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Interview mit Tischtennis-As Schmidberger "Ich kann mir ein Leben nach London nicht vorstellen"


Thomas Schmidberger trainiert hart für die Paralympics, der Tischtennisspieler hat gute Chancen auf eine Medaille. Im Interview spricht er über die Vorfreude – und sein Ritual gegen Nervosität.

Was ist das für ein Gefühl, wenn du an London denkst?
Der Gedanke an London ist mit einem wahnsinnigen Gefühl verbunden. Für Deutschland bei olympischen Spielen starten zu dürfen, das ist großartig. Ich bin schon etwas aufgeregt, freue mich aber sehr.

Was ist dein Ziel in London?
Ich möchte zwei Medaillen gewinnen, sowohl im Einzel- als auch im Teamwettbewerb. Die Farbe ist mir dabei egal.

Dein Rezept gegen Aufregung?
Ich habe mit einem Psychologen so eine Art Ritual ausgearbeitet, das ich vor jedem Spiel durchführe und das mich beruhigt – ich wärme mich auf, gehe zur Toilette und höre abschließend noch etwas Musik.

Wer begleitet dich bei deinen ersten olympischen Spielen?
Mein Vater, meine Mutter und ihr Lebensgefährte (meine Eltern leben getrennt), mein Bruder, ein guter Freund und seine Freundin.

Du bist ja sehr erfolgreich und schon auf Platz 2 der Weltrangliste. Woher nimmst du die Kraft, mit so viel Einsatz und hartem Training bei der Sache zu sein?
Ich bin ein Familienmensch. Meine Familie ist die Nummer 1 in meinem Leben. In meinem sozialen & privaten Umfeld passt alles, da kann ich gut regenerieren und Kräfte tanken, denn es passiert durchaus manchmal, dass ich keine Lust auf Tischtennis habe.

Trainierst du mit behinderten oder nicht-behinderten Sportlern?
Ich trainiere überwiegend mit nicht Behinderten. Das ist ganz normal für mich und nichts Besonderes.

Erzähl doch bitte, warum du im Rollstuhl sitzt.
Im Alter von vier Jahren hatte ich auf dem Heimweg vom Kindergarten einen Autounfall. Seither bin ich ab dem 1. Brustwirbel abwärts gelähmt.

Der Anfang des Projekts "Neue Sporterfahrung" stand unter dem Motto "Respekt – Paralympics 2012". Was ist für dich Respekt?
Jeden so zu akzeptieren wie er ist, ohne auf das Äußere oder seine Einschränkungen zu achten.

Wie kamst du zum Tischtennis?
In der Schule haben meine Freunde immer an den Tischtennisplatten gespielt. Ich wollte das dann irgendwann auch und habe meinen Vater gebeten mir auch eine zu kaufen. So habe ich angefangen zuhause zu trainieren. Meine Freunde fingen dann in Vereinen an und ich auch. Ich wurde dann aber kontinuierlich besser.

Was würdest du dir wünschen - wie sollen dich nicht-behinderte Menschen behandeln?
Man soll mich so behandeln, wie sich Menschen, die mir gegenübertreten auch von mir behandelt werden wollen. Am besten, so wie alle anderen.

Wie setzt dich dein Freundeskreis zusammen? Verbringst du deine Zeit hauptsächlich mit Nicht-Behinderten oder Behinderten?
Meine Freunde sind hauptsächlich nicht Behinderte. Natürlich bilden sich auch Freundschaften im Sport. Diese Freunde sind dann natürlich auch behindert.

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus? Wo lebst du, was arbeitest/studierst du, wie viel trainierst du?
Seit 18 Monaten steht Tischtennis an erster Stelle. Zunächst frühstücke ich, danach folgt die erste Trainingseinheit. Anschließend muss ich zur Zeit viele Formalien für London bearbeiten. Mittags folgt die zweite Trainingseinheit. Nachmittags ist etwas Entspannung angesagt. Entweder habe ich frei oder es geht zur Physiotherapie. Zum Abschluss des Tages steht die dritte und letzte Trainingseinheit auf dem Programm. Im Winter werde ich anfangen zu studieren. Da steht das Tischtennis dann erstmal hinten an. Das Leben nach London kann ich mir im Moment aber noch gar nicht vorstellen, da die letzten 18 Monate nur mit dem Gedanken "London 2012" verbunden waren.

Was machst du, wenn du kein Tischtennis spielst?
Eigentlich ist mein Lieblingssport Eishockey. Ich bin ein großer Fan. Diese Sportart lässt sich im Rollstuhl allerdings nicht so gut realisieren (lacht). Ansonsten verbringe ich viel Zeit mit meiner Familie, mit meinen Freunden und vorallem meiner Freundin.


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