudertrauma. Dann hätte er sicher auch um die Medaillen im Riesenslalom mitfahren können. In ein paar Tagen soll es dann beim Slalom klappen. Hoffentlich sagt er dann nicht: "Hätte ich mal auf den Riesenslalom verzichtet."

Hätte dieser Finne ...

... nicht urplötzlich die Spur gewechselt, dann - und da sind sich alle sicher - dann hätte das deutsche Langlauf-Duo im Teamsprint eine Medaille gewonnen. Ganz bestimmt. So aber stürzte Tim Tscharnke, und wusste anschließend nicht mal, wie ihm geschehen war. Denn hätte er es gewusst, dann hätte es vielleicht noch ein Happy End gegeben. "Wenn ich gewusst hätte, was für einen Vorsprung wir hatten, hätte ich mir beim Aufstehen mehr Mühe gegeben", so Tscharnke später. Das hätte ihm ja mal jemand zurufen können.

Hätte Denise Herrmann ...

... schon im Halbfinale jenen Ski gehabt, den sie im Endlauf gefahren hat, dann hätte sie sich sicher nicht so verausgaben müssen und hätte auch im Finale noch Kraft genug für den Endspurt gehabt. Dann hätte sie zusammen mit Stefanie Böhler Bronze im Teamsprint der Langläuferinnen gewonnen. So aber hat sie "auf der Zielgeraden gestanden". Sagt sie. Und musste sich "von einer Jungen schlagen lassen", die sie sonst "locker im Griff" gehabt hätte. Sagt sie. "Wir haben den vierten Platz gewonnen und nicht Bronze verloren." Sagt Böhler. "Deswegen braucht sie uns jetzt. Dafür sind wir ein Team."

Hätte Isabella Laböck ...

... nicht immer wieder ausgerechnet bei Großereignissen zum Teil katastrophale Bedingungen, wie sie sagt, dann hätte sicher auch jetzt, bei Olympia, mehr herausspringen können. So aber rutschte die Raceboard-Weltmeisterin beim Riesenslalom auf "der kompletten Eisglatze" von Krasnaja Poljana aus - und nix war's mit einer Medaille. Das galt übrigens auch für ihre Mitstreiterinnen. Nur ihr männlicher Kollege Patrick Bussler schaffte es bis ganz nah an die Medaillen. Und hätte er das Duell um Bronze gewonnen, dann hätte er als erster deutscher Snowboarder eine Olympia-Medaille gewonnen. So gewann er "emotional eine Goldmedaille bei der WM". Sagt er. "Es ist ein Grund zur Freude." Meint er.

Hätte Claudia Pechstein ...

... vorher gewusst, dass das Eis in Sotschi so ist wie es ist und nicht so, wie es hätte sein können, dann hätte sie sich vielleicht gar nicht mehr nach Olympia aufgemacht - was manchem gefallen hätte, denn die 41-Jährige gilt ja als sehr streitbar. Sie hätte gar nicht erst kundtun müssen, dass ihr das Eis nicht liegt, und dass sie deshalb doch nicht mit ihrer zehnten Medaille rechne. Und sie hätte sich nicht entschuldigen müssen, dass dies "wie eine Ausrede klingt, aber nur eine Feststellung ist", wie sie auf ihrer Homepage schrieb. So aber wurde es nix mit der Medaille auf ihrer Paradestrecke, den 5000 Metern. "Aber beste deutsche Eisschnellläuferin in Sotschi geworden zu sein, macht mich stolz", sagt sie. Vermutlich hätte sie nicht gedacht, dass das so einfach sein würde. Denn so manche Teamkollegin hätte eine Medaille gewinnen können. Hat aber nicht geklappt.

Hätten die deutschen Bobbauer ...

... die Warnungen der deutschen Bobfahrer während der Saison nicht in den Wind geschrieben, dann hätten jetzt alle viel mehr Freude an den Spielen von Sotschi. So haben alle nix davon. Die Zweierbob-Männer nicht. Und die Zweierbob-Frauen auch nicht. Dann hätte Sandra Kiriasis nach dem letzten Rennen ihrer tollen Karriere nicht im Fernsehen weinen müssen. Denn mit der Fahrerei, die die anderen in Sotschi gezeigt haben, hätten sie normalerweise keine Medaillen gewonnen.

Hätte das alles ...

... anders laufen können, dann hätten die Deutschen an diesem Mittwoch Medaillen gewonnen. Dann hätten sie vielleicht die Führung im Medaillenspiegel nicht abgeben müssen. Und dann hätte wohl auch niemand einen solchen Text geschrieben.

Wissenscommunity