HOME

Stern Logo Olympia 2014

Star-Geigerin startet für Thailand: Vanessa Mae stürzt sich ins Olympia-Abenteuer

Sie zählt zu den besten Geigerinnen der Welt, in Sotschi aber steht Vanessa Mae für Thailand auf Rennskiern. Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch wundert sich, "wie die durch so einen Lauf kommen kann".

Für Vanessa Mae geht es nur darum, "Spaß zu haben". Als Skirennfahrerin startet die Star-Geigerin an diesem Dienstag im Riesenslalom erstmals bei den Winterspielen – natürlich chancenlos. Für die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch ist Mae auf Skiern noch ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. "Wenn man die so sieht, wie klein und zerbrechlich die ist, kann man sich gar nicht vorstellen, wie die durch so einen Lauf kommen und womöglich noch gegen die Stangen fahren kann", sagte Höfl-Riesch.

Um eine Medaille wird die 35 Jahre alte Mae in den Bergen von Krasnaja Poljana ohnehin nicht fahren. Aber auch ohne sportliche Glanztaten steht Mae, die unter dem Namen ihres Vaters als Vanessa Vanakorn für Thailand startet, im Rampenlicht. Die wilde Geigerin ist bekannt für ihre gewagten Roben und aufreizenden Posen. Mae mit Geige und Schmollmund im nassen Hemdchen halb im Wasser, oder im knallroten Edeloutfit mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel - mit solchen Fotos hat die seit 2009 in Zermatt in der Schweiz lebende Künstlerin Millionen Fans begeistert. Geboren wurde sie im tropischen Singapur. Mit ihrer aus China stammenden Mutter zog sie im Kindesalter nach Großbritannien.

Gegen die Faulheit zum Olympia-Traum

Mit einem Repertoire von Klassik bis Techno hat sie weltweit Musik-Preise gewonnen und stand schon mit 24 Jahren auf der Liste der Superreichen. Um Aufmerksamkeit geht es Mae daher nach eigenen Angaben nicht. Wegen ihrer "faulen Seite" habe sie ein Ziel gesucht. "Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich nur an sonnigen Tagen Skifahren gehen werde oder tatsächlich besser werden will", meinte sie. Mit dem Ziel, sich für Olympia zu qualifizieren, ließ sie sich selbst dann keine Wahl mehr.

Beeindruckt hat sie damit auch die deutsche Starterin Barbara Wirth. "Ich habe sie im Sommer schon im Trainingslager im Zermatt getroffen", berichtete die 24-Jährige, die neben dem Riesenslalom auch im Slalom an den Start gehen will. "Sie hat sich brutal gefreut, dass sie mit uns mittrainieren darf. Das habe ich als schönen Moment empfunden. Es war interessant, wie ehrgeizig sie ist", sagte Wirth.

Musik ist einfacher als Skifahren

Voraussetzung für Olympia ist eine gewisse Punktzahl bei FIS-Veranstaltungen: Im Weltcup, Europacup oder bei FIS-Rennen. Letztere gelten als dritte Liga der Skirennfahrer, in der Talente Rennpraxis bekommen, aber auch länger verletzte Spitzenathleten ihr Renngefühl wiederfinden sollen. Auch dort gibt es aber Punkte. Schlechtes Wetter und Rennabsagen machten die Qualifikation in diesem Winter zwar kompliziert. Vier Starts binnen zwei Tagen in Slowenien reichten aber, um die Kriterien des Skiweltverbands (FIS) zu erfüllen. "Das Wetter war in letzter Minute zum Glück auf meiner Seite und ich habe es geschafft - das ist fast surreal", meinte Mae.

Verletzungssorgen hat die laut offiziellen Angaben 1,60 Meter kleine und 48 Kilogramm leichte Künstlerin nicht. "Ich habe mir schon den Ellenbogen gebrochen und das überlebt. Man muss sein Leben auch mit ein bisschen Risiko leben, um es lebenswert zu machen", erklärte sie. Nach ihrem Abenteuer als Leistungssportlerin soll wieder die Musik im Mittelpunkt stehen. "Das ist einfacher. Alles ist nur Interpretation, es gibt kein richtig und falsch und keinen Wettkampf."

Hund Max hat keinen Zutritt im Olympiadorf

In Sotschi fühlt sich die oft von zwei Bodyguards begleitete Mae wohl. "Alle sind super entspannt und das Buffet im Olympischen Dorf ist toll", sagte sie. Auf die Frage, ob sie denn auch dort wohne, antwortete sie mit "Ja". Allerdings soll die Teilnehmerin mit dem größten Glamour-Faktor auch ein Hotelzimmer in Rosa Chutor bezogen haben, denn ihr Chihuahua Max hat im Sportlerdorf keinen Zutritt.

Höfl-Riesch und Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg jedenfalls sind "gespannt" auf Maes Auftritt vor ungewohntem Publikum. Dann kann sie auch beweisen, dass sie wirklich keine Schönwetterfahrerin mehr ist.

Das hat sie im ersten Lauf getan. Bei Regen und sulziger Piste kommt sie mit knapp 27 Sekunden Rückstand auf die Führende Tina Maze ins Ziel.

Maximilian Haupt und Christian Kunz

Wissenscommunity