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"Carl Lewis der Behinderten": Dopingskandal bei den Paralympics

Er galt als der potenzielle Superstar der Behindertenspiele. Am Eröffnungstag der Paralympics gestand der Leichtathlet Earle Connor die Einnahme verbotener Substanzen.

Die Paralympics in Athen starten mit einem Dopingskandal: Wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier am Freitag überraschte der kanadische Leichtathlet Earle Connor mit einem Geständnis. Der Weltrekordhalter über 100 und 200 Meter und Sydney-Gewinner wurde bei einer Trainingskontrolle am 23. August in A- und B-Probe positiv auf Nandrolon und Testosteron getestet und wird somit nicht an den Behinderten-Spielen in der griechischen Metropole teilnehmen.

"Ich bedauere diesen sorglosen Fehler sehr", teilte Connor in der Nacht zum Freitag per Fax mit. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) wollte keinen Kommentar zu dem Fall abgeben, weil er nicht in seine Zuständigkeit falle. Für Dopingkontrollen vor dem 10. September seien die nationalen Verbände verantwortlich.

Schnelleren Genesung durch leistungssteigernde Mittel

Connor erklärte, er habe vor einem Leichtathletik-Meeting am 1. August in Leverkusen einen Zusammenbruch erlitten und musste wegen einer Magen-Darm-Erkrankung ein Krankenhaus aufsuchen. Um rechtzeitig für die Paralympics gesund zu werden, griff er zu leistungssteigernden Mitteln. "Diese Maßnahme zur schnelleren Genesung habe ich allein zu verantworten", schrieb Connor und schloss zugleich jegliche Mitschuld seines Trainers Les Grammantik aus.

Der im Alter von drei Monaten oberhalb des linken Kniegelenks amputierte Connor leidet nach eigenen Angaben seit 2001 an gravierenden gesundheitlichen Problemen. In den letzten sechs Monaten wurde der Kanadier drei Mal getestet, alle Befunde waren negativ. Bei der letzten Kontrolle am 23. August brachte die A-Probe einen Testosteron-Wert von 8,6:1 ng/ml, der Nandrolon-Level erreichte 9,2 ng/ml. Erlaubt sind 6:1 und 2 ng/ml.

Elf Dopingfälle bei den Paralympics in Sydney

Connor galt als potenzieller Superstar der Behindertenspiele. Im Mai wurde der mehrfache Weltrekordler mit dem Laureus World Sports Award ausgezeichnet. Bei der Wahl setzte er sich in der Leichtathletik gegen die nichtbehinderten Maria Mutola und Paula Radcliffe durch. 2003 stellte Connor in Deutschland über 100 Meter, 200 Meter und 400 Meter drei Weltrekorde an einem Tag auf. "Er ist der Carl Lewis der Behinderten, der absolute Überflieger", meinte Arno Schade, Pressesprecher des deutschen Teams.

Der deutsche Mannschaftsarzt Markus Zimmer hatte vor Beginn der Wettkämpfe bestätigt, dass es auch bei den Behinderten Vorwettkampf-Kontrollen gibt. "Diese sind jedoch nicht so ausgeprägt wie bei den Olympischen Spielen. Zudem gibt es Anlaufprobleme, da die Athleten nicht so einfach aufzufinden sind", sagte er. In Athen rechnet Zimmer mit rund 670 Wettkampf-Kontrollen. In Sydney gab es elf Dopingfälle. Bei den Olympischen Spielen in Athen wurden bei den Wettkampf- Kontrollen 14 Aktive positiv getestet. Im Vorfeld sorgten die griechischen Leichtathleten Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou für einen Eklat.

Frank Kastner, Britta Körber/DPA / DPA

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