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Olympia 2018: Die absurde Schlammschlacht zwischen einer deutschen Bobtrainerin und dem Jamaika-Verband

Der jamaikanische Bobverband liefert sich einen schmutzigen Streit mit der gefeuerten Bobtrainerin Sandra Kiriasis - offensichtlich geht es ums Geld. Beide Seiten machen sich die absurdesten Vorwürfe.

Sandra Kiriasis Olympia

Sandra Kiriasis (l.) während der Olympia-Eröffnungsfeier mit Bobpilotin Jazmine Fenlator-Victorian und Anschieberin Carrie Russel

Es hätte alles so schön sein können. Der Karibik-Staat Jamaika hat bei den Olympischen Winterspielen wieder ein Bob-Team am Start. Schon einmal, in Calgary 1988, schrieb ein jamaikanischer Männer-Viererbob Geschichte. "Cool Runnings" schaffte es sogar ins Kino. Diesmal qualifizierte sich ein Frauen-Team mit Pilotin Jazmine Fenlator-Victorian und Anschieberin Carrie Russel für die Winterspiele. Das gilt nach wie vor als exotisch, ist es aber im Grunde nicht mehr, denn sportlich halten sie mit, auch wenn sie nicht um Medaillen kämpfen. Am Ende belegten sie den vorletzten Platz.

Dennoch produzierte der Jamaika-Bob zahlreiche Schlagzeilen, bevor es in Pyeongchang ernst wurde. Die Schlagzeilen erzählen von einer üblen Schlammschlacht zwischen dem jamaikanischen Bob-Verband und der deutschen Trainerin Sandra Kiriasis, von Lügen und Vorwürfen, Rechtsanwälten und - natürlich - Geld. Kiriasis wollte per einstweiliger Verfügung sogar den Start des Bob-Teams verhindern, lenkte aber im letzten Augenblick ein, so dass Fenlator-Victorian und Russel am Dienstag in die ersten beide Läufe starteten. Es war der dramatische Höhepunkt eines absurden Streits.

Olympia-Siegerin Kiriasis genießt eine hohe Reputation

Kiriasis genießt in der Welt des Bobsports eine hohe Reputation. Sie gewann in Turin 2006 die Goldmedaille und ist siebenfache Weltmeisterin. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde sie vom jamaikanischen Bob-Verband JBSF als Trainerin engagiert. Bei der Eröffnungsfeier marschierte sie einträchtig mit den Athletinnen ins Olympiastadion ein, tanzend und Fähnchen schwenkend. Alles schien bereitet für eine weitere Geschichte, die von den Außenseitern aus der Karibik erzählt, die sich bei Olympia behaupten.

Doch dann feuerte der jamaikanische Verband Kiriasis plötzlich in der vergangenen Woche und untersagte ihr den Kontakt zu den Athletinnen. Sie musste das olympische Dorf verlassen. Doch Kiriasis, die als streitbar gilt, ließ das nicht so einfach auf sich sitzen und ging mit ungeheuerlichen Vorwürfen öffentlich in die Offensive: Sie beklagte: "Man wies mich aus dem Olympischen Dorf, mir wurde vom Verband die Akkreditierung entzogen, sodass ich nirgendwo mehr hinkomme, ich derzeit also obdachlos bin und noch nicht weiß, wo ich die nächste Nacht schlafen soll."

Kiriasis behauptete weiter, sie sei das Opfer einer Intrige der Verbandsfunktionäre, die Athletinnen hätten sehr gerne mit ihr gearbeitet. Sie wisse "bis heute nicht, was der wahre Grund für die Entscheidung ist", werde sich aber "nicht zur Marionette des Verbands degradieren lassen", tat sie auf ihrem Facebook-Profil kund.

Jamaika-Verband: Kiriasis ist eine Lügnerin

Tage später feuerte Leo Campell, Chef des jamaikanischen Bobverbandes, zurück: "Sie ist eine Lügnerin", sagte er in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". Demnach habe man Kiriasis einen Umzugswagen zur Verfügung gestellt, sie in ein Luxusapartment für 450 Euro pro Nacht und Zugang zum Spa-Bereich einquartiert und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Es habe Vorfälle gegeben, die zu Kiriasis' Entlassung geführt hätten, erzählte er. Welcher Art die Vorfälle waren, wollte er nicht sagen.

Doch das war nur der Auftakt der Auseinandersetzung. Mittlerweile dreht sich der Konflikt ums Geld. Kiriasis hatte dem jamaikanischen Verbands JBSF einen Bob für die Olympischen Spiele verschafft. Sie lieh ihn im Namen der Jamaikaner vom Bobclub BSC Winterberg in ihrer Heimat Thüringen aus. Sie verlangt vom Verband 20.000 Euro für ihre Dienste und engagierte einen Anwalt, um ihre Interessen durchzusetzen. Aber die Jamaikaner weigern sich zu zahlen. Sie behaupten, den Bob in der Zwischenzeit regulär gekauft zu haben - trotz eines existierenden Mietvertrages. Der BSC sah sich gewzungen, eine öffentliche Stellungnahme abzugeben. Der Bobclub aus Thüringen stellte klar, dass Kiriasis "den Bob für Jamaika nicht organisiert und besorgt" habe. "Der gesamte Prozess (außer die Übergabe) lief über einen Dritten." Kiriasis habe den zuvor ausgehandelten Mietvertrag nicht fristgerecht unterzeichnet.

Daraufhin griff Kiriasis zum letzten Mittel: Per einstweiliger Verfügung wollte sie die Premiere des jamaikanischen Frauen-Bobs verhindern - es wäre der traurige Höhepunkt eines absurden Streits gewesen. Doch die 43-Jährige lenkte schließlich ein - öffentlich natürlich: Sie sagte: "Es würde mir das Herz brechen, wenn Jazmine nicht hätte starten können. Als ehemalige Sportlerin weiß ich, was es heißt, Olympische Spiele zu erleben. Ich wünsche Jazmine und ihrem Team viel Glück." Den Rest werden jetzt wohl Anwälte klären.

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